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55-Jährigem aus Bodenwerder droht empfindliche Strafe

Fischwilderer geht Anglern ins Netz

BODENWERDER. Fische fangen ohne Genehmigung – auch wenn es im ersten Moment nach einem Kavaliersdelikt aussieht, es ist keins. Zumindestens auf eine hohe Geldstrafe wird sich jetzt ein 55-Jähriger aus Bodenwerder einrichten müssen.

Autor

Julia Alin Reporter

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Im Paragraf 293 des Strafgesetzbuches ist der Begriff der Fischwilderei definiert: „Wer unter Verletzung fremden Fischereirechts oder Fischereiausübungsrechts 1. fischt oder 2. eine Sache, die dem Fischereirecht unterliegt, sich oder einem Dritten zueignet, beschädigt oder zerstört, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.“

Am Sonntag vor einer Woche war ein Mitglied des Angelvereins Bodenwerder-Heinsen auf dem Werder unterwegs, um mit der Angelrute im Mühlengraben zu jagen. Der Mühlengraben darf aus Hegeschutzgründen nur in der Zeit vom 1. Juli bis 31. Dezember – und das auch nur vom Werder aus – beangelt werden. Als sich sein Blinker dann an irgend etwas verhakte, bat der Angler einen Vereinskollegen von der Seite der Bundesstraße nachzuschauen, was die Ursache sein könnte. Zu Tage kam eine Fischreuse, welche mit einem Seil an einem Baum am Ufer fixiert war. Sie wurde von den beiden Anglern dem Gewässerwart des Angelvereins, Olaf Schmittendorf, übergeben.

Tags drauf gegen 15 Uhr wollte es der Zufall, dass eben diesem Angler auf seinem Weg nach Bodenwerder ein Radfahrer auffiel, der ein etwas größeres, ungewöhnliches Behältnis auf seinem Gepäckträger transportierte. Ein Blick in den Rückspiegel zeigte, dass der Radfahrer eben an genau der Stelle, wo der Angler die Reuse aus dem Wasser gefischt hatte, sein Fahrrad anhielt und hinter der Leitplanke abstellte. Zusammen mit einem schnell herbeigerufenen Vereinskollegen beobachteten die Angler den vermutlichen Schwarzfischer dabei, wie er Ufer und Wasser offensichtlich nach seiner Reuse absuchte.

  • Das Fanggerät wurde eingezogen, die Polizei stellte den mutmaßlichen Täter. Foto: bor
  • Die Fischereiaufseher weisen sich per Dienstmarkt aus. Foto: bor

Die ebenfalls informierte Polizei war wenige Minuten später vor Ort. Die Beamten trafen den mit einer Wathose bekleideten Mann noch am Ufer an. Dabei stellten sie auch ein Stellnetz sicher. Stellnetze und Reusen dürfen an der Weser nur von Nebenerwerbs- oder Berufsfischern benutzt werden. Im Bereich Polle-Bodenwerder haben die beiden einzigen Nebenerwerbsfischer Fritz Köster in Polle und Klaus Schünemann in Bodenwerder diesen Beruf allerdings vor über einem Jahr aufgegeben.

Da der mutmaßliche Schwarzfischer einen festen Wohnsitz in der Münchhausenstadt nachweisen konnte, wurde er nach der Personalienfeststellung und Sicherstellung seines Netzes durch die Polizei wieder entlassen.

Für den Vorsitzenden des Angelvereins Bodenwerder– Heinsen, Thorsten Weper, ist es nicht das erste Mal in diesem Jahr, dass Fischwilderer am Werk waren. Vor einigen Wochen hatte ein anderer Anglerkamerad in Höhe der Brevörder Kläranlage eine Reuse „erblinkert“. Ein Zusammenhang mit dem Fall in Bodenwerder sei zwar nicht ersichtlich, das sei aber sogar schlimmer: Denn schließlich würde es sich dann ja auch um zwei Schwarzangler handeln, gibt Weper zu bedenken.

Der Angler-Chef ist – zusammen mit rund einem Dutzend Vereinskameraden – Fischereiaufseher im Bereich der Pachtgemeinschaft. er bringt Fälle wie diesen grundsätzlich zur Anzeige. Denn Fischwilderei sei eben kein Kavaliersdelikt. Eine Angelerlaubnis hätte dem Wilderer viel Kosten und Ärger erspart.

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