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Infoveranstaltung zum Arzneimittelgesetz / Kapitalstarke Konzerne statt Hausärzte? / Mediziner schlagen Alarm

Ärzte: Hausbesuche wird es künftig nicht mehr geben

Bückeburg (bus). Ein Gesetz, das nach Angaben von Krankenkassenvertretern "nicht umsetzbar" ist, hat Donnerstag im Mittelpunkt einer von Ex-Bürgermeisterin Edeltraut Müller moderierten Veranstaltung im DRK-Gebäude gestanden. Die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen spricht im Zusammenhang mit dieser Verordnung davon, dass "den Medizinern Daumenschrauben angelegt" würden. Es ging um das Arzneimittel-Verordnungs-Wirtschaftlichkeitsgesetz (AVWG), im offiziellen Sprachgebrauch "Gesetz zur Verbesserung der Wirtschaftlichkeit in der Arzneimittelversorgung".

Der Einladung des Paritätischen Schaumburg waren Vertreter der Bückeburger Wohlfahrtsverbände, des Seniorenbeirats und zahlreiche interessierte Bürger sowie auf Seiten der Ärzteschaft Dr. Walter Steuber (Rinteln), Dr. Ulrich Mohr und Dr. Ute Richter (beide Bückeburg) gefolgt. Mohr erläuterte anhand von Zahlen und Fakten die Situation im Gesundheitswesen. Kernpunkt seiner Ausführungen war eine Feststellung über die angebliche Kostensteigerung im Gesundheitswesen. "Die gibt es nicht", sagte Mohr und führte den Besuchern mittels einer Veröffentlichung des Bundesamtes für Statistik vor Augen, dass das Verhältnis zwischen Gesundheitsausgaben und Bruttoinlandsprodukt in der Rückschau auf die vergangenen Jahre nur marginale Schwankungen aufweist. Was unter anderem auf die ständig sich verschlechternde Bezahlung der Ärzte zurückzuführen sei. Mit dem Inkrafttreten des AVWG - Mohr geht davon aus, dass das Gesetz zum 1. Januar 2007 greifen wird - drohe nicht nur ein "irrsinniger bürokratischer Aufwand" sondern eine Entwicklung, in der "kapitalstarke Konzerne, die mit Wohltätigkeit und Gemeinnützigkeit nichts im Sinn haben", an die Stelle der niedergelassenen Ärzte träten. Steuber verdeutlichte: "Hausbesuche und individuelle Betreuung wird es nicht mehr geben." Der Sprecher der Schaumburger Ärzteschaft bedauerte, dass "konstruktiver Sachverstand von denen, die das Gesundheitssystem von innen kennen, nicht mehr gewünscht" sei. Das politisch gewollte Praxissterben werde sich fortsetzen. "Ich kann ihnen nicht mehr verschreiben, was sie brauchen, sondern nur die Hälfte. Oder ich bin pleite", so Richter. Die Mediziner gingen mit der ihrer Ansicht nachübereilten Behandlung des Gesetzes durch die Politik hart ins Gericht. "Das ganze ist übers Knie gebrochen", sagte Steuber; "in vier Wochen durchgepeitscht", ergänzte Richter. Mohr sezierte an dieser Stelle MdB Sebastian Edathy. Der Sozialdemokrat erweise sich als beratungsresistent und weiche der Thematik aus. "Herr Edathy negiert das Problem sehr geschickt." Steuber fügte hinzu: "Edathy liefert nicht auflösbare Widersprüche ab." Auch die Krankenkassen kamen nicht ohne Blessuren davon. "Ich bin mir nicht sicher, ob diese sich an die gesetzlichen Vorgaben halten", tat Steuber kund. Gerhard Brunzema, der für den Seniorenbeirat die Stimme erhob, fasste die Stimmung des Publikums so zusammen: "Wir sind nicht bereit, unsere Hausärzte ins Messer laufen zu lassen". Es müsse deutlich gemacht werden, dass "das Problem zu unseren Lasten geregelt" werde.

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