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Für 200000 Euro erhält das Hattendorfer Gotteshaus einen neuen Schutz gegen Wind und Wetter

Dringend drängeln - das dichtet das Dach

Hattendorf. Ein sorgenfreies Gesicht sieht anders aus. Tiefe Falten haben sich in die Stirn von Christian Skibbe gegraben, soeben hat der Architekt für Bau und Kunstpflege der Landeskirche Hannover den Turm der Hattendorfer Kirche untersucht. Es sieht nicht gut aus: Die Anker, die den Turm zusammenhalten, sind verrostet und korrodiert - eine Sanierung scheint überfällig zu sein.

Doch zunächst muss das Dach der Kirche erneuert werden. Das dauert seine Zeit: Ein Mann schafft pro Tag fünf Quadratmeter, insgesamt sind 750 Quadratmeter Dachfläche aufzunehmen und wieder einzudecken. Es ist ein Job für Spezialisten, denn es ist keine normale Deckung, die das Gotteshaus gegen Wind und Wetter schützt. Sandstein aus dem Solling, den so genannten roten Solling-Sandstein, haben die Altvorderen einst auf die Dachlatten gelegt - und dabei nicht bedacht, dass manche Ressourcen auf Gottes weiter Welt durchaus endlich sind. Und so gibt es ihn heute nicht mehr, erklärt Skibbe: "Der rote Solling wird nicht mehr hergestellt." Und anderer Sandstein, etwa aus Obernkirchen? "Der ist leider nicht für die Hattendorfer Dacheindeckung geeignet", bedauert Skibbe. Die Folge: Jeder einzelne Dachziegel muss hochgenommen werden, wird genau geprüft und auf seine Wiederverwendung untersucht. Nur jeder zweite besteht die Prüfung: 50 Prozent sind für den Schrott. Wird die Kirche jetzt mit zweierlei Dachziegel eingedeckt? Nein, erklärt Skibbe, die Landeskirche habe vor einigen Jahren vorausschauend noch gut 1000 Quadratmeter Solling-Sandstein eingekauft, aus diesem Restefundus bedienen sich die Dachdecker für die Hattendorfer Kirche. Und weil die Arbeit so langwierig ist, weil es eben dauert, bis jeder Ziegel hochgenommen, geprüft und dann wieder aufgelegt wird (und nicht jeder Ziegel passt überall hin), ging auch der Weihnachtswunsch der Kirchengemeinde nicht in Erfüllung: Bis zum Heiligen Abend sollte das Gotteshaus ein neues Dach erhalten haben. Bis März, so schätzt Skibbe, wird es wohl doch dauern, bis das letzte Gerüst abgebaut werden kann. Eigentlich war die Sanierung des Daches für 2005 noch gar nicht vorgesehen, aber Skibbe hat es mit Blick auf das überall durchtropfende Wasser bei der Landeskirche etwas dringender gemacht. Es hat geholfen: 139 000 Euro hat die Landeskirche für die Sanierung zur Verfügung gestellt, mit 50 000 Euro beteiligt sich der Kirchenkreis Grafschaft Schaumburg, immerhin noch 11 000 Euro steuert die Hattendorfer Kirchengemeinde laut Skibbe bei. Und damit ist auch erklärt, warum die Dachdecker mitten im Herbst - gemeinhin ja nicht die Jahreszeit, in der man in luftigen ungeschützten Höhen die Arbeit aufnimmt -, der Kirche aufs Dach klettern mussten: Es war ja dringend. Die letzte Renovierung liegt schon ein paar Jahrzehnte zurück - und auch sie überwinterte einen Jahreswechsel: 1958/59 war dies. Dabei wurde das gesamte Gestühl entfernt, Heizung in den Fußboden verlegt, die Emporen im Hauptschiff und die Orgel von ihrem ursprünglichen Platz - zum Teil noch vor den Fenstern - und dort errichtet, wo sie heute noch ihren Zweck erfüllt. Ob der Hattendorfer Kirchturm nun noch in diesem Jahr noch saniert wird, das bezweifelt Skibbe. Aber der Architekt für Bau- und Kunstpflege will bei der Landeskirche ein bisschen drängeln. Und es dringend machen. Tiefe Sorgenfalten auf der Stirn können dabei nicht schaden.

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