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Umsonst und Drinnen: Neuauflage nach fünf Jahren Pause / Ein Song für Kluwe

Das rockt: Luxusprobleme und klassische Posen für den guten Zweck

Kleinenbremen. Am Ende gibt es ein Luxusproblem für "Projekt: Failed". Zwar ist das Band-Projekt entgegen dem Namen nicht gescheitert, sondern hat das "Umsonst und Drinnen"-Festival locker und souverän eröffnet, doch am Schluss ergibt sich mit Blick auf die "Zugabe, Zugabe" brüllende Menge doch eine Frage: Was sollen wir noch spielen?

Denn erst wenige Wochen spielt die Band zusammen und verfügt daher nur über ein limitiertes Songangebot, doch das Konzert in der "Schönen Aussicht" erwies sich für sie als echtes Heimspiel: Jeder Song umjubelt, in dichten Reihen standen die Mitschüler vor der Bühne. Das Projekt löste das Zugabe-Problem souverän: Es wurde einfach ihr bester Song wiederholt. Rund 350 Zuhörer mögen es gewesen sein, die die von Jörg Klapper initiierte Wiederauflage von "Umsonst und Drinnen" mitverfolgt haben. Im Vorfeld der sich zum 20. Mal jährenden Katastrophe von Tschernobyl wurde für den guten Zweck die Bühne geentert: Statt Eintritt zu kassieren wurde für ein Kinderkrankenhaus in Gomel gesammelt. Rocken für den guten Zweck - dafür brauchte Organisator Klapper gar nicht lange zu bitten. Ein paar Anrufe in der ihm bestens vertrauten Musikszene - und das Programm stand. Mit einer Ausnahme: Michael Kluwe zog seine Zusage für das Benefizkonzert zurück. Und bekam dafür von der Band "Perverted Perception" deutliche Worte von der Bühne herab. Wer sich im öffentlichen Leben als wiedergeborener Christ geriere, aber nicht bei einem Konzert für weißrussische Strahlungsopfer im Kindesalter auftreten wolle, weil ihm die technischen Voraussetzungen als etwas unzulänglich erschienen, der habe es sich verdient, dass ihm der nächste Song gewidmet wird: "Und der heißt: Daneben." "Perverted Perception" hielten mit ihrem beinharten Hardrock mit punkigen Akzenten und Texten auf Deutsch und Englisch das Stimmungsbarometer ebenso hoch wie zuvor ihre Bühnenvorgänger "Noise Included". Die Band um den Auetaler Christoph Kuhlmann spielt seit über zwei Jahren zusammen und bot einen Anblick, den man seit den achtziger Jahren auch nicht mehr so oft sieht: Bassist Gernot Preusser und Gitarrist Kuhlmann im Stemmschritt, Schulter an Schulter, das Gesicht hinter einem Wald von Haaren verborgen. Weil hard and heavy nicht so meine Tasse Tee sind, habe ich nach vier Songs die Jungs von der Technik besucht. Nils Müller und seine Mannen haben das Konzert live ins Internet gestellt, doch der Andrang der Welt hielt sich in Grenzen: Nur knapp 50 Zuhörer und Zuschauer verfolgten in der Spitzenzeit das Programm. Müller war enttäuscht: Man habe mit mehr Zuspruch gerechnet. Auf der Bühne stand mittlerweile ein begnadeter Entertainer: Simon Widdowson aus Brakel. "Suboptimal" ist sicherlich nicht der schlechteste Name für seine Band - "Haptisch" und "Olfaktorisch" wären fraglos weit schlimmer -, aber im Laufe des Konzerts wurde schon deutlich, dass der Bandname gut zur Musik und den deutschen Texten passt: Eine feine Ironie durchzog die punkigen Songs, die Widdowson mit einer überragenden Bühnenpräsenz der Pogo tanzenden Menge darbot. Das musikalische Vorbild? "Die Böhsen Onkelz." Und nein, sagt Widdowson, er habe keine Lust, darüber zu diskutieren - "damit habe ich genug Lebenszeit verschwendet". Die Band hat zwei CD's veröffentlicht: www.suboptimal-band.de . Den Abschluss bildeten gegen Mitternacht "Perfect Crime" aus Rinteln, die ihren ersten Auftritt absolvierten, als die meisten ihrer Mitspieler in der für derartige Festivals bestens geeigneten "Schönen Aussicht" noch gar nicht auf der Welt waren. Entsprechend locker und souverän präsentierten Herbert Hartmann und Kollegen ihren melodiegetränkten Mix aus Hard- und Softrock. Davon konnten sich auch Freunde in Manchester und Tunesien überzeugen: Sie verfolgten den Auftritt im Internet.

  • Brakeler Entertainment: Mark, Stefan und Simon Widdowson mit einem Dortmund-Fan.
  • Punk lebt immer noch: "Perverted Perception" mixt ihm eine gehörige Portion Hardrock bei - das hält jung.
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