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Ein Abend mit den Musikschul-Dozenten – und einem resignierten Johannes Brahms

„Es hat mich keine haben wollen“

Bad Münder. Musikpädagogen freuen sich über die Abwechslung: Statt den Nachwuchs zu unterrichten, können sie auch einem erwachsenen Publikum Proben ihres Könnens bieten. Und auch beim Publikum erfreuen sich die Dozentenkonzerte der Jugendmusikschule Bad Münder wachsender Beliebtheit.

veröffentlicht am 27.11.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 25.10.2016 um 10:36 Uhr

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Autor:

VON REINHOLD LINNEWEBER
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Bei der jüngsten Auflage zeigten die Lehrer eindrucksvoll, dass ihr Können weit über das für ihre Tätigkeit erforderliche Maß hinausreicht. Das Konzert begann mit Ausschnitten zweier Trio-Sonaten: Zu beginn gab es das Vivace der c-Moll Sonate für Querflöte, Violoncello und Klavier von Georg Philipp Telemann.

Mit dabei war Franziska Müller an der Querflöte – noch Schülerin, aber sehr begabt und in ihrem Spiel bereits weit entwickelt. Trio-Sonaten sind durch ihren asymmetrischen Aufbau gleichermaßen anspruchsvoll – sowohl für den Komponisten als auch für das Zusammenspiel der Interpreten. Es folgte das „Premier Trio en Sol“ für Violine, Violoncello und Klavier von Claude Debussy mit seinem abwechslungsreichen ersten Satz.

Wer gähnt denn

da bei Liebe, Lust und Schmerz?

Direkt nach der Ankündigung des nächsten Programmpunkts durch Schulleiter Tobias Kokkelink, „drei Lieder zum Generalthema Liebe, Lust und Schmerz“, war aus dem andächtig lauschenden Publikum ein lautstarkes Gähnen aus einem Kindermund zu vernehmen. Die folgende allgemeine Heiterkeit nutzte Kokkelink souverän und kürzte seine einleitenden Worte ab – denn wer sich bei diesem Thema nicht vorsieht, den führen seine Gedanken bisweilen ins Weite.

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Mezzosopran Mareike Kokkelink sang mit Klavierbegleitung Lieder über die Liebe – heiter, wie erwartet, von Mozart, düster und voller Trauer von Enrice Granados und sehnsuchtsvoll-schwärmerisch von Johannes Brahms. Zitat: „Eisen und Stahl, sie können zergehn, unsere Liebe muss ewig bestehn!“ Also eine Vorform von „Marmor, Stein und Eisen bricht...“.

Der wissende Musikfreund aber wundert sich – denn Brahms war nie verheiratet. Als er in späten Jahren einmal nach den Gründen gefragt wurde, gab er zur Antwort: „Es hat mich eben keine haben wollen, und wenn heute doch noch eine käme, so würde ich sie schon deshalb nicht nehmen, weil sie so einen schlechten Geschmack hat.“ Nach der Pause folgten zwei weitere wunderbare Höhepunkte des Abends. Harfenistin Linda Frank entlockte ihrem festlichen Instrument himmlische Klänge. Die Jugendmusikschule ist besonders stolz darauf, nun auch Harfenunterricht anbieten zu können.

„Version 3.1“ nannte sich die Improvisation, die anschließend von Monika Herrmann, Violoncello, und Thomas Klawier, Percussion, vorgetragen wurde. Einmalig, nicht durch Noten fixiert, sondern durch Blicke, Kopfnicken und kaum erkennbare Gesten weiterentwickelt, wechselten anrührend schlichte, exotische, harmonische, atonale und performance-ähnliche Klangwelten einander ab. Das Konzert endete mit der Sonate op. 27 Nr. 1, Es-Dur von Ludwig van Beethoven, meisterlich gespielt von Mareike Kokkelink.

Lieferte himmlische Klänge beim Dozenten-Konzert der Jugendmusikschule: Linda Frank an der Harfe.rli



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