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Nach Insolvenzantrag: Gestern Mitarbeiterversammlung bei den Awo GSD / Kritik an Geschäftsführerin

Gehälter für drei Monate gesichert

Bad Münder. Das Wort, vor dem viele Deutsche Angst haben: Insolvenz. Eine Firmenpleite gilt als Inbegriff des Scheiterns, als Todesstoß für Unternehmen und schwerer Schlag für Mitarbeiter. Rund 430 sind es allein in Bad Münder, die derzeit mit sehr gemischten Gefühlen zum zentralen Unternehmenssitz der Awo Gesundheitsdienste nach Hannover schauen. Dort ist am Montag die Entscheidung gefallen, eine Planinsolvenz in Eigenverwaltung beim Amtsgericht Hannover zu beantragen. Was das für einzelne Einrichtungen und die Arbeitsplätze in Bad Münder bedeutet – es wird sich erst in den kommenden Wochen herausstellen. Rund 1000 Mitarbeiter sind konzernweit betroffen. Weitere Standorte gibt es auch in Hann. Münden und Hannover, außerdem Dialysestationen in Bad Pyrmont und Stadthagen.

veröffentlicht am 22.04.2015 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 13.01.2017 um 16:40 Uhr

Jens

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Jens Rathmann Redakteur zur Autorenseite
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In einer Betriebsversammlung wurden gestern die Mitarbeiter in Bad Münder über die aktuelle Entwicklung informiert. Vorgestellt wurden dabei von Geschäftsführerin Magdalene Günther auch zwei Rechtsanwälte, denen zentrale Rollen im weiteren Vorgehen zufallen: Dr. Rainer Eckert war bereits in der vergangenen Woche vom Unternehmen als Bevollmächtigter für die Awo Gesundheitsdienste eingesetzt worden als sich abzeichnete, dass ein Insolvenzverfahren nicht mehr abzuwenden sein würde. Das Amtsgericht Hannover bestellte gestern Rechtsanwalt Manuel Sack zum Insolvenzverwalter für die Awo GSD.

Die Planinsolvenz soll für die Awo GSD sowie für die Töchter Krankenhaus Hann. Münden gGmbh und die Logistik der Gesundheitsdienste (GSD L) gelten. Noch in der Prüfung ist eine Ausweitung auf die Gesundheitsdienste Präventions-und Rehabilitationsgesellschaft, die in Bad Münder den Fitnesspark Vital und das Physikalische Therapiezentrum im Kurmittelhaus betreibt. Nicht einbezogen in den Insolvenzantrag ist die Betreuungs gGmbH, unter deren Regie die Senioreneinrichtung am Deisterhang und das Hospiz arbeiten.

Während der Versammlung erläuterten Günther und Eckert rund 250 Beschäftigten aus allen Bereichen des Unternehmens die Notwendigkeit einer Planinsolvenz. Den Schritt, den auch die Gesamtbetriebsratsvorsitzende Ute Giesecke durchaus nachvollziehen kann: „Politisch gesehen war die Entscheidung unter der Prämisse, dass die Banken auch das nachgebesserte Kaufangebot abgelehnt hatten, richtig. Keine Frage.“ Es eröffne weitere Möglichkeiten. „Mit diesem Schritt stellen wir ab sofort sicher, dass unter den jetzigen Umständen alles getan wird, um einen Neustart zu ermöglichen“, hatte Eckart in einer ersten Mitteilung erklärt. Nach der ausbleibenden Zustimmung des Bankenkonsortiums zum Verkauf an einen Interessenten – dem Vernehmen nach sollen zwei interessierte Unternehmen ein gemeinsames Angebot abgegeben haben – besteht nun die Möglichkeit, den Verkauf unter anderen Voraussetzungen zu verhandeln. Welche Unternehmen Interesse signalisiert hatten, ist weiterhin nicht bekannt.

Vorwürfe wurden gestern in Richtung der Geschäftsführerin laut: Noch im November, als das Ausmaß der finanziellen Schieflage des Unternehmens bereits bekannt gewesen sei, habe sie noch beschönigend von einer „Finanzdelle“ gesprochen. Auch sei im Sanierungsgutachten der Gesellschaft PrinceWaterhouseCoopers von Managementfehlern die Rede gewesen – unklar daher für Mitarbeiter, warum an der bisherigen Geschäftsführerin festgehalten werde. „Es gibt einen immensen Vertrauensverlust in die alte Geschäftsführung“, bestätigt Giesecke entsprechende Berichte von Versammlungsteilnehmern. Auch sie selbst ist mit dem Agieren der Geschäftsführerin nicht einverstanden: „Vertrauensbildende Maßnahmen sind von Oktober bis zum heutigen Tag nicht von ihr eingeleitet worden.“

Für drei Monate, so wurde den Mitarbeitern mitgeteilt, sind die Gehälter gesichert. In dieser Zeit anfallende Überstunden werden ausgezahlt. Kündigungen seien derzeit kein Thema. „Herr Eckert hat deutlich gemacht, dass es wichtig ist, dass die Mannschaft so erhalten bleibt, wie sie ist“, berichtet die Betriebsratschefin.



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