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Tafeln im "Blauen Salon": Küchenteam zaubert Restaurant-Atmosphäre ins Senioren-Wohnheim

Drei sinnesfreudige Tage Abstand vom Alltag

Rinteln (cok). Es ist schon ein ungewöhnlicher Anblick, den Leiter eines Seniorenheimes in weißer Schürze und Kochmütze herumlaufen zu sehen. Ralf Ober vom Seniorenheim Rinteln in der Landgrafenstraße hat sich anlässlich der "Restauranttage" in einen Koch verwandelt. Er und seine Mitarbeiterinnen luden Bewohner, Angehörige und Freunde ein zu Frühlingsmenüs im "Blauen Salon".

Spargel mit Schinken oder Saltimbocca alla Romana, dazu italienische Vorspeisen und zum Nachtisch zum Beispiel Rotweincreme mit Kirschen, so sah die liebevoll von den Bewohnern in der Beschäftigungstherapie gestaltete Speisenkarte für den ersten Tag aus. "Ja, normalerweise ist unser Budget leider nicht so großzügig", sagt Ralf Ober. Insgesamt 18 Mitarbeiter aus der Pflege, der Verwaltung, der Küche und der Hausreinigung beteiligten sich freiwillig an dieser Aktion und steuerten ihre Lieblingsrezepte und ihre Kochkünste bei. In der kleinen Nebenküche herrscht quirliges Leben und gute Laune, und ungewöhnliche Gewürzdüfte steigen einem schon im Flur in die Nase. Gerade wird das Schweinefilet mit der Marsalasauce und den Rosmarinkartoffeln aufgetragen. Im "Blauen Salon", der eigentlich der "kleine Speisesaal" ist, und heute auch gar nichtblau, sondern in festlichen hellen Tönen eingerichtet ist, sitzen gut gelaunt etwa 20 Gäste. Die meisten von ihnen leben nicht im Heim, sondern haben diesen besonderen Tag genutzt, um ihre alte Mutter, Tante oder den Vater zu besuchen. An einem der Tische ist dieüber 90-jährige Verwandte der vier Gäste schon längst ins Bett gegangen: "So ein großes Essen, dass ist nicht mehr ihre Sache", sagt der Sohn. "Aber wir haben sie zusammen besucht, das war schön, und jetzt lassen wir es uns schmecken." An den anderen Tischen sitzen die alten Menschen mit in der Runde und am Fensterplatz lassen es sich vier Bewohner zusammen schmecken. Der alte Holzschnitzer und seine Nachbarin greifen kräftig zu und trinken gerne auch einen Wein von der ausgesuchten Weinkarte. Die beiden alten Frauen gegenüber aber haben nur wie Vögelchen an ihrem Essen genippt. Sie sind bereits von der Möhren-Bärlauchsuppe fast satt gewesen. "Das macht aber nichts", sagt Ralf Ober. "Wichtig ist, dass so etwas Besonderes und Verbindendes geschieht.." Etwas Besonderes sind die Restauranttage auf jeden Fall. Auch die Speisen der nächsten beiden Tage, Spargel mit Schweinefilet, Lachsfilet mit Zitronensauce an Blattspinat oder köstliche russische Teigtaschen, die Pellimeni, sie entsprechen der Qualität einer gehobenen Gastronomie. "Da unsere Bewohner sich kaum noch auf den Weg in ein Restaurant machen, kommt das Restaurant eben zu ihnen", meint Ralf Ober. Der Nachtisch sieht einfach lecker aus, Tiramisu und Vanilleeis mit bunten frischen Früchten, alles sehr verführerisch dekoriert. Eine Rechnung gibt es nicht für die Gäste, aber sie werden ein dickes Spendenschwein füttern, und wenn etwas Geld übrig bleibt, soll der "Blaue Salon" für neue Einladungen auch neu hergerichtet werden. "Solche gemeinsamen Festessen verbinden uns", so der Heimleiter. "Wenn man schöne Dinge zusammen macht, hat man auch wieder Kraft für den Alltag."

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