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Wandererüberlebt 25-Meter-Sturz / 19-Jähriger hat nur Schürfwunden

Das "Wunder vom Hohenstein"

Zersen. Seit 1995 wandern sie an Himmelfahrt zum Hohenstein - und von Jahr zu Jahr werden es mehr junge Leute. Die Vatertagstour hat Tradition. Noch nie ist etwas passiert. Gestern Nachmittag um 13.41 Uhr stockt der Clique (58 Frauen und Männer) der Atem: Am Grünen Altar, hoch oben auf dem Hohenstein, verliert ein 19-Jähriger das Gleichgewicht, als er sich nach seinem Rucksack bückt. Der Mann stürzt 25 Meter in die Tiefe - er bleibt in einer Spalte auf einem Felsvorsprung liegen. Der Wanderer muss einen Schutzengel gehabt haben, denn er zieht sich nur Schürfwunden am Kopf und auf dem Rücken zu. Wäre der 19-Jährige nur ein paar Meter weiter vorn ausgerutscht, hätte er keine Chance gehabt zu überleben. Die Steilwand ist an dieser Stelle 50 Meter hoch.

Die Freiwilligen der Feuerwehren aus Zersen und Hessisch Oldendorf sind ein eingespieltes Team. Ortskundige werden an jeder Weggabelung postiert - sie weisen auswärtige Kräfte ein. Freunde sprechen bis zu seiner Rettung mit dem Verunglückten - das nimmt ihm die Angst und wirkt beruhigend. Retter lassen zunächst einen Feuerwehrhelm zu dem Mann hinab, so dass sein Kopf vor Steinschlag geschützt ist. Wenig später treffen Spezialisten am Unfallort ein: Mitglieder der Höhenrettungsgruppe der Feuerwehr Oldendorf (Gemeinde Salzhemmendorf) steigen zu dem 19-Jährigen hinab, leinen ihn an. Behutsam ziehen die Feuerwehrleute das Opfer die Felswand hinauf. Um 15.08 Uhr ist der junge Mann in Sicherheit. Er wird von einem Notarzt-Team untersucht und mit einem DRK-Rettungswagen ins Kreiskrankenhaus gefahren. Hessisch Oldendorfs Stadtbrandmeister Heinrich Wieneke und sein Stellvertreter Hans Jürgen Hoffmann haben die Menschenrettung geleitet. Polizisten und Feuerwehrleute können kaum glauben, dass der Mann einen solchen Sturz beinahe unverletzt überlebt hat. "In diesem Fall", sagt Hoffmann, "kann man getrost vom Wunder vom Hohenstein sprechen." Polizeihauptkommissar Manfred Reineke zollt den 54 Feuerwehrleuten Respekt: "Die Ehrenamtlichen haben tolle Arbeit geleistet." Seit Dezember gab es am Hohenstein schon fünf Such- und Rettungseinsätze: 22. Dezember: Eine 42-jährige Frau beobachtet einen Bergsteiger. Dabei rutscht sie aus und stürzt in den Tod. 14. Januar: Retter der Feuerwehr riskieren im völlig vereisten Gelände ihr Leben, um eine verängstigte Spaziergängerin (43) aus einer Felsspalte zu befreien. 4. Mai: Mit Hund und Hubschrauber suchen Polizisten nachts nach einem Vermissten (31). Der Mann wird um 0.50 Uhr daheim angetroffen. 16. Mai: Erneut durchkämmen Polizisten und Feuerwehrleute Teile des Süntels. Um 20.49 Uhr steht fest: Der Vermisste (24) ist nicht mehr im Wald, er hält sich bei einem Freund auf.

  • Gerettet: Feuerwehrleute haben den Abgestürzten hochgezogen.
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