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Abschied von Modellprojekt / Investor will Grundstück zurückgeben und gegen das DRK klagen

DRK-Kreisverband lässt Seniorenheim sterben

Bad Nenndorf (rwe). Das 20 000 Quadratmeter große Grundstück mit den ehemaligen Tennisplätzen und dem alten Freibad bleibt vorerst eine Brache. Aus der Traum vom hochmodernen Pflege- und Seniorenzentrum, das der Stadthäger Investor Wolfgang Bax an der Bahnhofstraße in Bad Nenndorf mit dem DRK Schaumburg verwirklichen wollte. Der Kreisverband des Roten Kreuzes hat nach fast 15 Monaten Planung die Unterschrift unter den Pachtvertrag verweigert. Es ist nicht der erste Rückzug aus einem Millionenprojekt. Vor zwei Jahren hatten die Rotkreuzler den Haster Karl-Heinz Rohrßen auf fertigen Plänen sitzen lassen. Beide Investoren verklagen den Kreisverband nun - es geht jeweils um mehrere hunderttausend Euro.

Dabei hing der Himmel im Dezember 2004 voller Geigen, als Investor Wolfgang Bax die ersten Pläne vorstellte. Das Zentrum mit Heim, Wohnen und Tagesstätte habe Modellcharakter für Niedersachsen schwärmte DRK-Geschäftsführerin Ursula Krüger damals. Doch davon ist nichts mehr zu hören. "Das Risiko war uns zu hoch", sagt Schaumburgs DRK-Vorsitzender Wolfgang Foerstner. Der Investor habe die Bedingungen immer mehr verändert, unter anderem eine Bürgschaft in Höhe von mehrere Jahresmieten verlangt. Außerdem sollte bei der beabsichtigten Betreiber-GmbH ein Durchgriffsrecht auf das Vermögen des Kreisverbandes möglich sein. Nicht nur das brachte den Vorstand zum Umdenken. Laut Foerster habe sich die Marktlage geändert. "Manchmal geht ein Projekt eben nicht", sagt er. Deshalb habe der Vorstand, der sich am Ende zur Unterschrift gedrängt gefühlt habe, einstimmig dagegen gestimmt. Das dürfte den Amtsträgern nicht leicht gefallen sein, immerhin steckte das DRK etwa 30 000 Euro in die Planung. "Die Planung gehört dem DRK", bestätigt Wolfgang Bax. Der Investor hält die genannten Gründe für vorgeschoben. Seine Forderungen seien allgemein üblich. Bax ist zerknirscht. Das DRK habe immer Druck gemacht, die Pläne endlich umzusetzen. Schon im Februar 2005 hat es nach seinen Worten einen Vorstandsbeschluss gegeben, die Pläne mit ihm umzusetzen. Bereits seit Mitte Januar 2005 liege der Pachtvertrag zur Unterschrift vor. "Ohne bekomme ich kein Geld von den Banken", sagt Bax. Deshalb habe er auch auf einen Abschluss gedrängt. Das Vorgehen des DRK dürfte dem Stadthäger jedoch bekannt vorkommen. Denn Bax hatte die Rotkreuzler nicht ohne Grund planen lassen. Der Verband hatte ursprünglich mit Heinz-Konrad Rohrßen ein Altenheim in Haste bauen wollen und dafür die Konzeption erstellt. Bax warb damals den Kreisverband ab, lockte ihn nach Bad Nenndorf. Nun guckt er selber in die Röhre. Aus den beiden Konkurrenten Bax und Rohrßen sind Leidensgenossen geworden. Damit nicht genug. Sie haben mittlerweile sogar denselben Rechtsanwalt, beide wollen ihr Geld zurück und treten in den anstehenden Prozessen gegenseitig auch als Zeugen auf. Rohrßen hat bereits einen Termin: am 12.Mai verhandelt das Landgericht Bückeburg seine Klage. 90 000 Euro hat er nach eigenen Worten in die Planung gesteckt, dazu kommen 15 Monate Mietausfall, die er auf 400 000 Euro beziffert. Auf eine halbe Million Euro Schadenersatz will auch Bax klagen. Er habe allein 120 000 Euro in die Vorbereitung des Bebauungsplanes und des Bauantrags gesteckt, dazu kommen die Belastungen. "Das werde ich durchklagen bis in die letzte Instanz", verspricht er. Munition in diesem Verfahren hat er genügend. Sogar den Schriftverkehr zwischen dem damals ausgebooteten Mitbewerber Rohrßen und dem DRK habe ihm die Geschäftsführerin einst übergeben - versehen mit pikanten handschriftlichen Notizen.

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