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Wohnung wird ausgeraubt, verwüstet, angesteckt / Bewährungsstrafe für Angeklagte

Absurder Rachefeldzug vor Gericht: "Taten waren vom Hass gesteuert"

Rinteln. "Diese Taten waren vom Hass gesteuert", sagt Oberstaatsanwalt Bodo Becker am Ende eines bedrückenden Prozesses am Rintelner Amtsgericht. Gleich zweimal wurde Detlev M.'s Wohnung in Hohenrode ausgeraubt und verwüstet, und schließlich brannte auch noch sein Haus. Die Täter: sein eigener Schwager und dessen ehemals bester Kumpel. Im Hintergrund: seine mit ihm im Zwist liegende Schwester.

Wie genau es kam, dass der Flugmaschinenmechaniker Maic G. glaubte, das Recht zu haben, seinem Schwager und Vermieter, Bauleiter Detlev M., so zu schaden, und wie es möglich war, dass sein Kumpel, der arbeitslose Tischler Olaf B., bedingungslos mitmachte bei einem absurden Rachefeldzug, das blieb unbegreiflich während einer Gerichtsverhandlung, in der aufs Peinlichste gelogen wurde. Detlev M. hatte sein Haus an Schwester und Schwager vermietet und wohnte mit seinem kleinen Sohn auf demselben Grundstück. Von Beginn an kam es zu Konflikten, nicht nur, weil die Miete unregelmäßig gezahlt wurde oder man sich über die Art der Tierhaltung im Mietshaus zankte, sondern auch, weil - je mehr die Streitigkeiten zunahmen - Detlev M.'s Sohn Abstand nahm zu seiner einst geliebten Tante. Als Detlev M. schließlich die Abschaffung eines Hundes verlangte, der seinen Sohn gebissen hatte, beschlossen Maic G. und Olaf B. im Oktober 2004 nach viel Alkoholgenuss, in die Wohnung von M. einzubrechen, während der mit Sohn in den USA weilte. Sie ließen jede Menge Elektro-Geräte mitgehen und tobten ihre Zerstörungswut aus. "Wir wollten nichts stehlen, wir wollten ihm nur schaden", erklärte Olaf B., der sagte, er habe aus Solidarität zu Maic G. mitgemacht. Angeblich hätten sie PCs, Playstation und Handys verschenkt oder in die Weser geschmissen. Wichtige Papiere des Vermieters wurden rücksichtslos verbrannt. Ob einer von ihnen 17 500 Euro eingesteckt hatte, die nach M.'s Aussage in der Wohnung versteckt gewesen seien, blieb offen. Die ehemals so dick befreundeten Männer saßen zusammen auf der Anklagebank und vermieden jeden Blickkontakt. Wie sie sich gegenseitig die Schuld in die Schuhe schoben, war freilich ein schönes Lehrstück für die Schüler der Pestalozzi-Schule, die das Verfahren beobachteten. Während Olaf B. beim Lügen immerhin stolperte und stotterte, schwang sich Maic G. locker von Lüge zu Lüge, immer wieder dann doch ein Stückchen eigener Schuld eingestehend, wenn es sich nun gar nicht mehr leugnen ließ. Mit sanfter Gewalt stupste ihn sein Verteidiger Stefan Kuhnke zu diesen Geständnissen, ohne die es die Bewährungsstrafe nicht geben konnte. Und zu gestehen gab es noch allerhand. Zunächst für Maic G. einen zweiten Wohnungseinbruch bei Detlev M. im Dezember 2004, diesmal mit zwei Bekannten, die er angestiftet hatte: "Da oben ist noch was zu holen!" Und dann für beide die schwere Brandstiftung. Am Karfreitag 2005 legten die Männer ein "Osterfeuer" in M.'s Haus, aus Rache dafür, dass M. inzwischen Maic G. gekündigt und außerdem beim damaligen Arbeitgeber von Olaf B. angerufen hatte, weil B. mit einem riesigen Lastzug vor M.'s Grundstück im betrunkenen Zustand Zaun und Baum umgefahren hatte. Nur ein Zufall verhinderte, dass das ganze Haus abbrannte, in dem an zwei verschiedenen Stellen Benzin verschüttet und Feuer gelegt wurde. Mit den Zeugenaussagen der am zweiten Einbruch beteiligten, dann aber reumütigen Männer konnten die Zusammenhänge entwirrt werden. Während der Verhandlung, gelassen geleitet von Amtsrichter Christian Rost, kamen Detlev M. mehrmals die Tränen. "Warum wohl verschwören sich alle gegen Sie?", fragte der Verteidiger von Maic G. mit unpassender Süffisanz und unterstellte im Plädoyer, M. habe durch das Pochen auf seine Vermieterrechte die verbrecherischen Taten gewissermaßen provoziert. Dieser Auffassung schloss sich Richter Rost in der Urteilsbegründung nicht an: "Für die Taten gab es keine Rechtfertigung." Hinter Detlev M. in der Zuschauerbank saß still seine Schwester. Schon früher waren die Geschwister zerstritten gewesen, hatten dann aber einen Versöhnungsversuch gewagt, der nun wohl endgültig gescheitert sein dürfte. Die Strafen: Für Olaf B. ein Jahr und acht Monate Gefängnis auf Bewährung, außerdem 100 Stunden gemeinnützige Arbeit. Für Maic G. zwei Jahre Gefängnis auf Bewährung, dazu die Zahlung von 2500 Euro an Detlev M.. Beide haben damit Glück gehabt, denn für Olaf B. gab es bereits Vorstrafen wegen Diebstahl und Trunkenheit am Steuer, während Maic G.'s Bewährungszeit wegen Geld-Unterschlagung noch nicht ganz abgelaufen war.

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