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Abschussbilanz rückläufig / Viele Rehe sterben auf der Straße

Bermuda-Dreieck fürs Wild: Vom Straßenverkehr bedroht

Eilsen (sig). Bei den Schwarzkitteln im Schaumburger Land scheiden sich die Geister. Friedhelm Baule erklärte in der Hauptversammlung der Jagdgenossenschaft Heeßen-Buchholz-Bad Eilsen im "Heeßer Krug": "In der Forst freut man sich, weil die Wildschweine den Waldboden auflockern; das gilt jedoch nicht für die Bauern." Der Grund liegt auf der Hand: Die Landwirte müssen immer wieder die Erfahrung machen, dass die Sauen auf der Suche nach tierischem Eiweiß Grasnarben und Anbauflächen umpflügen. Im benachbarten Krainhagen traf es sogar den Sportplatz und Gärten in der Umgebung. Die Schäden haben zugenommen.

Friedhelm Baule beklagte zudem, dass es immer schwieriger werde, der Borstentiere habhaft zu werden. Ein Grund dafür sei der großflächige Maisanbau. In der Dunkelheit suchen die Rotten die Maisfelder auf und entziehen sich damit den Blicken der Jäger. Da hilft es offensichtlich auch nichts, dass die Jägerschaft neue Hochsitze errichtet. Mehr als drei Wildschweine konnten im abgelaufenen Jagdjahr nicht geschossen werden. Das Rehwild musste weitaus größere Verluste hinnehmen. Sechs Stück fielen allein dem Straßenverkehr zum Opfer, weitere zwei wurden erlegt. Am gefährlichsten für das Wild ist das Gelände zwischen der Bundesstraße 83, der Autobahn und der ins Auetal führenden Kreisstraße. Friedhelm Baule nannte diesen Bereich das "Bermuda-Dreieck" der Wildtiere. Auf der Straße verendeten außerdem noch vier Füchse, eine Ente und eine Elster. Meister Reineke wurde ohnehin erfolgreich bejagt. Seine Sippe ist von den Jägern im vergangenen Jahr um zwölf Exemplare dezimiert worden. Auf dem so genannten Streckenbericht erfasst werden konnten außerdem noch 16 Elstern, sechs Krähen und ein junger Muffelwidder. Uwe Meier sprach von der Notwendigkeit, Fangzäune im Bereich der Autobahn aufzustellen. Man habe gesehen, dass junge Lämmer der Mufflonherde auf dem Standstreifen "herumturnen". Das stelle auch eine Gefährdung für die Verkehrsteilnehmer dar. Mit Nachdruck appellierten die Jäger und die Landwirte an alle Hundebesitzer, die im Revier unterwegs sind, ihre Vierbeiner nicht frei herumlaufen zu lassen oder an einer langen Leine zu führen. Es gebe jetzt zahlreiche Jungtiere, die geschützt werden müssen. Friedhelm Baule bat außerdem darum, keine armdicken Knüppel zum Apportieren auf die Felder zu werfen. Viele würden dort liegen bleiben und dadurch zu Schäden an den Mähwerken führen. Der Sprecher der Jagdpächter machte nochmals deutlich, dass weniger die Jagd als die Hege und der Naturschutz an oberster Stelle stehen. Unter anderem seien Hecken zurückgeschnitten, Bäume gepflanzt, Flächen für die Wildäsung erneuert und Teichanlagen sowie Feuchtgebiete in Ordnung gehalten worden. Außerdem habe man Wildschäden behoben und nicht mehr sichere Hochsitze entfernt. Auf Vorschlag des 1. Vorsitzenden Reinhard Baule-Steinmeyer wollen die Mitglieder zum Ausgleich am 11. Juni gemeinsam einen Tag im Springer Wildpark verbringen. Dazu gehören neben einer Führung im Wisentgehege der Besuch einer Falknerei, des örtlichen Jagdschlosses und eine Jagdschau.

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