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Carolin Nasse setzt Akzente

Lügder Tourismuschefin hat die Wanderschuhe an

LÜGDE. Die Erleichterung ist Carolin Nasse anzumerken: Nach über acht Monaten in einem Provisorium während der Bauphase ist sie mit der Touristinformation an den Stammplatz im Lügder Rathaus zurückgekehrt. Ein heller Arbeitsraum und dazu Glas anstelle einer undurchsichtigen Bürotür symbolisieren auch die Gastfreundschaft, die dem Besucher hier jetzt begegnen soll. Seit gut vier Jahren ist die 30-jährige Hamelnerin für die Förderung des Tourismus in Lügde und das Stadtmarketing tätig. Sie hat nach eigenem Bekunden noch keinen Tag davon bereut.

Autor

Achim Krause Reporter

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Von Lügde hatte sie bis 2012 noch nicht viel gewusst. „Eigentlich gar nichts“, gesteht sie. „Wir waren als Familie eher mehr in Richtung Hannover orientiert. Nach Bad Pyrmont kamen wir schon mal zu Veranstaltungen, und gelegentlich waren wir am Schiedersee. Ich kannte noch nicht einmal die Osterräder.“ Das hat sich aber für sie grundlegend geändert, seitdem sie hier die Fäden des Stadtmarketings und des Tourismus hält. Eine sukzessive Übergabe der Amtsgeschäfte von ihrer Vorgängerin Anne Gildehaus konnte damals aus terminlichen Gründen nicht mehr stattfinden. „Als Berufsanfängerin bin ich von jetzt auf gleich ins kalte Wasser gesprungen und hatte hier viel Vertrauensvorschuss“, blickt sie zurück.

Ihre offene fröhliche Art gepaart mit Fachwissen und Engagement halfen ihr, die von Männern beherrschte Vereinswelt in Lügde auf ihre Seite zu ziehen. „Ich habe mich richtig gefreut, als sich immer wieder Vertreter der Vorstände bei mir vorstellten und mir ihre Zusammenarbeit anboten“, erinnert sie sich an die Anfänge. Heute wissen alle Beteiligten längst, dass sie voneinander zum Wohle der Stadt profitieren können. Es mache sehr viel Spaß, sowohl mit dem Heimat- und Museumsverein, den Verkehrsvereinen in den Dörfern oder dem Marketingverein immer neue Ideen entwickeln und umsetzen zu können: „Man ist in den Vorständen offen für Neues. Das kommt mir sehr entgegen.“ Der traditionelle Osterräderlauf bleibe das Zugpferd für Lügde, sagt sie. Carolin Nasse tut einiges dafür, um rund um dieses eintägige Topereignis oder den Weihnachtsmarkt für das ganze Jahr Veranstaltungen zu organisieren. So ist die Reihe „Sonntags im Park‘“ für Kinder ein Renner in den Sommermonaten geworden. Das Ackerbürgerfest im Spätsommer wie auch der Zickenmarkt im Frühjahr oder der mittelalterliche Markt könnten jährlich wechselnd zu zusätzlichen Schwerpunkten werden. Und es sprudelt geradezu aus Nasse heraus, was sie sich häufig während der Autofahrten zwischen ihrem Wohnsitz Hameln und ihrem Arbeitsplatz Lügde in ihr Büchlein notiert, in dem nach eigenem Bekunden nur sie sich als bekennender Klebezettel-Fan zurechtfindet. Zum Beispiel kann sie sich kleinteiligere Feste neben Traditionsveranstaltungen wie den Schützenfesten in allen Ortsteilen vorstellen.

In der enormen Vielfältigkeit ihrer breit angelegten, sich ständig erweiternden Aufgabenbereiche Stadtmarketing und Tourismus sieht Carolin Nasse keine Belastung, sondern eine Herausforderung, der sie sich gerne stellt. Mit einem Job in einem größeren Tourismusbüro möchte sie nicht tauschen: „Da ist man einer unter vielen mit speziellen Aufgaben. Hier ist es viel interessanter, weil ich selbst etwas entwickeln und gestalten kann.“ Das hat sie bereits erfolgreich getan, indem sie mit neuen Impulsen die beiden Geschäftsbereiche aus dem Dornröschenschlaf weckte. Das schlägt sich zum Beispiel in ständig steigenden Übernachtungszahlen in der Großgemeinde und an immer mehr Nachfragen nach Ferienwohnungen nieder. „Auch der Tagestourismus nach Lügde hat stark zugenommen“, hat sie festgestellt und weiß: „In den Kommunen rund um uns herum werden wir hier immer häufiger als lohnendes Ausflugsziel empfohlen.“ Das habe auch die Bevölkerung gespürt und identifiziere sich nach der umfangreichen Sanierung der historischen Altstadt und der Anlage „unseres Emmerauenparks“ stärker mit ihrer Stadt.

  • Geführte Wanderungen – hier auf dem Mythenweg – erfreuen sich dank guter Vermarktung steigender Beliebtheit. Foto: afk
  • Zusammen mit ihren Kolleginnen aus Schieder-Schwalenberg ist die Lügder Tourismuschefin häufig auf Messen unterwegs, um für die Region zu werben. Foto: afk

Die Aufgabe, als Ansprechpartnerin zur Verfügung zu stehen, hat sie angenommen und setzt sowohl im Ausbau des Tourismus in den bestehenden regionalen Netzwerken mit der Nachbarstadt Schieder-Schwalenberg oder in den Tourismusverbänden wie der lippischen LTM oder Weserbergland und in überregionalen Organisationen wie der Deutschen Märchenstraße – dort wurde sie in den Marketingausschuss gewählt – Akzente. „Davon profitieren wir hier nicht unwesentlich, weil man Kontakte bekommt und auch auf Zuschuss- oder Finanzierungsmöglichkeiten bei Projekten aufmerksam wird“, sagt sie. Nasse verweist unter anderem auf die neuen Informationssäulen, die Gästen im Stadtgebiet Auskünfte verschiedenster Art geben.

Mit der Bad Pyrmont Tourismus GmbH teilt sich das Lügder Tourismusbüro eine Auszubildende. In der Zusammenarbeit mit dem Kurbad sieht Carolin Nasse noch Entwicklungspotenzial. Die Landesgrenze und die unterschiedlichen Gewichtungen und Ausrichtungen der beiden Tourismusverbände hinderten schon. „Wir brauchen über die Emmermesse hinaus ein gemeinsames Projekt, wie es mal mit der länderübergreifenden Landesgartenschau geplant war“, wünscht sie sich. „Die Erweiterung der Emmerauen nach Bad Pyrmont wäre auch ein Thema.“

Die junge Frau ist begeisterte Sportlerin und wandert in ihrer Freizeit viel. „Als Kind habe ich das gehasst“, schmunzelt sie. „Heute finde ich das einfach toll.“ Die kartografierten Wander- und Themenwege hat sie mehrfach abgelaufen, Impressionen in Bildern festgehalten. Das ganz große Ziel der dynamischen Lügder Tourismuschefin ist es, ein einheitliches Ausschilderungssystem und die Ausgestaltung der Wander- und Radwege aus einem Guss hinzubekommen. Carolin Nasse ahnt: „Das wird eine Mammutaufgabe.“.

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