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Natur- und Umweltschutz steht bei Rat und Verwaltung nicht auf der Prioritätenliste

Nicht mehr als Absichtserklärungen

BAD MÜNDER. Das Insektensterben hat in den vergangenen Monaten nicht nur Umweltschützer alarmiert. Einige Kommunen gehen das Thema aktiv an, stellen Flächen zur Verfügung und motivieren ihre Bürger, blühende Wiesen anzulegen. Nicht so Bad Münder, und das ärgert insbesondere den heimischen Nabu-Vorsitzenden.

veröffentlicht am 14.08.2018 um 19:03 Uhr

„Bienenweide“ haben Landwirte einen speziell für Insekten angelegten Streifen an der B 442 bei Eimbeckhausen genannt – auf städtischen Flächen sind bislang keine speziellen Saatmischungen ausgebracht worden. Foto: hzs

Autor

Christoph Huppert Reporter
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„Das Thema, was die Stadt mit ihren Flächen tun kann, haben wir beim Jahresgespräch mit dem Bürgermeister und der Verwaltung schon im Februar angesprochen. Außer warmen Worten ist aber nichts passiert“, sagt Matthias Grossmann. Er sieht einen ähnlichen Verlauf wie bei der „jämmerlichen Diskussion“ über eine neue effektivere Baumschutzsatzung. Es bestehe leider „wenig Hoffnung“, dass es beim Thema Insektensterben anders sei. Grossmanns Fazit: „Die Themen Natur- und Umweltschutz stehen hier in Bad Münder bei Rat und Verwaltung nicht auf der Prioritätenliste.“

Ausdrücklich nimmt er bei seiner Kritik allerdings Annika Platsch vom Fachdienst Stadtentwicklung und Wirtschaftsförderung aus. „Die gibt sich Mühe, hat Ideen, wird aber von anderer Seite ausgebremst und kaltgestellt.“

Um seine Feststellung zu untermauern, lädt Grossmann zum Blick in die Gärten der Kernstadt ein. Zu viele „moderne Gärten des Grauens“ finden sich nach Auffassung des Nabu-Chefs darunter. Statt blühender Sträucher mit Wildstauden fänden sich „seelenlos Aufpflasterungen“, Thujahecken, Kiesbeete und handelsüblicher Zierrasen. Dabei schreite das Insektensterben dramatisch voran.

Dass die Bestäubung von Obstbäumen nicht nur bei den Obstbauern im Alten Land in Gefahr ist, stellte kürzlich erst ein Insektenexperte des Nabu aus Hessisch Oldendorf heraus. Er schilderte, wie andernorts reagiert werden muss: „In Japan gibt es schon den Beruf des Bestäubers, mit Leiter, Wattebausch und viel Handarbeit.“ 80 Prozent betrage der Rückgang an Insekten bereits, und wem es aufgefallen sei, der wisse, dass die Kirschen liebenden Stare – immerhin Vögel des Jahres – diesmal fast völlig ausgeblieben seien. Für ihn Vorboten einer Öko-Katastrophe, für den münderschen Nabu-Vertreter Grossmann Warnzeichen, auf die man andernorts im Landkreis zumindest ansatzweise reagiere, die man in Bad Münder aber offensichtlich verschlafe. Grossmann: „Nicht nur die Obstbäume bieten den Insekten in der Blütezeit Nahrung, auch die artenreiche Vegetation unter den Bäumen ist für Insekten ein guter und wichtiger Überwinterungs- und Nahrungsplatz. Viele Hummeln-, Bienen- und Wespenarten sowie andere Insekten bauen ihre Nester in die Erde unter den Bäumen.“

Projekte wie das Refugium der Streuobstwiesen im Sünteltal haben daher Modellcharakter. In der Kernstadt könnten nach Auffassung des Nabu private Gartenbesitzer wesentlich mehr für die Rettung der Bienen und gegen das Insektensterben tun.

Und die Stadt? Etwa 5000 Quadratmeter groß sei die Fläche, die für etwaige „Blühinseln“ im öffentlichen Raum im Stadtgebiet zur Verfügung stehe, teilt Annika Platsch auf Anfrage mit. Und auch das Hessisch Oldendorfer Modell, durch den Bauhof bienenfreundliches Saatgut kostenlos an Gartenbesitzer abzugeben, könne sich die Stadt gut vorstellen. Interkommunale Zusammenarbeit gebe ist in diesem Bereich allerdings nicht, und dafür bestehe nach Auffassung der Verwaltung derzeit auch keine besondere Veranlassung. Statt dessen gibt es auf Nachfrage Tipps: „Umfangreiche Unterstützung für mehr Stadtgrün“, „Umsetzung globaler Klimaziele für eine nachhaltige Entwicklung auf kommunaler Ebene“ sind Stichworte – und für konkrete Fördermöglichkeiten wird auf die Internetseite www.gruen-in-die-stadt.de verwiesen.

Weder im Kreishaushalt noch im städtischen Etat sind Mittel dafür eingeplant. Platsch: „Der Bürgermeister geht nicht davon aus, das große Beträge eingesetzt werden müssen. Vielmehr gehe es um zunehmende Sensibilisierung für die Thematik, um so ein Überdenken und Nachsteuern bisheriger Verhaltensweisen zu erreichen.“

Sehr allgemein sind denn auch die städtischen Tipps für Gartenbesitzer und Hobbygärtner, die etwas zur Verbesserung beitragen wollen: „Verzicht auf chemische Schädlingsbekämpfung“, „Stauden erst spät nach dem Winter beschneiden“, „Vermeidung von Schotterbeeten.“ Für die Akteure des heimischen Nabu deutlich zu wenig, macht Grossmann deutlich.



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