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Lammert will "verbindliche Werte" für Deutschland / Diskussion mit Bundestagspräsidenten im Rathaussaal

" ... dann ist mir der Ausgang der WM fast egal"

Bückeburg (tw). "Eine gemeinsame Sprache, verbindliche Werte - und ein weltoffener Patriotismus: Schaffen wir es, dieses Bild unserer Gesellschaft zur Fußball-WM zig Millionen von Menschen zu präsentieren, ist mir der Ausgang des Turniers fast egal": Fazit von Bundestagspräsident Dr. Norbert Lammert (57) beim gestrigen Mittagsgespräch der Konrad-Adenauer-Stiftung. Knapp drei Wochen vorm ersten Anpfiff.

Rund 400 Gäste, darunter allein knapp 200 Schüler sowie zahlreiche Soldaten der Bundeswehr, hatte die Antwort auf die selbst gestellte Frage des zweithöchsten Repräsentanten des Staates - "Verfassungspatriotismus und kulturelle Identität: Was hält unsere Gesellschaft zusammen?" - in den Großen Rathaussaal gelockt. Dreh- und Angelpunkt des von MdL Friedel Pörtner (CDU) moderierten Lammert-Vortags dabei: der Begriff der "Leitkultur". Ein Begriff, den man, so der Bundestagspräsident, "nicht mögen muss". Der aber den Vorteil biete, dass er die "dringend nötigen" Debatten provoziere. Anders als noch vor fünf Jahren werde das, was dieser Begriff fordert, heute mehr und mehr akzeptiert, denn: "Seit damals hat's in Deutschland zu oft ,geknallt'." Was indes zur "Leitkultur" gehört - diese Frage lässt Lammert, erklärterweise mehr am "Grundsätzlichen als am Konkreten" interessiert, weitgehend offen. Nur so viel: "Ohne ein Mindestmaß an Gemeinsamkeit erträgt eine Gesellschaft keine Vielfalt." Zu diesem Mindestmaß gehört laut Lammert in jedem Fall, dass Einwanderer Deutsch als Landessprache beherrschen. Zustimmung kommt bei der anschließenden Diskussion von vielen Seiten: "Ich finde es toll, dass Sie die ,Leitkultur' als Roten Faden in unserer multikulturellen Gesellschaft bezeichnen", lobt FDP-Kreisvorsitzende Renate Jobst. "Aus dem Neben- muss ein Miteinander werden", pflichtet Heinz-Gerhard Schöttelndreier bei. Der Landrat ergänzt: "600 Sprachkurse reichen aber nicht aus. Davon abgesehen, müssen die Türken an diesen Kursen auch teilnehmen." Lammert auf die Frage von Richter Peter Rohde, ob zur Leitkultur nicht auch ein "Ruck" hin zu "christlichen Werten, die unser Landüber zig Jahrhunderte geprägt haben", gehöre: "Die Kenntnis der religiösen Überzeugungen, mit denen Deutschland groß geworden ist, ist auch für Neubürger eminent wichtig." Nur auf diese Werte allerdings lasse sich die Verfassung nicht reduzieren. Der Bundestagspräsident erinnert: "Bis weitins (finstere) Mittelalter ist die Rolle christlicher Religionsgemeinschaften - bei uns, aber auch im gesamten Abendland - durch gigantische Verirrungen gekennzeichnet gewesen." Das Spiegelbild dieser Verirrungen biete heute der Islamismus. Erst das Zeitalter der Aufklärung habe in Europa zu der heutigen Balance von Glaube und Vernunft geführt. Seitdem seien beide gemeinsam die "großen Kulturen des Westens". Lesen Sie ein ausführliches Interview mit Norbert Lammert in unserer nächsten Ausgabe.

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