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Auch im Winter gilt für die Kinder im Waldkindergarten: Gespielt wird draußen!

Am Acker entlang - und quer durch den Wald: "Uns ist doch nie kalt!"

Rinteln. Dass ein Waldkindergarten in Frühling und Sommer die wahre Freude ist, kann man leicht verstehen. Jetzt aber, bei eisigen Temperaturen unter Null und langer Morgendunkelheit, ist es da nicht eine Strafe für die Kleinen, sich draußen mitten im Wald zu treffen?

"Kommen Sie doch vorbei!", meint Erzieherin Birgit Christiansen, die den vor drei Jahren gegründeten Kindergarten leitet. "Hauptsache, Sie ziehen Sie sich warm an!" Und da stehen sie dann auch in der Morgendämmerung vor dem Bremer Landjugendheim oben am Berg, ein wuseliger Trupp von heute elf Kindern und zwei Erwachsenen. "Ist euch nicht schrecklich kalt?" - "Nein!" kommt es fröhlich aus allen Kindermündern zurück. "Uns ist doch nie kalt!" Sie sind so gut und warm angezogen und haben auch alle - das muss sein - ihre Mützen auf, dass sie sogar in aller Ruhe einen Morgenkreis machen können, bei dem man ja ziemlich still auf einer Stelle steht (solange nicht, wie jeden Morgen, die Hunde der drei Spaziergängerinnen vorbeikommen, freundliche Tiere, denen es Spaß macht, von elf zärtlichen Kindern gestreichelt zuwerden). "Nur wenn es ganz dollen Sturm gibt oder ein Gewitter, dann gehen wir in unsere Schutzhütte", erklärt die sechsjährige Sophia. "Sonst nie!" Das stimmt! Birgit Christiansen und ihre Kollegin Marie-Luise Bünte sind mit Leib und Seele auf das Waldkindergartenkonzept eingespielt und das heißt auch: Draußen sein, wann immer es geht. Regnet es oder bläst ein eisiger Wind, dann kann man Schutz suchen im Windschatten von Fichtenschonungen, und für die Frühstückspause gibt es einen planenbedeckten Unterschlupf. "Aber heute ist doch ein wunderschöner Tag!" Nur eben eiskalt. Am Waldrand entlang wandert die kleine Gruppe los, darunter auch mehrere erst dreijährige Kinder, wie die kleine Sofia, die mit stillem Lächeln ihren Rucksack trägt, oder auch Tristan, der vorher noch mal schnell pinkeln musste. An einer Lichtung bleiben sie stehen und vor allen breitet sich ein unglaublich schöner Morgenblick auf: Rinteln, wie es mit den Kirchtürmen im Nebel liegt, die Weser, die hohen und geschwungenen Bergzüge. "Ja, diesen Anblick haben wir jeden Morgen, durchs ganze Jahr hindurch, durch alle Jahreszeiten!" sagt Birgit Christiansen. Dann geht es weiter, vorbei am Fichtenwald, entlang dem Ackerrand mit seinen vielen unterschiedlichen Tierspuren, bis hin zur Wildfütterungsstelle, wo man manchmal auch sieht, dass hier Tiere geschossen und ausgeweidet worden waren, und dann quer durch den Wald. Spielkreisleiterin Marie-Luise Bünte hat eine Zusatzausbildung als Naturpädagogin absolviert, Birgit Christiansen nahm bei den Jungförstern am Jagdscheinunterricht für Wildtierkunde, Naturschutz und Hege teil und so haben die Kinder immer einen Ansprechpartner für ihre vielen Fragen. Schnell voran geht es sicher nicht. Die kleine Maja hebt jeden Ast auf, den sie entdeckt und bricht ihn durch. Max und Marius haben die Arme voller Fichtenzapfen, andere schleppen Kiefernzweige und immer wieder bleibt man stehen, um zu gucken und zu fragen. "In diesem Wald könnte ich mich niemals verlaufen", meint Sophia. "Hier kenn ich jeden Weg und jede Richtung!" Fast anderthalb Stunden sind alle schon unterwegs und nirgends eine Klage über Müdigkeit oder Kälte. Als sich die Gruppe im Buchenwald teilt, um ein Suchspiel zu spielen und danach ein Plätzchen für das Waldfrühstück zu suchen, um dann Hütten aus gesammelten Ästen zu bauen, verabschiedet sich die Reporterin. Ihr ist so schrecklich kalt. "Du musst mehr Socken anziehen", sagt gutmütig der kleine Benedikt. "Und nächstes Mal eine Mütze mitbringen", mahnt Sophia. Aber nächstesMal, da wird es Frühling sein!

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