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Kabarett-Trio agiert im "Museum für deutsche Zukunft" / Solonummern als Höhepunkte

"Denkzettel" brennt Pointen-Feuerwerk ab

Bückeburg. Gleich mit ihrem ersten Gastspiel in der heimischen Region hat das im Umfeld der Magdeburger Zwickmühle groß gewordene Kabarett-Trio "Denkzettel" am Freitag sein Publikum restlos überzeugt. Der vom Kulturverein im voll besetzten kleinen Saal des Rathauses organisierte Abend bot mehr als zwei Stunden akkuratestes Pointen-Feuerwerk. Vera Feldmann, Frank Hengstmann und Thomas Müller gingen in ihrem Programm "Feudal is muss! oder King komm!" vor allem der Frage "Quo vadis Deutschland?" nach. Dass es dabei mitunter zurück in die Vergangenheit ging, spricht für den ingeniösen Spürsinn der Magdeburger.

Die Antworten wurden in der "heimlichen Hauptstadt Niedersachsens" (gern gehörtes Auftrittskompliment des Ensembles) aus einem imaginären "Museum für deutsche Zukunft" heraus gesucht. Unterschiedliche Ansätze und Annäherungsversuche dokumentierten den diffizilen Charakter der Thematik. Was die in klassischem Kabarett-Stil agierenden "Denkzettel"-Akteure nicht davon abhielt, den ernsten Hintergrund per allerhand bestens gehandhabter Scherzstrahler auszuleuchten. Obwohl Feldmann, Hengstmann und Müller Heiterkeit, Gelächter und Applaus zumeist als Terzett ernteten, gerieten deren Solo-Auftritte zu den Höhepunkten der Vorstellung. Vera Feldmann als "Angie M.": "Noch bevor ichüberhaupt Kanzlerin war, habe ich schon Arbeitsplätze geschaffen - bis mein Gesicht dem Gesicht der Frau auf meinem Wahlplakat ähnlich war, habe ich zwei Fassadenmaler und zwei Stuckateure verschlissen." Und: "Ich habe das immer gewusst, wenn man aus Schimmelpilz Penicillin machen kann, dann kann man auch aus mir was machen." Sowie über das Beten in der CDU: "Gott schütze uns vor Angela und bring zurück die Cholera - äh Kohl-Ära." Thomas Müller als "Alter Fritz": "Nach Wiedereinführung der Monarchie wird es Schwierigkeiten geben, das Merkel vom Thron fernzuhalten - Gott schütze uns vor Lava-Massen und Frauen, die den Herd verlassen." Und, über den Regierungssitz im Anschluss an seine Reinthronisierung: "Der Umzug hat nicht nach Potsdam zu erfolgen sondern nach Königs-Wusterhausen - das ist zwar nicht der Arsch der Welt, aber man kann ihn von dort aus sehr gut sehen." Frank Hengstmann als arbeitsloser Manni Fest: "Mensch Manni, hat die Quote nach 2010 Umschulungen zu mich gesagt, Mensch Manni, da biste ja wieder." Und: "Was früher auf dem Arbeitsamt Beamte waren, sind jetzt Agenten - Geheimdienstler für Langzeitarbeitslose." Sowie, über seine Beschwerde auf durch Computerfehler bedingte, unpünktliche Einkommenszahlungen: "Dann fax mich das Geld doch rüber." "Feudal is muss" sei nur der erste Streich einer als Trilogie angelegten Serie gewesen, erläuterte das Trio vor dem donnernden Schlussbeifall. Die Kapitel "Kapital is muss" und "Sozial is muss" stünden noch aus. "Wir würden gern wiederkommen und Sie über die Entwicklungen auf dem Laufenden halten." Das wäre wünschenswert. Nicht zuletzt um in Erfahrung zu bringen, ob Mister Wirtschaftswunder Ludwig Erhard sich in der Zwischenzeit der "Denkzettel"-Prognose konform verhalten hat: Erhard würde sich, so er das gegenwärtige Schicksal der Sozialen Marktwirtschaft erführe, dermaßen schnell im Grab umdrehen, dass man mit ihm als Dynamo die gesamte Amüsementmeile Bückeburgs beleuchten könnte.

  • "Denkzettel" Frank Hengstmann als Manni Fest: "Mensch Manni, hat die Quote zu mich gesagt."
  • Thomas Müller als "Alter Fritz": "Gott schütze uns vor Lava-Massen und Frauen, die den Herd verlassen." Fotos: bus
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