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Heimatverein organisiert Ausgrabung /Älteste Funde aus dem 13. Jahrhundert

Auf Spurensuche im Untergrund: Wie alt ist die Silixer Kirche wirklich?

Silixen (who). Wie alt genau ist die Kirche im Dorf? Der Heimatverein Silixen hat im Sommer 2004 versucht, der Lösung dieser Frage mit einer archäologischen Grabung näher zu kommen. Beim Informationsabend im Dietrich-Bonhoeffer-Haus am Donnerstag hat die begleitende Archäologin, Antje Köllner, die bisherigen Ergebnisse vorgestellt.

Zur Vorgeschichte: Der Turm aus dem Jahr 1501 ist derälteste erhaltene und datierte Teil der Silixer Kirche. Das Kirchenschiff ist in den Jahren 1802 und 1803, einige Jahrzehnte nach einem Brand, in der heutigen Form wiederhergestellt worden. Da eine Urkunde von 1267 die Einsetzung eines Pfarrers aus Möllenbeck bezeugt, hatte der Heimatverein gefolgert, dass mindestens zu dem Zeitpunkt schon ein Kirchengebäude existiert haben könnte. Die weitergehende Fragestellung war: Kann die Kirche von Silixen in die Reihe der Bauten aus der Uffo-Sage und damit in die Stiftungen der Gräfin Hildburg eingeordnet werden? Dem Heimatverein war es mit Hilfe von Sponsoren gelungen, das Geld für eine begrenzte Ausgrabung an der Nordseite des Turmes in Kooperation mit dem Landesmuseum in Detmold zusammen zu bringen. Eine Helfermannschaft des Vereins um die Archäologin Antje Köllner war daraufhin im Sommer 2004 auf Spurensuche im Silixer Untergrund gegangen. Der Vortrag am Donnerstag geriet gleichzeitig zu einer theoretischen Kurzeinführung in die Archäologie. Beim Praxisteil hatten sich die Helfer offenbar bereits vorab qualifiziert. Die Archäologin bescheinigte ihnen umsichtiges Arbeiten als wertvolle Helfer bei der Bergung und Reinigung der Funde. Die Archäologin erläuterte: Auf einer Fläche von 2 mal 2,30 Metern und einem Rasenkantenniveau von 109,40 Metern ist der Bodenschnitt angesetzt worden. Der Abtrag erfolgte, wie wissenschaftlich üblich, in Schichten. Bei jedem Fund wird dabei ein Bodenplanum angelegt, die Lage der Funde und ihre Gestaltwerden mit Skizzen und Fotos festgehalten. Danach geht's Stufe für Stufe immer tiefer. "In Lippe gibt es sicher interessantere Grabungen", hatte Willi Schirrmer, Vorsitzende des Heimatvereins, dem Vortrag vorausgeschickt. Trotzdem sei das Unternehmen eine besondere Erfahrung gewesen. Der Rückblick frischte die Erinnerung an die drei Tage beim archäologischen Exkurs wieder auf, so an die Mauer- und Mörtelreste direkt am Turm: "Keine richtigen Fundamente und keine Hinweise auf ältere Gebäudeteile, sondern Überreste von neuzeitlichen Bauarbeiten sowie möglicherweise von einem kleinen profanen Anbau", so die Archäologin. Erwartungsgemäß förderte die Grabung eine große Anzahl von Knochen ans Licht. Grund: Noch bis 1848 waren auf dem alten Silixer Friedhof an der Kirche Bestattungen vorgenommen worden. Die Archäologen waren deshalb auf einige übereinander liegende Schichten mit Gräbern gestoßen, darunter unzerstörte Skelette sowie einzelne Knochen und Schädel von älteren Bestattungen. Da bei christlichen Bestattungen Grabbeigaben für die Toten unüblich sind, sei eine Altersbestimmung durch das Fehlen solcher Hinweise schwierig, erklärte Antje Köllner. Die Archäologin konnte deshalb die Ansammlung von Fundscherben nur auf deren eigene Herkunft deuten. Bruchstücke von Keramik und Glas waren an die Oberfläche gekommen. Häusliche Abfälle und damit auch Überreste von Gebrauchsgegenstände seien durch die Jahrhunderte ganz einfach immer wieder nach draußen entsorgt worden und so in den Boden gelangt. Die Keramikfunde an der Silixer Kirche weisen auf Steinzeug aus der gesamten Zeitspanne vom 13. bis 19. Jahrhundert hin. Darunter Reste von typisch buntem Geschirr aus der Weserrenaissance-Zeit im 16. und 17. Jahrhundert und von so genannter Grau- oder Kugeltopfware, wie sie vom 13. bis 15. Jahrhundert getöpfert wurde. Unter den Glasscherben finden sich neben Resten von Hohlglas aus dem 19. und 20. Jahrhundert auch solche aus dem 17. Jahrhundert.Überbleibsel von Fensterglas scheinen aus früheren Zerstörungsphasen wie dem Kirchenbrand und aus dem 30-jährigen Krieg zu stammen. Als interessantestes Fundstück zeigte Antje Köllner die Abbildung eines "Miniaturschiffchens". Das Original hatten die aufmerksamen Ausgräber aus dem Bodenaushub gesiebt. "Es ist das Modell eines Transportsegler-Typs 1848", so die Archäologin, "das zeigt, dass doch mindestens einer aus Silixen mit der Weser verbunden gewesen sein muss..." Fazit der Grabung: Nach den vorliegenden Funden muss angenommen werden, dass Silixen als Ort altersmäßig nicht in die Zeit vor dem 9. Jahrhundert zurückreicht. Ob sich unter dem Kirchturm oder unter dem heutigen Kirchenschiff noch Reste eines älteren Bauwerks befinden, konnte ebenfalls nicht geklärt werden. Für die Aufklärung müsste eine weitere Grabung sorgen - und die würde weitere Kosten verursachen.

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