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Klaus Pawlowski liest in seinem Heimatort

Gereimtheiten und andere Gemeinheiten

Hachmühlen. „Vor allem seine nette Moderation hat uns sehr angesprochen“, sind sich zwei Besucherinnen nach der Lesung von Klaus Pawlowski einig. Der hat in der Tat ein feines Gespür für sein Publikum, bezieht es ab und an sogar in seine humorvollen Gedichte mit ein, dann nämlich, wenn die rund 35 Besucher im Hachmühler Gemeindehaus den Reim schon erahnen und laut mitsprechen.

veröffentlicht am 10.04.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 25.10.2016 um 13:03 Uhr

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Autor:

von christoph huppert
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Für Pawlowski ist der Abend zum einen ein Heimspiel, zum anderen eine Erinnerungsreise. Hier in Hachmühlen ist der jetzt im „Unruhestand“ lebende, ehemalige Göttinger Sprachwissenschaftler aufgewachsen. „Hier kenne ich jeden Stein“, sagt er und berichtet, wie er im Hachmühler Mühlbach Schwimmen gelernt habe. Heute freilich ginge das nicht mehr.

„Gereimtheiten und andere Gemeinheiten“, so heißt eines seiner Bücher. Schon der „Aufwärmer“ macht Pawlowskis ganze Wortgewalt deutlich. Ein Satz mit Columbus? Kein Problem. „Mit dem Saufen ist jetzt Schluss, heute sah ich Helmut Kohl im Bus“, radebrecht Pawlowski. Gleich drauf eine ebenso kritische wie heitere „Ballade von der Energiesparlampe“. Oh weh, wenn die runterfällt, dann ist ein Entsorgungskommando mit Gummihandschuhen und Atemschutz vonnöten.

Pawlowski verdichtet kleine Alltagserlebnisse wie etwa die E-Mail-Flut nach Rückkehr von einer Reise oder große Polit-Aufreger à la Uli Hoeneß, den er im Struwwelpeter-Suppenkaspar-Stil in seinem „Schicksal einer Bratwurst“ durch den Fleischwolf dreht, zu vor Wortwitz nur so triefenden Texten.

Im Teil „Natur“ geht es beispielsweise den FDP-„Gelbflüglern“ ebenso an den Kragen wie Sparbuchfinken, Abgreifvögeln, Kohlemeisen oder Verschleiereulen. „Großartig, sehr treffend“, kommentiert ein sichtlich erheiterter Besucher.

Vor Pawlowskis spitzzüngigem Humor sind weder Sportreporter Bela Réthy noch Frank-Walter Steinmeier „an der Außenlinie“ und schon gar nicht die „Sturmtankgöttin“ Ursula von der Leyen sicher. Und bei seinem absoluten Lieblingsgedicht, der Auffindung eines toten Abgeordneten im Bundestag, berührt Pawlowski gar die Grenze zum schwarz angehauchten Humor.

Wortspielereien wie die mit den fehlenden Gegenstücken von Worten wie „unbändig“, „unwirsch“ oder „Unhold“ erfordern Konzentration, eingängig dagegen Pawlowskis Limericks oder sein Terminator-Gedicht in ostpreußischer Mundart im Erlkönig-Stil.

„Bitte Klaus, bald mal wieder hier“, fordern Freunde, Bekannte und Zuhörer. „Wenn ihr wollt“, erwidert Pawlowski. „Schließlich war ich hier mal zuhause.“ Sagt’s und reicht das prall gefüllte Spendenkörbchen großzügig zu Pastorin Frauke Kesper-Weinrich rüber.



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