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Jubiläum im Schullandheim Weser / Viel Idealismus hält den "Laden" am Laufen

100 000 Gäste in 50 Jahren: Das alte Haus hat schwer was auf dem Kasten

Heeßen (tw). Kaum einer weiß es, aber: Am 10. Mai wird das Schullandheim "Weser" (Baujahr: 1896) 50 Jahre alt. Kaum einer wird es merken, denn: Manfred Carus (65), der an jenem Tag zugleich sein 40-Jähriges als Ehrenamtlicher begeht, wird das halbe Jahrhundert nicht an die große Glocke hängen - "Der Aufwand für einen Festakt wäre zu groß", sagt der 1. Vorsitzende der Bremer Gesellschaft Schullandheim "Weser". Das so gesparte Geld kommt der Schule am Pastorenweg in Bremen-Gröpelingen zugute.

Dabei gibt's für Bescheidenheit keinen Grund, denn: "Mehr als 100 000 Schüler", rechnet Carus, "haben wir seit Mai 1956 im Gebäude des früheren Privatsanatoriums zu Gast gehabt". In der Blütezeit des Schullandheims, den Jahren 1979 bis 1981, waren es jeweils rund 3500 pro Jahr. Und in den Jahren nach der Wende sorgten dann Schüler aus Rostock und Magdeburg mit 34 Prozent des Gesamtumsatzes für ein volles Haus. Dass das Schullandheim mit seinen 96 Schüler- und 13 Lehrerbetten, zwei Speise- und fünf Tagesräumen bis heute durchhält, grenzt mehr und mehr an ein Wunder. "Zuschüsse für den laufenden Betrieb gibt's nicht", so der Vorsitzende. Das Schullandheim, ab 1940 von Bremer Werftarbeitern der AG "Weser" zu Erholungszwecken genutzt, trägtsich durch die Tagessätze - und die sind mit aktuell 17 Euro pro Person für Übernachtung und drei Mahlzeiten alles andere als üppig. Dass der "Laden" trotzdem läuft, dürfte zum einen an den Künsten von Küchenmeister Hans-Hermann Bauer und seiner Frau Edith liegen, die seit 1989 in Schulkreisen einen exzellenten Ruf genießen. Zum anderen aber auch an einer großen Portion Idealismus. Denn als die Briten, die das Gebäude zwischen 1945 und 1955 in Beschlag hatten, es der AG "Weser" zurück gaben und die es der Schule an der Kirchenallee (Gröpelingen) schenkte, war es "völlig herunter gewirtschaftet". In der Folgezeit griffen Gröpelinger Eltern immer wieder zur Selbsthilfe, sanierten das Objekt ehrenamtlich. "Derzeit", sagt Carus, "haben wir wieder solche Idealisten im Haus". Acht Absolventen der Allgemeinen Berufschule Bremen sind's, die im Lehrer-Aufenthaltsraum Laminat verlegen, Hochbetten und Emporen in den Zimmern streichen. "Für den Arbeitseinsatz, den sie leisten, haben sie den einwöchigen Aufenthalt umsonst", sagt Carus. Gewerkelt wird vormittags, der Nachmittag ist Freizeit. Zu tun gibt's an dem Haus immer was. Investitions-Zuschüsse vom Bremer Senator für Bildung gibt's aber nur, wenn das Schullandheim 25 Prozent der Kosten aus Eigenmitteln bestreiten kann. 2005 wurden Energiesparduschen eingebaut, wurden Dachüberstände und Unterschalung erneuert, erhielt der Küchenmeister für 5000 Euro eine neue Kippbratpfanne. Dennoch gibt's Gründe, dass Carus mit Sorge in die Zukunft "seines" Schullandheims sieht. "Die Jugendlichen von heute sind nicht mehr die von 1956", so der Vorsitzende. Zwar gibt's vor dem Haus eine Spielwiese und einen Bolzplatz, im Inneren eine Bücherei, einen Fernseher und einen Videorecorder. Doch: Die Ansprüche an ein Quartier, aber auch an Freizeitmöglichkeiten im Umland sind gewachsen. "Wo ist denn hier die nächste Disko?", ist eine der Fragen, die Carus am häufigsten hört. Damit kann der Kurort natürlich nicht dienen. Last, but not least drückt ihn die Sorge in Sachen Nachfolge: "Ein Schullandheim im Ehrenamt zu leiten - das will heute so gut wie keiner mehr machen." Rund drei Stunden pro Tag investiert der pensionierte Gröpelinger Schulleiter in dieses Amt - und der Bürokratismus macht die Arbeit von Jahr zu Jahr schwerer. Noch hofft Carus, dass Idealisten aus dem Freundes- und Bekanntenkreis in zwei, drei Jahren in seine Fußstapfen treten. Treten sie dagegen nicht, "dann", bedauert der 65-Jährige, "wird das Schullandheim ,Weser' vielleicht irgendwann verkauft werden müssen". Noch indes ist's gottlob noch lange nicht so weit. Im März kommen erst mal die nächsten Klassen ... Übrigens: Auch Gruppen, die nicht aus Schülern bestehen, sind gern gesehene Gäste. Anmeldung: Schullandheim "Weser", Manfred Carus, Utbremer Ring 117, 28215 Bremen, Tel. (04 21) 35 53 80, Fax (04 21) 3 79 55 60. Internet: www.schullandheim-weser.de

  • Arbeit für freie Kost und Logis: Diese Berufsschüler aus Bremen verlegen Laminat im Aufenthaltsraum für Lehrer.
  • Hans-Hermann Bauer in seinem Reich: Die Mahlzeiten, die der Küchenmeister zubereitet, genießen in der großen Schullandheim-"Familie" einen exzellenten Ruf.
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