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Mitarbeiterinnen der Arbeitsloseninitiative Bad Münder verhelfen Menschen zu neuem Selbstwertgefühl

Gegen das Versumpfen

Bad Münder. Die sogenannten Ein-Euro-Jobs sind seit ihrer Einführung stark in die Kritik geraten. Zu Unrecht, sagen Hildegard Wüstefeld, Ines Rasch und Susanne Lührs von der Arbeitsloseninitiative Bad Münder (AIBM). Sie unterstützen Langzeitarbeitslose und sehen dabei die positiven Auswirkungen der Arbeitsgelegenheiten auf die Betroffenen.

veröffentlicht am 13.06.2015 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 25.10.2016 um 09:28 Uhr

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Autor:

MIra Colic
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Im vergangenen Jahr hatte die AIBM 104 Teilnehmer in dieser Maßnahme, die Wüstefeld als „sinnstiftend und gesundheitsfördernd“ bezeichnet. Bei den Menschen, die vom Jobcenter an die Sozialberatung des Diakonischen Beratungszentrums an der Angerstraße geschickt werden, habe der Wiedereinstieg in den ersten Arbeitsmarkt nicht oberste Priorität, sagt Sozialpädagogin Rasch. Sie spricht von einem „Umdenken“ beim Jobcenter – mit ein Grund, warum vor zwei Jahren Wüstefeld für die psychosoziale Beratung eingestellt wurde. Davor saßen Integrationsberater an diesem Platz. „Solange die Probleme wie Schulden, Sucht oder auch schwere Trennungen nicht gelöst sind, bringt es nichts, den Menschen auf Teufel komm raus zu vermitteln“, so Rasch.

„Dabei stelle ich jedoch immer wieder fest, dass wir viele Menschen haben, die sofort vermittelbar wären“, ergänzt Lührs, Leiterin des Beschäftigungsprojekts Möbellager/ Grünpflege an der Rahlmühler Straße. Sie appelliert an die Arbeitgeber, die Mitarbeiter für praktische oder handwerkliche Tätigkeiten suchen, sich an die Beratungsstelle zu wenden.

Momentan sind 16 Langzeitarbeitslose in Arbeitsgelegenheiten beschäftigt – nicht nur in Bad Münder, sondern auch in Coppenbrügge, Salzhemmendorf und Hessisch Oldendorf. „Den typischen Langzeitarbeitslosen gibt es nicht“, betont Rasch. So gebe es Betroffene mit einem Schulabschluss, aber ohne Ausbildung, die frustriert sind, weil sie bereits eine Maßnahmenkarriere hinter sich haben. Auch ein fehlender Führerschein oder mangelnde Sprachkenntnisse seien häufig Ursache dafür, keine Stelle zu finden.

Manchen fehle auch einfach das berufliche Selbstbewusstsein. „Durch die Bank weg sind alle, die zu uns kommen, froh, dass sie nicht gleich zehn Bewerbungen abschicken müssen“, erzählt Wüstefeld, „denn es geht an die Substanz, immer abgelehnt zu werden.“

Außerdem sei zu beobachten, dass viele Langzeitarbeitslose ihre Gesundheit vernachlässigten und sich die Konsumgewohnheiten – Zigaretten und Alkohol – verstärkten. Dort anzusetzen sei eine ihrer Aufgaben. Und auch dort habe eine Arbeitsgelegenheit positiven Einfluss auf die Menschen. Ein Teilnehmer habe es einmal so ausgedrückt: „Ich brauche das, damit ich abends nicht so versumpfe.“

„Es geht dabei nicht nur um einen strukturierten Tagesablauf, sondern auch um das Miteinander mit den Kollegen“, weiß Lührs, „sie werden dort integriert und das hebt natürlich das Selbstwertgefühl.“



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