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Nach Selbstantrag: Amtsgericht eröffnet vorläufiges Insolvenzverfahren / Zukunftschancen fraglich

"Altes Forsthaus" steht erneut vor der Pleite

Bückeburg (rc). Das "Alte Forsthaus" - einst Bückeburgs Renommieradresse Nr. 1 - steht erneut vor der Pleite. Auf Selbstantrag der Pächterin, der "Altes Forsthaus Bückeburg GmbH", hat das Amtsgericht Bückeburg ein vorläufiges Insolvenzverfahren eröffnet. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde der Mindener Rechtsanwalt Stephan Höltershinken bestellt. Er verschaffte sich Anfang der Woche einen ersten Überblick über das Unternehmen. Vorläufig bleiben sowohl Hotel als auch Restaurantbetrieb geöffnet, wie sowohl Höltershinken als auch Forsthaus-Geschäftsführerin Kirsten Stickdorn gegenüber unserer Zeitung betonten.

"Es steht allerdings zu befürchten, dass der Betrieb nicht mehr lange aufrecht erhalten werden kann," schätzte Höltershinken die Situation ein. Es seien "düstere Vorzeichen", wenn Selbstantrag gestellt werde. Er sehe "keine langfristige Zukunft", da er wenig Chancen sehe, offene Rechnungen im Bereich von Energie- und Wasserversorgung zu bezahlen. Er rechne damit, dass er sich Anfang kommender Woche Klarheit darüber verschafft haben werde, ob genügend Masse zur Einleitung des Insolvenzverfahrens vorhanden sei. Bis dahin hängen die Jobs der sechs Mitarbeiter sowie mehrerer Aushilfskräfte in der Schwebe. Erst wenn über die Eröffnung des Insolvenzverfahrens entschieden ist, können seitens des Insolvenzverwalters auch Insolvenzausfallgelder bei der Arbeitsagentur beantragt werden. Deutlich optimistischer schätzt dagegen die Geschäftsführung die Lage ein. Wie Geschäftsführerin Kirsten Stickdorn und ihr Mann Klaus-Uwe Stickdorn im Gespräch mit unserer Zeitung sagten, hätten sie in den vergangenen Monaten eine fast sechsstellige Summe als so genannte Mietereinbauten in das Gebäude gesteckt, um den Betrieb überhaupt aufrecht erhalten zu können. "Fast jeden Monat gab es irgendwo eine größere Reparatur, die wir selbst bezahlt haben." Sollten diese Summen zurückfließen und generell übernommen werden, wäre die Wirtschaftlichkeit wieder gewährleistet. "Wir würden weitermachen." Aufgrund dieser fehlenden Wirtschaftlichkeit habe man jetzt auch mit dem Selbstantrag die Notbremse gezogen. Hotelbelegung und Restaurantsbetrieb hätten genügend Erträge abgeworfen, die von den ständigen Reparaturen an dem sanierungsbedürftigen Gebäude allerdings gleich wieder aufgezehrt worden seien. "Jetzt werden wir kein Geld mehr reinstecken." Als ein weiterer Versuch sei angestrebt worden, die Immobilie zu kaufen. Dieses Vorhaben sei aber an den unterschiedlichen Preisvorstellungen von Pächter und des wirtschaftlichen Eigentümers der Immobilie, einer heimischen Bank, gescheitert. Beide kritisierten in diesem Zusammenhang auch, dass seitens der Stadt kein Wille erkennbar gewesen sei, dass unter Denkmalschutz stehende Gebäude - selbst die Theke im Restaurant steht unter Denkmalschutz - und den Betrieb zu unterstützen. "Millionen fließen in den Ratskeller, aber nichts ins Alte Forsthaus. Das ist absolutes kulturelles Desinteresse." Heftig kritisierten die Stickdorns, dass sie sich auch immer wieder neuen Gerüchten ausgesetzt sahen, dass ihr Haus geschlossen sei oder kurz vor der Schließung stehe. Gegen ein in Minden erscheinendes Stadtmagazin, dass mehrfach verkündete, dass das "Alte Forsthaus" geschlossen sei, habe man massiv vorgehen müssen. Ein übriges hätten auch die Vorbesitzer und Vorpächter zur jetzigen Misere beigetragen. Mit ihrem Geschäftsgebahren und mehrfachen Insolvenzen hätten sie den Ruf des Hauses in Misskredit gebracht. "Gegen das alles war kaum ein Ankommen." Nach Informationen unserer Zeitung waren bereits im vergangenen Jahr mehrere Insolvenzanträge von ehemaligen Angestellten des Betriebes gestellt worden, die auf diese Weise an nach ihrer Ansicht ausstehende Löhne und Gehälter kommen wollten. Nach arbeitsgerichtlichen Auseinandersetzungen seien aber zwei dieser Anträge erledigt worden, teilte Insolvenzrichter Wolfgang Gloede auf Anfrage mit. Während dieser Verfahren sollte der Geschäftssitz des Unternehmens nach Petershagen in Brandenburg verlegt werden. Dazu kam es aber nur noch teilweise. Auch weil das Insolvenzrecht vorsieht, dass Insolvenzanträge am "wirtschaftlichen Schwerpunkt" eines Unternehmens durchgeführt werden, sei das Antragsverfahren für die Insolvenz in Bückeburg verblieben, so Gloede weiter. Immer wieder hatte es auch Pfändungsversuche von Krankenkassen gegeben, die versuchten, auf diesem Weg ausstehende Sozialversicherungsbeiträge zu erhalten. Mehrere dieser Pfändungen konnten durch Zahlungen quasi in letzter Minute verhindert werden, so Informationen unserer Zeitung.

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