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20 Jahre Partnerschaft: Bückeburgs Katholiken besuchen Pirna

Bei den ersten Treffen hört die Staatssicherheit mit

Bückeburg. Eine große Gruppe der Bückeburger Katholiken hat jetzt die Partnergemeinde in Pirna besucht. Vor genau 20 Jahren fand der erste Besuch der Stadt an der Elbe statt. Damals war nur ein Besuch von West nach Ost möglich. Erst vier Jahre später gab es nach der "Wende" auch Gegenbesuche. Seitdem findet ein intensiver Austausch statt.

Obwohl die Hinfahrt durch Regen und Staus auf der Autobahn ausgedehnt wurde, war am ersten Besuchstag die gute Stimmung nicht mehr zu beeinträchtigen. Die Orgelandacht in der der erst vor wenigen Monaten wieder aufgebauten Dresdner Frauenkirche war ein Höhepunkt des Programms. Das Gotteshaus, das 1945 als Folge der Bombardierung zusammenstürzte, ist dank vieler Spenden in alter Form neu erstanden. Beim Besuch des malerisch am Elbhang gelegenen Weingutes "Schloss Wackerbarth" in Radebeul erfuhren die Besucher Einzelheitenüber den sächsischen Weinbau. Auf dem Rückweg zu Gastgebern und Hotel in Bad Gottleuba bestaunte man die neue Autobahn Richtung Prag. In Erinnerung wird den Teilnehmern der Festgottesdienst in der 2002überschwemmten Klosterkirche bleiben. Unter Leitung des Pirnaer Chorleiters Clemens Hahn, und von Ursula Trexler auf der neuen, hoch stehenden Orgel begleitet, sangen die Kirchenchöre von St. Marien Bückeburg und von St. Kunigunde Pirna eine lateinische Messe. In seiner Predigt erinnerte PfarrerMatthias Ziemens an die mit der Maueröffnung möglich gewordene Intensivierung der Partnerschaft. Nach dem Gottesdienst stimmten die Kirchenchöre das Lied "Die Gedanken sind frei" an, das noch heute seine verbindende Kraft zeigt. Einen Eindruck von den baulichen Veränderungen der Kirchen in Pirna erhielten die Besucher von Wolfgang Zimmermann. Er erläuterte die Besonderheiten der vom diesjährigen Elbehochwasser verschonten Klosterkirche und auch die herrlichen Netzgewölbe in der ev.-luth. Hauptkirche St. Marien. Gesprächsthema bei den Begegnungen war immer wieder das unterschiedliche Leben in den beiden deutschen Staaten vor der "Wende". Offenkundig wurden die ersten Besuche im Rahmen der Partnerschaft von der Stasi überwacht. Dass ein Spitzel direkt nebenan wohnen konnte, berichtete der Vorsitzende des Pfarrgemeinderates, Dietmar Thomas. Wie sehr sich die wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse verändert haben, erfuhren die Teilnehmer beim Empfang im Rathaus von Oberbürgermeister Markus Ulbig. Dieser berichtete, dass die Abwanderung in Pirna gestoppt sei und man 2005 ein leichtes Wanderungsplus verzeichnet habe. Erfreut waren die Bückeburger über das Engagement des christlichen Bürgermeisters gegen das Ausbreiten rechtsradikaler Gruppen. "Wir müssen gegen die neuen Braunen antreten und dürfen deren Wirken nicht totschweigen", forderte der Oberbürgermeister. Vielgestaltig waren die Gesprächsthemen am Gemeindeabend im Kunigundensaal. Dazu leistete Pfarrer Norbert Büchner aus Pirna einen wesentlichen Beitrag. Als Gastgeschenk überreichten die Bückeburger unter anderem einen großen Topf. Mit seinen 47 Zentimetern Durchmesser erinnert dieses Kochgeschirr an das Jahr 1947, in dem der Bückeburger "Motor der Partnerschaft", Lilo Liere, aus Schlesien nach Pirna kam.

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