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Hanjörg Severit arbeitet in Büchern seine Zeit als Pädagoge auf – und geht bis in die eigene Kindheit zurück

Erlebnisse eines Dorfschullehrers

BEBER. Hanjörg Severit war Vollblutlehrer. „Ich weiß nicht, warum die mich in Pension geschickt haben. Ich hätte gerne noch weitergemacht“, bekennt der „Hanni“ gerufene freundliche ältere Herr. 1960 begann er nach der Ausbildung an der pädagogischen Hochschule in Hannover seine Lehrerlaufbahn in Mariensee, Kreis Neustadt.

veröffentlicht am 02.08.2018 um 06:00 Uhr

„An den Schuljahren entlanggehangelt“ heißt das jüngste Buch des ehemaligen Dorfschullehrers Hanjörg Severit. Fotos: hzs

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Christoph Huppert Reporter
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„Von 1967 bis zur Kreisreform war ich dann Leiter der Grundschule in Beber, dann kam ich als normaler Lehrer an die Schule in Bakede.“

Severit, 1936 in Kassel zur Welt gekommen, ist immer mit Herz und Seele Dorfschullehrer geblieben. Aus einem kleinen Schränkchen fördert er zahlreiche dickleibige Bücher im DIN-A-4-Format zutage. „Von wegen nur eines“, schmunzelt er. „Bislang sind es sieben“ und knallt die Bände mit den farbigen Bildern auf den Einbänden auf den Wohnzimmertisch.

„Meine Frau hat gesagt, dass ich doch alles mal aufschreiben solle und ich habe gesagt, dass ich das mal eben in den Herbstferien mache. Das war der Anfang“, erinnert sich Severit.

Künstlerin Simone Wolff hat Severits Bücher illustriert – auch weniger erfreuliche Erinnerungen spart der Autor nicht aus.
  • Künstlerin Simone Wolff hat Severits Bücher illustriert – auch weniger erfreuliche Erinnerungen spart der Autor nicht aus.

Eine schier unerschöpfliche Anekdotenfülle erwartet die Leser. Kriegs- und Nachkriegszeit spart der Autor, dessen Vater SS-Sturmbannführer in Kassel und später Gestapochef in Dortmund war, keineswegs aus. In „Vati hat ´nen Aal geklaut“ und „Tante Gärtner, kochst Du mir ein Ei …“ lässt Severit, der nach der Zerstörung der Edertalsperre als Flüchtling nach Linderte kam, diese Abschnitte seines Lebens nicht ohne ein Augenzwinkern Revue passieren. Der Tod des Vaters, der im Krieg blieb, und die Wiederheirat der Mutter deuten auch Ernstes an. „Du sagst Vati, oder …“ lautet der Titel des dritten Bandes. „Oder Du zahlst zehn Pfennig von deinem Taschengeld“, ergänzt Severit. „Mein Bruder war schon am ersten Tag pleite.“

In seinem jüngsten Band „An den Schuljahren entlang gehangelt. Erlebt von einem Dorfschullehrer. Ankedoten, Neckdoten und Aneck-doten“ fasst Severit sein Lehrerleben zusammen. „Da liegt Ärger in der Luft“, grinst er, denn in das Buch strotzt nur so von Erlebnissen mit Kollegen, Eltern, Schülern und vor allem Schulräten.

223 Kapitel hat der Viel- und Gerneschreiber, der auch schon mal einen aufmüpfigen Schüler in den Allerwertesten trat, zusammengetragen. Die heißen etwa „Heiner im Storchennest“, „Immer die Klasse des Rektors!“, „Lernen? Fehlanzeige“ oder Johannes, der Feindenker“.

„Wir waren damals die einzige Familie, die einen Fotoapparat hatte und deshalb gibt es hunderte von Fotos, die ich abgedruckt habe“, berichtet Severit. Die Künstlerin Simone Wolff hat das Erlebte zudem mit über 50 Karikaturen illustriert.

Hanjörg Severit ist dabei sich sein Leben von der Seele zu schreiben und hat seine Ruhe gefunden. Zusammen mit seinem ältesten Sohn Sven und seiner langjährigen Lebensgefährtin Birgit bewohnt er ein kleines Haus mit riesigem Garten in Bebers Oberdorf. Und pflegt und erweitert seinen Anekodenschatz tagtäglich. „Denn es gibt noch viel zu erzählen: von Klassenfahrten oder den Löchern im Eisernen Vorhang, von Schulsporterlebnissen oder einfach nur Kurioses, Dubioses und Sinnloses“, kündigt Hanjörg Severit an. Drei Bücher sollen noch folgen. Mindestens.



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