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Zum neunten Mal: Irish Folk im Kloster / Mit den "Keltics" singen 3000 Besucher kollektiv "500 miles"

Drei Stunden Hexenkessel fast ohne Pause

Möllenbeck. "Irish Folk im Klosterhof", nunmehr schon die neunte Folge. Verbunden wieder mal mit der erwartungsvollen Frage, ob sich das Ereignis gegenüber dem Vorjahr noch einmal toppen lässt, und dem bangen Blick auf das Wetter. "Wir haben rund 3000 Zuschauer gezählt", frohlockte Organisationsleiter Jürgen Pleitner, als irgendwann nach ein Uhr nachts die Keltics nach drei Stunden Hexenkessel fast ohne Pause und immer neuen allerletzten Zugaben auf der Bühne ihre Instrumente packten, mindestens ebenso glücklich wie ihre Fans und in der Gewissheit, wohl auch im nächsten Jahr wieder dabei zu sein.

Das musikalische und emotionale An- und Aufwärmen des Publikums hatte in diesem Jahr die Mark Bennett Band aus Dublin übernommen: Mark ist als Sänger und Gitarrist seit über zehn Jahren in der deutschen "Irish Pub"-Szene ein gern gesehener und gehörter Entertainer und versteht es mit seinen vielen selbstgeschriebenen Liedern von Liebe, Heimweh und den unterschiedlichen Straßen des Lebens, auch auf großer Bühne intime Club-Atmosphäre zu entwickeln - dabei unterstützt von Rick Bowers (Fiddle) und Martin Bauer (Bass und Gesang). Im gesanglichen Duett mit der eigens aus Dublin angereisten Ehefrau Ruth gewinnt der Auftritt eine ausgesprochen liebenswürdige Intimität. Und als auf der Bühne ganz spontan vier junge Frauen aus Hameln einen Irish Dance mit angedeuteter Step-Einlage hinlegen, kennt die Begeisterung kaum noch Grenzen: Die Mädels mit ihrer Trainerin Katja Heiniger aus dem Bellabina-Tanzstudio waren zwar nicht eingeplant, haben aber unter dem Titel "Celtic Spirit" schon einige Auftritte in der Region absolviert. Auf dem Rasen kreisen mitgebrachte Rotweinflaschen, Wildfremde bieten sich Popcorn und Kekse an, Schaumburger wie irische Biere fließen in Strömen und selbst bei den paar obligatorischen Promille-Opfern ist keine Spur von Zoff zu spüren: "Just love and peace and harmony". Nach diesem stimmungsvollen Aufgalopp entwickelt sich dann auf der Bühne "ganz großes Kino". Da wird umgestellt und eingestellt, abgemischt und abgestimmt: Der Soundcheck der Keltics scheint kein Ende zu nehmen und erste Unruhe macht sich bei den mittlerweile dicht an dicht bis zum Bühnenrand gedrängten Zuschauern bemerkbar - eine Unruhe, die sofort verfliegt, als der charismatische Sänger Thys Bouma von den Keltics wie ein energieberstender Kugelblitz vor das Mikro tritt und den noch nicht zu sehenden Erdtrabanten am mittlerweile dunklen Himmel mit "The Rising of the Moon" ansingt. Walfänger- und Rebellensongs wechseln mit Traditionals zum Tanzen und Mitklatschen, wovon im Publikum exzessiv Gebrauch gemacht wird. Da werden die "Roads to Dublin" besungen und der Abschied der Auswanderer von Liverpool mit viel Herzblut begleitet. Seltsame Liebesgeschichten seltsamer Kneipenbräutewechseln mit Erlebnissen in obskuren Spelunken. Mit Akkordeon und Bagpipes, Mandoline, Gitarren, unerschöpflich vielen verschiedenen Flöten und Rhythmusinstrumenten werden dafür die musikalisch tragenden Kulissen aufgebaut, und eines wird mit jedem Song einem jeden im Klosterinnenhof immer deutlicher: Der Frontmann dieser starken Truppe, dieser Thys Bouma - er ist definitiv durchgeknallt. Ist ein tanzender und stampfender, schreiender und schmachtender Derwisch der Musik und reißt mit seinem Impetus wirklich jeden mit. Nach "Black is the Colour" schleudert ein Haufen langmähniger Headbanger die Köpfe mit solcher Wucht, dass man an Nasenbluten und Schlimmeres denkt. Ein paar niedliche Satansjünger versuchen sich mit entsprechenden Gesten und magischen Zeichen als kleine Teufel zu gebärden und zeugen doch in der gebieterischen Größe des Klosterhofs nur davon, dass dem Allmächtigen eben auch die gefallenen Engel untertan sind - ein an sich recht rührender Ritus des luziferischen Ringens um einen Platz bei Gott. Inzwischen droht leider das Finale. Eingeleitet mit einer bewegten Fassung des Pop-Klassikers "Those were the Days", fortgesetzt mit ganz und gar neu interpretierten Hits von Johnny Cash und Bob Geldof und einem kollektiv gesungenen "500 miles" kommt es dann zur fast unendlichen Zugabe-Kette: Als dann tatsächlich der letzte Ton verklingt, sind es die Zuhörer aber doch zufrieden - im wohltuenden Gefühl, einen beglückenden Abend erlebt zu haben. Umsonst und draußen, mit positiven Emotionen für hoffentlich lange Zeit versorgt. Es geht doch!

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