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Zwei jungen syrischen Männern wachsen Behördengänge und Kosten für ihre kranke Mutter über den Kopf

Wenn ein Plan zerbricht

BAD MÜNDER. Eigentlich hatte Familie Ahmed geschafft, was sie sich in Syrien erträumt hatte von der neuen Heimat Deutschland. Beide Söhne hatten Glück genug, die riskante Flucht zu überstehen. Ihre Fähigkeiten reichen aus, um sich eine Zukunft aufzubauen, sind ihre Lehrer überzeugt. Doch nun, nach der Flucht, gibt es Probleme.

veröffentlicht am 26.06.2017 um 06:00 Uhr

Hani und Diyar Ahmed, mit Mutter Fathia Muhamed auf dem Balkon. Foto: Weißling
katharina

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Katharina Weißling Redakteurin zur Autorenseite
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Gerade weil sie es planvoll angegangen waren, konnte auch die schwer nierenkranke Mutter der beiden ihrem damals minderjährigen Sohn Diyar legal nach Bad Münder folgen.

Nicht Krieg und Traumata holen die Flüchtlinge jetzt ein, sondern Dokumente eines gescheiterten Versuchs der Mutter, die Wunschheimat auf anderem Wege zu erreichen. Als noch niemand wusste, dass Diyar gut in einem Kinderheim ankommen würde, hatte Mutter Fathia Muhamed bereits einen Visumsantrag gestellt. Darin taucht ihr seit Jahrzehnten in Deutschland lebender Bruder als Bürge auf. Weil ihr eigenes Geburtsdatum mit dem 00.00.1969 seltsam verdreht angegeben notiert wurde, war das Visum abgelehnt worden.

Doch Papier ist geduldig und wird der Familie rückwirkend möglicherweise zum Verhängnis. Die alten Angaben werfen Fragen auf, welche Informationen die Familie bewusst zurückgehalten haben könnte, um ihren Traum zu erreichen. Außerdem schaffen die Daten Fakten, nach denen Amtsvertreter handeln müssen. Ein Beispiel: War bekannt, dass der ältere Bruder Hani bereits in Deutschland lebte, als der Familiennachzug beantragt wurde und wenn ja, was hätte das geändert? Fathia Muhamed war rasch zu ihrem ältesten Sohn gezogen, statt zur ursprünglich angegebenen Adresse bei ihrem Bruder. Formal ein weiterer Fehler. „Ich kann nur sagen, dass ich Hani als ausgesprochen verantwortungsbewussten Menschen kennengelernt habe und mir nicht vorstellen kann, dass es sich um böswillige Täuschungen der Familie handelt“, sagt Lehrerin Norma Winkler-Piduhn aus Hameln dazu. Bei ihr kommt an, dass ihr Schüler etliche Stunden fehlt, um Behördengänge für und mit seiner Mutter zu erledigen. — Offensichtliche Integrationshemmnisse eines eigentlich aussichtsreichen Schülers. In Damaskus hatte Hani Ahmed studiert.

Sein jüngerer Bruder Diyar spricht inzwischen besser deutsch als er. Auch weil er jetzt volljährig ist, steht das Bleiberecht der Mutter auf tönernen Füßen. Faktisch ist die Mutter nicht mehr krankenversichert. Gleichwohl wird die kranke Frau dreimal die Woche zur Dialyse gefahren. Kosten über Kosten, für die es keine klaren Zuständigkeiten mehr gibt.

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