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Bethel profitiert von der Schließung des Rintelner Kreißsaals / Kaum Wanderungen nach Stadthagen

Baby-Boom in Bückeburg: "Ein wahrer Ansturm"

Landkreis. Geburtenrückgang ist im Bückeburger Krankenhaus Bethel ein eher theoretisches Problem. Seit Januar steigen die Zahlen hier gegen den bundesweiten Trend, und zwar deutlich. Bückeburg profitiert von der Schließung des Rintelner Kreißsaals. Das Kalkül des Landkreises, die Geburtsabteilung innerhalb des Klinikums in Stadthagen zu konzentrieren, geht nicht auf.

Eine "enorme Steigerungsrate" bei den Geburten vermeldet Dr. Eberhard Neumann-von Meding, Chefarzt der Bückeburger Gynäkologie und Geburtshilfe. Zählte das Krankenhaus Bethel in den ersten sechs Wochen des vorigen Jahres 66 Geburten, waren es in diesem Jahr vom 1. Januar bis 15. Februar 104 Geburten. "Wir erleben einen wahren Ansturm", freut sich der Chefarzt. Auf das Jahr hochgerechnet geht er - in einer sehr vorsichtigen Schätzung - von einer Steigerung der Geburtenzahl von 585 (2005) auf 700 bis 750 aus. Der Großteil der Schwangeren aus Rinteln, die sich nach der Schließung der Geburtsabteilung des Krankenhauses am 31. Dezember neu orientieren müssen, weicht nach Bückeburg aus. Neumann-von Meding schätzt, dass momentan etwa 75 Prozent der werdenden Mütter aus dem Einzugsbereich des Rintelner Krankenhauses nach Bückeburg wandern. Der Rest dürfte sich auf die anderen umliegenden Krankenhäuser in Hameln, Lemgo, Minden und Stadthagen verteilen. Stadthagen indes hat kaum messbar profitiert: Hier liegt die Geburtenzahl im Januar (45 Entbindungen) nur einen Fall über der Zahl von Januar 2005 (44 Entbindungen). Vier bis fünf Fälle würden aus Rinteln stammen, sagt Landkreis-Sprecher Klaus Heimann. Mehr als eine Momentaufnahme liefern die Zahlen nicht - der Trend allerdings ist eindeutig. Mit der Schließung des Kreißsaals in Rinteln hat das Klinikum (Stadthagen und Rinteln) Kosten reduziert, aber auch Geburten verloren. Die Hoffnung, möglichst viele Fälle nach Stadthagen zu überführen, scheitert an der räumlichen Distanz. Dass Bückeburg bevorzugte neue Geburtsstätte der Rintelner wird, darüber sind sich auch die niedergelassenen Gynäkologen einig. Wer im Extertal oder Kalletal wohne, im Einzugsbereich des Rintelner Krankenhauses, orientiere sich außerdem nach Lemgo oder Minden, bilanziert Dr. Christian Bader. Diese Fälle gehen dem Landkreis komplett verloren. Bader: "Nur ganz wenige Frauen entbinden in Stadthagen, das ist zu weit weg." Das sehen auch die Rintelner Berufskollegen Manka See-Boroske und Dr. Horst Saupe so. Risikoschwangere, die auf eine Kinderabteilung angewiesen sein könnten, fahren überdies nach Minden, sagt Saupe. Im Bückeburger Krankenhaus löst der Baby-Boom Handlungsbedarf aus. Ein Platzproblem ergebe sich angesichts der ohnehin verkürzten Verweilzeiten nicht, wohl aber auf lange Sicht ein Personalproblem: "Wir brauchen einen dritten Facharzt und müssen Sachinvestitionen tätigen", sagt Chefarzt Neumann-von Meding. Dass die Bückeburger Hebammen im Gegensatz zum Klinikum nicht rund um die Uhr im Dienst sind, sondern als Freiberufler nur in Rufbereitschaft stehen, lässt der Chefarzt nicht als Nachteil gelten. Sie seien schnell an Ort und Stelle und momentan ohnehin so gut wie immer im Dienst. Im Schnitt kommen in Bückeburg jeden Tag mindestens zwei Kinder zur Welt. "Wirübernehmen die Geburten aus Rinteln gerne", sagt Neumann-von Meding. Problematisch sei jedoch, dass von Hausärzten auch Anfragen für Gynäkologie-Patientinnen kämen, mit dem Hinweis, die Rintelner Gynäkologie habe geschlossen. Eine Fehlinformation: Nur die Geburtsstation hat dichtgemacht, nicht die gynäkologische Abteilung (wir berichteten). "Ich wäre dankbar, wenn das auch so bleibt und die Gynäkologie in Rinteln weiter geführt wird", sagt der Bückeburger Chefarzt.

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