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Ehemalige Hauswirtschafterin Marianne Schwarzbach (59) macht sich mit Agentur für alltägliche Hilfen selbstständig

"Ein gutes Gefühl, endlich wieder Lebendigkeit spüren!"

Rinteln. Dienstleistungen anbieten, rund um die Belange von Haus und Haushalt und das tägliche Leben mit seinen Alltagstücken - so sieht Marianne Schwarzbachs Schritt in die Selbstständigkeit aus. Die 59-jährige ehemalige Hauswirtschafterin der Burghofklinik hat nach ihrer Wegrationalisierung keinesfalls vor, tatenlos zu bleiben.

"Ich hatte wirklich nicht damit gerechnet, meinen Beruf zu verlieren", sagt sie. "Und im ersten Moment habe ich das auch ziemlich schwer genommen." Zehn Jahre lang war die gelernte Hotelfachfrau verantwortlich gewesen für das hauswirtschaftliche Innenleben der Rintelner Klinik mit ihren Patienten, die hier Hilfe bei psychischen Erkrankungen suchen. Sie liebte ihre organisatorische Arbeit, und sie sah gerne, wenn Menschen, die ganz gebeugt in der Klinik ankamen, langsam wieder den Kopf heben konnten. Ihre Ausbildung im Hotelfach begann Marianne Schwarzbach erst mit 45 Jahren. Mutig bewegte sie sich zwischen jungen Leuten, sie biss sich durch, auch wenn sie Angst davor hatte, wieder Klausuren schreiben zu müssen oder wenn man im Küchenbereich dachte: O prima, da kommt ja eine gestandene Hausfrau! Klug spezialisierte siesich auf den Bereich des "Housekeeping", um von Grund auf zu lernen, wie man sich um das gute Erscheinungsbild eines gepflegten Gästehauses kümmert. "Ich werde ja älter, dachte ich. Ich wollte erfolgreich sein und Geld verdienen." Dass sie nicht im Management bei McDonald's in Bad Nenndorf blieb, wo sie schnell ein gutes Arbeitsangebot gefunden hatte, sondern es sehr viel reizvoller fand, zur Burghofklinik zu gehen, hat mit ihrer eigenen Geschichte zu tun. Als junge Frau und Mutter von zwei Kindern war sie damals wie nebenbei in eine Depression und in eine anschließende Tablettenabhängigkeit geraten. "Ich weiß einfach zu gut, dass psychische Probleme ganz normal zum Leben dazu gehören", sagt sie. Und sie weiß auch, wie viel eigene Kraft und Unterstützung von außen dazu gehören kann, um wieder gesund zu werden. Aufgewachsen im kinderfreundlichen Schweden, zog Marianne Schwarzbach 1971 mit ihrem ersten Mann in eine kleine nordspanische Stadt, wo das Leben für die junge Mutter glücklich und unkompliziert verlief. "Ich war so integriert", sagt sie. Und genau das war gar nicht mehr der Fall, als die Familie aus beruflichen Gründen nach Deutschland zog, nach Bielefeld in ein Reihenhaus. "Das war so schrecklich." Die Kinder kamen zur Schule, sie selbsthatte nur zwei unvollständige Ausbildungen vorzuweisen und in der Ehe zeigten sich nun ernsthafte Krisen. Es ist eine lange Geschichte, wie sie erst Therapien machte, dann jahrelang mit Beruhigungstabletten durch den Alltag ging, wie sie an einem wunderschönen, weißglitzernden Wintertag mit den Kindern feststellte, dass sie sich nicht mehr freuen konnte und endlich einen Entzug wagte, der schwer war wie ein Drogenentzug und fast vier Jahre dauerte. Da lebte sie schon in Rinteln, wohin sie nach der Trennung von ihrem Mann gezogen war, weil sie die "süße, schöne" Stadt, deren Umgebung mit Bergen und Fluss sie an Schweden erinnerte, bereits durch die Burghofklinik kannte, wo sie selbst einige Wochen lang als Patientin gewesen war. "Es war ein so gutes Gefühl, mit 45 Jahren endlich wieder die eigene Lebendigkeit zu spüren!" Wenn sie das sagt und lächelt und dabei jede Menge Lebenskraft ausstrahlt, dann kann man sich vorstellen, dass sie mit ihrem kleinen Dienstleistungsagentur in eine Lücke stoßen wird. Sie richtet sich in Möllenbeck mit ihremHaushalts- und vielfältigen Alltagshilfen-Dienst vornehmlich an Senioren und deren Angehörige, denen dabei auch eine wichtige Lebenserfahrung zugute kommt: Dass es sich lohnt, um sich selbst zu kämpfen.

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