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Pilotprojekt zur kommunalen Gesundheitsförderung: Stadt und Krankenkasse kooperieren

Vom Kind bis zum Senior alle erreichen

Bad Münder. Kommunale Gesundheitsförderung – ein sperriges Wort. In Bad Münder soll ein gleichnamiges Pilotprojekt mit Leben erfüllt werden, die Stadt ist dazu eine Kooperation mit der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH) eingegangen. Profitieren wollen davon beide Seiten: Die Stadt, weil sie sich vor dem Hintergrund demografischer Veränderungen dem Thema Gesundheit und Lebensqualität mit professioneller Unterstützung annehmen kann. Die Krankenkasse, weil sie sich mit Bad Münder als Modell wichtige Erkenntnisse in der Frage erhofft, wie möglichst großer Nutzen für Versicherte aus höheren Investitionen in Präventionsarbeit generiert werden kann.

veröffentlicht am 19.05.2015 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 13.01.2017 um 16:37 Uhr

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Jens Rathmann Redakteur zur Autorenseite
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Basis der gemeinsamen Anstrengungen sind Bestrebungen der Bundesregierung, ein Präventionsgesetz auf den Weg zu bringen. Nach mehreren Anläufen soll das noch in diesem Jahr gelingen. Das Bundeskabinett hat sich darauf verständigt, dass ab 2016 über 500 Millionen Euro mehr für die Prävention und Gesundheitserhaltung bereitgestellt werden. Finanziert werden soll dies in erster Linie durch die Krankenkassen.

Als „Blaupause kommunalen Handelns“ sieht denn auch Thomas Heiming das Projekt der kommunalen Gesundheitsförderung in Bad Münder. Als Mitglied im Verwaltungsrat der KKH und Geschäftsführer der städtischen Tochtergesellschaft für Gesundheit, Veranstaltungen und Tourismus hat er maßgeblichen Anteil am Zustandekommen der Kooperation, mit der Prävention und Gesundheitsförderung in jedem Lebensalter und in allen Lebensbereichen vorangebracht werden sollen. Ein Ansatz dabei: Um beides noch stärker in den Alltag der Menschen zu integrieren, brauche man vor Ort passgenaue Lösungen. Und dabei kommt der Struktur in Bad Münder eine zentrale Rolle zu. Die Stadt versteht sich als Gesundheitsstandort, Einrichtungen wie Krankenhäuser und Reha-Kliniken sind vorhanden, verschiedene Anbieter im Gesundheits- wie Präventionsbereich neuen Modellen gegenüber aufgeschlossen. Kindertagesstätten und Senioreneinrichtungen haben das Thema bereits für sich erkannt. „Aber auch Einrichtungen, die erst auf den zweiten Blick mit dem Thema Gesundheit befasst sind, wie die Berufsgenossenschaftliche Bildungsstätte oder das Bildungszentrum der IG BCE, sind sehr interessiert. Insofern ist Bad Münder ein klasse Standort“, macht Bürgermeister Hartmut Büttner deutlich.

Im Juli vergangenen Jahres wurde das Kooperationsprojekt gestartet, dabei hat Bad Münder vier vorrangige Ziele festgelegt, die sich an verschiedenen Lebensbereichen orientieren. Dazu gehört die Förderung der Gesundheit bei alten Menschen „durch Aktivierung der individuellen Ressourcen für ein möglichst langes, selbstbestimmtes Leben“. Die Förderung der Gesundheit bei Kindern und Jugendlichen setzt bei der Erkenntnis an, dass „gesundheitsbeeinträchtigende Handlungsmuster“ bereits in jungen Jahren verankert werden. Falsche Ernährung, mangelnde Übernahme von Gesundheitsverantwortung und Bewegungsarmut sind die Stichworte, vorgesehen ist das gezielte Gegensteuern.

Zusammen mit den Unternehmen und den Beschäftigten sollen überbetriebliche Aktivitäten entwickelt werden, um die Gesundheit der Berufstätigen zu fördern und negativen Folgen einer alternden Belegschaft entgegenzuwirken. Und auch die Gruppe der Menschen, die aus dem Erwerbsleben ausgeschieden sind, haben die Projektverantwortlichen im Blick: Unter den Aspekten „Suchtgefährdung“ und „Reduzierung der Bewegungsaktivitäten“ wird gearbeitet.

Die Frage, warum sich die KKH bei bundesweit 1,8 Millionen Versicherten ausgerechnet für ein Projekt in Kooperation mit Bad Münder entschieden hat, beantwortet Marcus Wollny von der KKH: „Bad Münder

hat ein unglaubliches Engagement, was das Thema betrifft. Wie verändern sich Strukturen? Wie entwickelt sich der demografische Wandel? Wie gehen wir eigentlich in Zukunft mit den Umständen, die auf uns wirken, um? Das sind zentrale Fragen, und wir haben als KKH durch den Gesetzgeber die Möglichkeit erhalten, die Kommunen stärker in Aktivitäten zu unterstützen, mehr Geld zur Verfügung zu stellen, als wir das bisher konnten.“ Bad Münder biete der Krankenkasse die Chance, Impulse zu setzen für andere Bereiche, die ähnlich betroffen sind. „Wir müssen Konzepte entwickeln. Herausfinden, wie wir im Alter Gesundheit bereitstellen können. Menschen gesünder machen können, damit sie länger arbeitsfähig sind – denn das wird auch auf uns zukommen“, erklärt er.

Rund ein Jahr lang standen Stadt und Krankenkasse vor Projektbeginn in einem Diskussionsprozess und klärten ab, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit das Projekt auch Früchte tragen kann. „Das außergewöhnliche Engagement in den Arbeitsgruppen, auch ehrenamtliches Engagement, hat überzeugt“, sagt der GeTour-Chef. Rund 60 Münderaner arbeiten in den drei Arbeitsgruppen und in der Steuerungsgruppe mit. „Wesentliche Voraussetzungen für das, was wir erreichen wollen“, erklärt er.

In Zukunft werde es nicht mehr ausreichen, Angebote zu unterbreiten und zu warten, dass sie angenommen werden – „in Zukunft müssen wir in die Lebenswelten der Menschen eindringen“, erklärt Heiming. Daher sei die Unterstützung der Akteure in den Kitas, in den Schulen, in den Unternehmen und in den Senioreneinrichtungen wichtig. „Wenn die sich öffnen, können wir die Bedarfe ermitteln und ganz passgenaue Angebote unterbreiten, die von den Menschen wahrgenommen werden, die wir eigentlich erreichen müssen.“

Das Kooperationsprojekt ist auf drei Jahre angelegt, allerdings ist die jährliche Förderung kein Selbstläufer: Die Stadt hat jedes Jahr einen Bericht zur Entwicklung vorzulegen – erst, wenn der die Zustimmung der Krankenkasse findet, fließt auch weiterhin Geld. 10 000 Euro sind es, die die KKH fürs erste Jahr zur Verfügung stellt, sie fließen in einen kommunalen Gesundheitsförderungsfonds.



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