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Handwerker, Künstler und Naturliebhaber: Carsten Grobek gehört zu den besten Tierpräparatoren Europas

Edel blicke das Auge und schön flauschig sei die Brust

Rolfshagen. Wen es schon als Kind meist in die freie Natur zieht, wer schon in jungen Jahren die Vögel unterscheiden lernt, wer mit der Schönheit in Flora und Fauna gleichsam aufwächst, " der hat eigentlich gar keine Wahl und wird Tierpräparator", erklärt Carsten Grobek. Und wenn in der etwas ferneren Nachbarschaft zudem noch ein Meister der Präparation sein Handwerk ausübt und der kleine Carsten ihm dabei zuschauen darf, dann steht der Traumberuf von Jugend an fest. "Da kam auch keiner gegen an", erinnert sich der 37-jährige staatlich geprüfte und anerkannte Tierpräparator heute gern an jene Zeiten.

Es ist die Schönheit der Natur, die für ihn im Zentrum seiner Arbeit steht: Nur wer Natur versteht, wer sie als Schöpfung bewahren will, wer ihre Schönheit sieht, der ist auch ein guter Präparator. Und er muss schon einiges können: Man sollte hervorragend malen, nähen, sägen, meißeln, gestalten und auch frisieren können, gute Kenntnisse der Zoologie haben und natürlich ein gutes Auge besitzen. "Dieser Beruf hat auch etwas künstlerisches. Wir sind Handwerker und Künstler", erzählt Grobek. Man glaubt es ihm, wenn man in seiner Werkstatt steht und ihm einen Moment auf die Fachfinger schaut. Fragenüber Fragen warten auf Antworten: Welcher Schnabel passt zu welchem Erpel? Mit welchem Teil der Lippe zupft das echte Reh denn nun am Klee? Welche Applikationen passen am besten und zieren den Marder? Und in welchem Winkel stürzt sich der Eisvogel auf der Jagd nach der Nahrung denn nun in das Wasser? Soll das Tier entspannt an einem Ast knabbern oder edel blicken? Mit geschlossenem oder geöffnetem Maul? Allein 125 Augentypen in 5000 Ausführungen sind im Angebot, der Präparator (oder Taxidermist, wie die Berufsbezeichnung heute etwas weltläufiger bezeichnet wird), hat die Qual der Wahl. Und so mag es Grobek überhaupt nicht, wenn man ihn einen "Tierausstopfer" nennt: "Ich stopfe nicht aus, ich präpariere Tiere." In der Kunst der dreidimensionalen Präparation von Tieren zur dauerhaften Darstellung darf er sich zur europäischen Elite zählen. Bei den letzten Europameisterschaften in Dortmund hat er mit einem Eisvogel einen zweiten Platz belegt, in einem weiteren Wettbewerb wurde er Dritter. Da hat er den Lohn der Ausbildungsarbeit kassieren können, denn in Südafrika und Namibia, wo er lange lebte, und in Michigan, wo er bei einem achtfachen Weltmeister lernte - "dem Beckenbauer der Tierpräparatoren" -, hat sich Grobek intensiv und auf hohem Niveau mit den Anforderungen seines Berufes auseinander gesetzt. Und diese Anforderungen, sie haben sich deutlich gewandelt in den letzten Jahrzehnten. Nicht mehr der althergebrachte Keiler an der Wand, der unter Präparatoren als echtes Auslaufmodell gilt, und auch nicht mehr der schlaffe, buchstäblich ausgestopft aussehende röhrende Hirschkopf gilt als anstrebenswertes Ideal der Zunft, sondern die Wesens- und Lebensechtheit der Modelle zählt einzig und allein. Tierpräparation, das sei heute mehr als nur die simple Rekonstruktion der Tiere, erklärt Grobek. Fell runter, Modell her, Fell drüber und ab an die Wand - dieser klassische Viererschritt seines Berufsstandes hat längst ausgedient. Neben der Liebe zur Natur,über die Grobek gern erzählt, ist Idealismus für den Beruf des Präparators unerlässlich, denn reich wird man damit nicht. Für einen Bussard vielleicht zwei bis drei Tage, 100 bis 150 Euro berechnet er allenfalls dafür: "Verglichen damit, was eine Autowerkstatt nimmt, ist das ein Witz." Telefonisch ist der Neu-Rolfshäger unter (05753) 960066 erreichbar.

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