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Norbert Dallüge hat sie alle: Die Fotos des ersten Deutschen Titels 1954 - vom Nachbarn geschenkt

Das Wunder von Bern - 82 Zigarren-Bilder

Rinteln (sdi). Es ist 1974. Sparwasser schießt in Hamburg das 1:0 für die DDR, die westdeutsche Auswahl ist geschockt. Norbert Dallügge auch. Aber sein Nachbar in Rinteln noch mehr - der schenkte dem damals Zehnjährigen aus lauter Frust das Album zur Fußball-WM von 1954.

"Der war vielleicht verärgert", erinnert sich Dallügge. Er selbst habe unter Schock gestanden und geglaubt, die WM sei für Deutschland vorbei. Später lief er jubelnd durch das gesamte Haus, als Gerd Müller den 2:1-Siegtreffer gegen die Niederlande erzielte und das DFB-Team den Titel gewann. Für den Fachleiter Ergotherapie der Stadthäger Blindow-Schule war es eine prägende WM: Seit damals favorisiert er in seiner Gunst den FC Bayern. Allerdings schaut er sich die Partien des Hamburger SV und Werder Bremens lieber an, "die spielen einfach spektakulärer". Jeälter der Rintelner -"gelernter" Torwart und Stürmer - wurde, desto bewusster wurde ihm der Wert des Albums von 1954. Viele haben es sich bereits angesehen, die 82 Bilder bestaunt. Damals gab es jeweils eins in Zigarrenschachteln eines Bremer Tabakfabrikanten. "Mein Nachbar muss geraucht haben wie ein Schlot", glaubt Dallügge und weiß: "Ein solches Album ist doch viel besser als die modernen." Bei den Begegnungen der laufenden WM trifft man den Routinier vom SC Rinteln bisweilen auf dem Pferdemarkt in Hameln, wo er sich die Partie mit seiner Freundin anschaut. Das deutsche Team? Im Viertelfinale dürfte Schluss sein, vermutet Dallügge. Argentinien ist für ihn großer Favorit, denn Brasilien sei zu träge: "Wenn man jeden Tag gesagt bekommt, man ist der Beste, gibt man eben nicht mehr alles." Apropos geben: Das Album, dessen Preis Dallügge nicht schätzen kann, will er nicht mehr aus der Hand geben. Höchstens zum Anschauen. Denn dass er sich ähnlich echauffiert wie einst sein Nachbar, sollten die Deutschen verlieren, steht nicht zu befürchten. Eins ist für den Rintelner klar: "Der Bessere soll gewinnen, das ist doch ganz einfach."

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