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Thema Sterbehilfe wird nicht nur im Bundestag, sondern auch in Bad Münder diskutiert

Ohne moralischen Zeigefinger

Bad Münder.. „Wenn Sie über Sterbehilfe sprechen wollen, sind Sie hier eigentlich falsch“, sagt Agnes Schulze Althoff. Dabei ist die kommissarische Leiterin des Hospizes in Bad Münder täglich mit Sterbenskranken konfrontiert. Und dennoch: „Wir sind hier ein Haus des Lebens.“ Ganz ganz selten habe in all den Jahren ein Gast den Wunsch geäußert, sich das Leben zu nehmen. Dahinter stehe meist die Angst vor dem Ungewissen, Angst vor Schmerzen und das Wissen, auf andere Menschen angewiesen zu sein.

veröffentlicht am 29.11.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 25.10.2016 um 10:33 Uhr

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Autor:

von mira colic
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Und schon wird deutlich, dass man bei Schulze Althoff sehr wohl richtig ist, bei dem Thema Sterbehilfe. Sie will den Menschen Mut machen, ihnen die Ängste nehmen, denn schließlich könnten die letzten Wochen und Monate eines Lebens noch so wertvoll sein, sagt die 66-Jährige: „Die Menschen können noch wundervolle Dinge erleben.“ Wie viele Feste und Familienzusammenführungen habe sie in den vergangenen sieben Jahren seit Eröffnung der Einrichtung bereits erlebt.

Das sei einer der Gründe, warum sie persönlich gegen Sterbehilfe sei. Im Bundestag wird zurzeit darüber diskutiert, ob und wie der Gesetzgeber die Sterbehilfe künftig regeln sollte. Voraussichtlich im Herbst 2015 wird der Bundestag über die dann vorliegenden Gesetzentwürfe abstimmen. Ein erster Versuch, zu einer umfassenden gesetzlichen Regelung zu kommen, war 2012 gescheitert.

Schulze Althoff wolle nicht den moralischen Zeigefinger erheben, diese Entscheidung könne nur jeder für sich selbst treffen und „in Einzelfällen mag es auch der richtige Weg sein“, für sie käme es jedoch nicht infrage. „Ich hätte auch Bauchschmerzen, wenn es stärker freigegeben werden würde.“ Sie sorge sich um möglichen Missbrauch, davor, dass es ein Ausweg für Menschen sei, die ihren Angehörigen nicht „zur Last fallen“ wollen. „Dabei müssen wir noch mehr nach Lösungen suchen, das Leben, so individuell, wie es gelebt wurde, auch zu Ende gehen zu lassen“, fordert die ausgebildete Krankenschwester. „Und genau das versuchen wir hier im Hospiz.“

Begleitung sei in der letzten Phase des Lebens das Allerwichtigste. „Ich glaube nicht, dass viele Menschen den Giftbecher nehmen würden, wenn sie jemanden an ihrer Seite hätten.“ Bei den Fortschritten, die die Palliativmedizin in den vergangenen Jahren gemacht habe, müsse kaum noch jemand Angst haben, unter unerträglichen Schmerzen auf das Lebensende zu warten. Viel mehr seien es häufig die kleinen Dinge, die Ängste auslösten. Werde ich gewaschen, wie ich das will? Kann ich essen und trinken was und wie ich möchte und den Tagesablauf gestalten, wie ich es gewohnt bin? „Selbstbestimmung ist uns sehr wichtig.“

Nichtsdestotrotz findet Schulze Althoff die Diskussion um Sterbehilfe richtig und wichtig. Das Thema müsse viel mehr ins Bewusstsein der Öffentlichkeit treten, raus aus der Tabu-Zone. „Ich wünsche mir mehr Aufklärung, was es für Möglichkeiten gibt.“ Neben dem Angebot eines stationären Hospizes gebe es auch ehrenamtliche Hospiz-Dienste sowie palliative Pflegedienste.

Auch der Verein Hospizarbeit Springe, der seit einem Jahr eine Beratungsstelle in Bad Münder eingeführt hat, begleitet Menschen an ihrem Lebensende. Sterbehilfe ist auch hier tabu. „Auch eine assistierte Selbsttötung passt nicht zur Hospizhaltung“, sagt Koordinatorin Susanne Rokahr. Der Wunsch, aus dem Leben zu scheiden, sei immer ein Hilferuf. „Wir versuchen dann dem Menschen, andere Möglichkeiten aufzuzeigen. „Und auch wenn es Einzelfälle gibt, bei denen ich den Wunsch verstehen kann, kann ich es mit dem Hospizethos nicht vereinbaren“, so Rokahr.

Kommissarische Leiterin Agnes Schulze-Althoff im Garten des Hospizes Bad Münder. Colic



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