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Weniger Angebote, gestiegene Nachfrage / Landkreis startet "Ausbildungsoffensive"

Ausbildungsmarkt schrumpft weiter: 622 Jugendliche suchen eine Stelle

Landkreis (wer/dil). Kein Anzeichen von Entspannung auf dem Schaumburger Ausbildungsmarkt - im Gegenteil: Die Schere zwischen gemeldeten Ausbildungsplätzen und Bewerbern geht in diesem Jahr sogar noch weiter auseinander als im Vorjahr. Die Zahl der gemeldeten Stellen ist deutlich rückläufig, während die Zahl der Ausbildungsplatz-Suchenden steigt - mit dem Ergebnis, dass bis jetzt 622 Bewerber noch keine Lehrstelle gefunden haben. Ihnen stehen derzeit nur 189 offene Plätze gegenüber. Grund genug für Landkreis, Industrie- und Handelskammer (IHK), Handwerkskammer und Agentur für Arbeit, eine "Ausbildungsoffensive" zu starten.

Konnte die Agentur für Arbeit im Mai 2005 noch auf 616 gemeldete Ausbildungsstellen in Schaumburg zurückgreifen, waren es in diesem Jahr zum gleichen Zeitpunkt nur 537. In den schrumpfenden Markt stößt eine wachsende Zahl von Bewerbern (siehe Grafik). Vor allem im Agenturbezirk Stadthagen waren Ende Mai 2006 deutlich mehr Stellensuchende registriert als vor einem Jahr, während die Zahl in Rinteln leicht rückläufig war. "Wir schieben einen Berg von Bewerbern aus früherer Zeit vor uns her", nennt Friedrich-Wilhelm Rode, Chef der Agentur für Arbeit in Stadthagen, einen der Gründe für den Anstieg der Nachfrage. Krisensitzung deshalb am Donnerstag im Kreishaus: Landrat Heinz-Gerhard Schöttelndreier indes zeigt sich optimistisch, die Zahlen in den nächsten Wochen deutlich zu verbessern und zusätzliche Ausbildungsstellen loszueisen. Der Landkreis selbst gehe hier mit gutem Beispiel voran, habe in diesem Jahr mehr als 100 Auszubildende unter Vertrag (die meisten in der Krankenpflegeschule des Klinikums Schaumburg). Würden Mehrfachbewerbungen ausgefiltert, liege die Lücke immer noch bei rund 300 unversorgten Bewerbern, sagt Schöttelndreier. Um sie alle zu vermitteln, müssten zusätzliche Stellen angeboten werden - dahin gehen die Bemühungen der an der "Ausbildungsoffensive" beteiligten Institutionen und Behörden. Unternehmen, die noch Potenzial an Stellen vermuten lassen, wolle man gezielt ansprechen. UndÜberzeugungsarbeit leisten: Wer heute nicht ausbildet, trägt zum Abbau der Kapazitäten - auch an den Berufsschulen - bei und erhält später, wenn Facharbeiter Mangelware geworden sind, die Quittung. Unter den 189 gemeldeten noch offenen Ausbildungsplätzen sieht Reinhard Winter (IHK) freie Kapazitäten vor allem in der Gastronomie, bei Bürokaufleuten und im Einzelhandel. Bernd Dittmer (Jobcenter) setzt Hoffnungen in die Ausbildungsplatzbörse Mitte August: "Dazu werden alle noch unversorgten Bewerber eingeladen." Auch das Arbeitsamt werde weiter aktiv sein, sicherte Rode zu. Schöttelndreier erklärte, die Angebote zur Qualifizierung von Jugendlichen würden zum Teil noch aufgestockt. Manche dieser Angebote müssten auch nur besser bekannt werden. Dass Arbeitgeber melden, sie hätten unter 50 Bewerbungen keine geeignete gefunden, wolle man nicht fraglos hinnehmen. Qualifizierungsmaßnahmen sollen das Problem lösen. Warum bilden manche Betriebe nicht aus? Mangelnde Ausbildungsfähigkeit von Bewerbern wird von Firmen beklagt, andere finden keine geeigneten Bewerber. Motivation stärken, schulische Voraussetzungen beim Bewerber verbessern, das wird bereits seit Jahren gemacht. Darauf führt Rode auch zum Teil die gestiegene Nachfrage zurück. Die nachträglich qualifizierten Bewerber drängen nach der Warteschleife wieder auf den Bewerbermarkt, in den aber immer noch starke Jahrgänge neu eintreten. "Die Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage ist größer als im Vorjahr", sagt Rode. Winter rechnet aber damit, dass bis Jahresende allen geeigneten Bewerbern ein Ausbildungsplatz angeboten werden kann. Wer dann noch übrig ist, erhält zumindest eine Einstiegsqualifizierung.

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