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Sologitarrist Hein Brüggen in der Jetenburger Kirche / Ausgefeilte Spieltechnik

Annähernd grenzenloses Variationsgeschick

Bückeburg (bus). Einen "Querschnitt unterschiedlicher Stilrichtungen" hat der Sologitarrist Hein Brüggen seinen aktuellen Auftritt in der Jetenburger Kirche genannt. Das war eine mit ein wenig zuviel Understatement unterfütterte Aussage. Auch die von der veranstaltenden Stadtkirchengemeinde gewählte Formulierung "Gitarrenmusik aus vier Jahrhunderten" griff nach Einschätzung der begeisterten Zuhörer zu kurz. Das Publikum erlebte einen Ausnahmekönner, dessen Variationsmöglichkeiten hinsichtlich Rhythmen, Stimmungen und Spieltechnik annähernd grenzenlos zu sein schienen.

Das Konzert schlug einen Bogen von Barock (Johann Sebastian Bach, Henry Purcell), Klassik (Fernando Sor) und Romantik (Isaak Albeniz)über lateinamerikanische, folkloristisch geprägte Kompositionen aus der Mitte des 20. Jahrhunderts (Agostin Barrios Mangore, Manuel Ponce) bis zu Jazz-Standards (Django Reinhardt) und aus der Feder des Virtuosen stammenden Eigenkompositionen. Besonders der zeitgenössische Teil kam Brüggens großem Improvisationstalent entgegen. "Die Standards und meine eigenen Arrangements verändern bei fast jedem Auftritt ihr Erscheinungsbild", gab der Musiker zu verstehen. Mit seiner ausgefeilten polyphonen Spieltechnik, die es dem Gitarristen erlaubt, Melodie-, Rhythmus- und Basslinien nebeneinander erklingen zu lassen, erreichte Brüggen mitunter die Klangvielfalt einer sechshändigen Instrumentalgruppe. Was - gespielt auf einem in Granada von Antonio Marin Montero gefertigten Meisterinstrument - speziell den "Lateinamerikanern" und den ursprünglich für Big-Bands geschriebenen Jazz-Titeln zu allerhand pfiffigen Noten verhalf. Brüggen spielt seit seinem 13. Lebensjahr Gitarre. Zunächst an seinerzeit populären Formationen wie den Shadows und den Beatles orientiert, folgte alsbald der Wechsel ins jazzige Metier. "Ein wichtiges Vorbild war Charlie Byrd", sagt der Saitenexperte, der als weitere prägende Musiker Barney Kessel, Wes Montgomery und Joe Pass sowie die "klassischen" Gitarristen Andres Segovia und Narciso Yepes nennt.

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