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Spaziergang durch das Revier "Meinser Kämpen" / "Nachtisch" der Schaumburger Wildwochen

Buche mitunter rabiat, Eiche mit freiem Kopf

Meinsen (bus). Sozusagen als Nachtisch der Schaumburger Wildwochen 2005/2006 hat das Fürstliche Forstamt jetzt acht Personen eine Besichtigung des Reviers "Meinser Kämpen" serviert. Die von der Jägerschaft Schaumburg, dem Kreisforstamt Spießingshol, dem Niedersächsischen Forstamt Oldendorf und dem Fürstlichen Forstamt Bückeburg sowie 18 renommierten Schaumburger Restaurants veranstalteten Wochen hatten als Gewinne Verzehrgutscheine der beteiligten Lokale mit einem Gesamtwert von mehr als 1 000 Euro und zwei Sonderpreise bereitgestellt. Der Sonderpreis "Wald und Flur" war an Brigitte Bolte (Stadthagen) gegangen.

Brigitte und Heinrich Bolte sowie drei befreundete Paare erfuhren während der Spaziergangs Wissenswertes und Details über das Fürstliche Forstamt aus erster Hand. Informanten waren dessen Leiter Christian Fischer und Revierförster Sören Peters. Zu den Höhepunkten des Nachmittags zählten eine Inaugenscheinnahme der Wildkammer - nach Auskunft von Fischer "einHeiligtum, in das sonst niemand hineinkommt", und der kreisweit einzige offiziell zugelassene Zerlegebetrieb; und eine vom Restaurant "Zum dicken Heinrich" gesponserte rustikale Vesper. Der insgesamt 3 711 Hektar (Meinser Kämpen etwa 1100 Hektar) umfassende Privatforstbetrieb wird seit Generationen nach der gleichen Philosophie bewirtschaftet. Fischer: "Der Wald soll heute und in Zukunft sowohl als Erwerbsquelle als auch als Naturgut mit all seinen Vorteilen für die Allgemeinheit erhalten bleiben." Das Erscheinungsbild des siebtgrößten Privatbetriebs Niedersachsens prägen Eichen und Buchen, die jeweils etwa ein Drittel des Baumbestandes ausmachen. Fichten stellen 20, Kiefern sieben Prozent des Bestandes. Die zwölf Mitarbeiter verdienen ihr Geld überwiegend (etwa 70 Prozent) mit dem Verkauf von Nutzholz -der jährliche Einschlag liegt bei etwa 18 000, der Zuwachs bei 22 000 Festmetern. Darüber hinaus liefert der Wald Brennholz, Schmuckreisig, Weihnachtsbäume und Saatgut. Und natürlich Wildbret. Die Bratenstücke von Rot- und Damwild, Wildschweinen, Rehwild und Wildente sowie Wildwurst in vielerlei Variationen, Schinken, Mettwurst und Wildbratwurst erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Bei Landpartie und Weihnachtszauber spülen sie mehr als 50 000 Euro in die Forstamtskasse. Weitere Angebote des Amtes sind die Vermittlung von Ansitzdrückjagden auf Schalenwild und Fuchs, Einzeljagden auf Dam- und Rothirsch mit Pirschführung sowie Jagden auf Rehböcke. Fischers Führung beeindruckte die "Wald und Flur"-Gewinner vor allen Dingen wegen kenntnisreicher Hinweise auf Dinge, die Otto-Normal-Waldspazierer für gewöhnlich verschlossen bleiben. Mal lenkte der Experte den Blick in die Höhe - "die Eiche muss den Kopf frei haben" - mal erläuterte er kleine Bodenerhebungen als alte Hutewälle und ein anders Mal machte er auf "sehr rabiate Buchen" aufmerksam, die der Konkurrenz mitunter das zum Wachstum notwendige Licht stehlen. Hochinteressant waren auch die Ausführungen des Forstamtsleiters hinsichtlich des Anfang Mai zu registrierenden Blitzsommers. In den ersten Tagen des Wonnemonats schlüpfen für gewöhnlich die Larven des Eichenwicklers. Die Spezies gilt im Wald als einer der größten Schädlinge. Deren Larven bohren sich in öffnende Knospen ein. Sie können sich unterdessen nur dann entwickeln, wenn die Knospenschuppen einen bestimmten Öffnungszustand aufweisen. Ohne Gleichzeitigkeit von Schlupf und Knospenöffnung hat der Wickler schlechte Karten. Wegen des rasanten Temperaturanstiegs innerhalb weniger Tage und des damit einhergehenden enormen Wachstumsschubs könne es durchaus sein, dass die Eichen dem gefräßigen Burschen in diesem Jahr ein Schnippchen geschlagen haben, meinte Fischer.

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