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Ehemaliger Superintendent Eckels bereits 1945 wegen sexueller Übergriffe verurteilt / Urteil später aufgehoben

Missbrauch in Rinteln: Kirche wusste von Verurteilung

Am 20. Mai dieses Jahres berichtete unsere Zeitung über einen Fall des sexuellen Missbrauchs im Jahr 1965 durch den damaligen Rintelner Superintendenten Kurt Eckels. Wie Kirchenkreis und Landeskirche jetzt öffentlch machten, ist Eckels schon 1945 wegen mehrfacher sexueller Übergriffe gegen Schutzbefohlene in der Wehrmacht verurteilt worden. Das Urteil wurde später zwar aufgehoben, der Vorgang war der Landeskirche allerdings schon damals bekannt. Superintendent Andreas Kühne-Glaser spricht von einer „Mitschuld“ und erklärt, wieso man den Schritt an die Öffentlichkeit gegangen ist. Auch das damalige Opfer äußert sich nun erstmalig persönlich.

Autor

Jakob Gokl Redakteur / Online zur Autorenseite

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RINTELN. Am 20. Mai dieses Jahres haben der Kirchenkreis Grafschaft Schaumburg und die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers über einen Fall des sexuellen Missbrauchs im Jahr 1965 durch den damaligen Rintelner Superintendenten Kurt Eckels berichtet. Sie haben die Konfirmandinnen und Konfirmanden der Jahrgänge 1965 bis 1976 gebeten, sich zu melden, falls sie ebenfalls von einem sexuellen Missbrauch durch Superintendent Eckels betroffen sein sollten (wir berichteten).

Bisher hat es keine Rückmeldungen von weiteren Opfern gegeben. In der Öffentlichkeit sind teilweise Zweifel an der Schuld von Kurt Eckels laut geworden. Kirchenkreis und Landeskirche sind aber weiterhin überzeugt, dass der Missbrauch im Jahr 1965 so stattgefunden hat, wie ihn der betroffene damalige Konfirmand geschildert hat. Der Landeskirche liegen Unterlagen vor, aus denen hervorgeht, dass Kurt Eckels wegen mehrfacher sexueller Übergriffe gegenüber schutzbefohlenen, nach damaligem Recht noch minderjährigen Soldaten während des Zweiten Weltkriegs zu einer Freiheitsstrafe verurteilt wurde.

Das damalige Urteil eines Militärgerichts spricht von „fortgesetzter Unzucht zwischen Männern in erschwerten Fällen“. Dieses Urteil wurde 1948 vom Landgericht Verden aufgehoben, nachdem ein ärztliches Gutachten Kurt Eckels eine Schuldunfähigkeit zur Zeit der Taten attestiert hatte. Nach diesem Freispruch wurde Kurt Eckels wieder in den kirchlichen Dienst übernommen und ohne Einschränkungen als Pastor eingesetzt, bevor er im Jahr 1964 Superintendent in Rinteln wurde. Die Landeskirche erkennt an, dass sie durch diese Entscheidungen eine Mitverantwortung für die Übergriffe durch Superintendent Eckels trägt. Die Sorge um den Täter und seine Lebensperspektive waren seinerzeit offenbar von größerer Bedeutung als der Schutz möglicher künftiger Opfer. Heute gilt für die Landeskirche: Null Toleranz gegenüber den Taten und Transparenz bei der Aufarbeitung sind Leitlinien des Handelns. Nach der Veröffentlichung des Missbrauchs haben sich Mitglieder der Familie Eckels bei Superintendent Kühne-Glaser, beim Landeskirchenamt und bei dem seinerzeit Betroffenen gemeldet. Ungeachtet immer noch möglicher zukünftiger Meldungen von weiteren Opfern stellen die Beteiligten gemeinsam fest, dass es ihnen in vertrauensvoller Zusammenarbeit gelungen ist, einen Fall sexuellen Missbrauchs im kirchlichen Milieu soweit aufzuklären, dass seine Behandlung als Muster angesehen werden kann, wenn andere, auch weit zurückliegende Fälle sichtbar werden sollten.

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