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Nabu-Projekt bei Eimbeckhausen wird von Bingo-Umweltstiftung gefördert

Eine Obstwiese als genetische Fundgrube

veröffentlicht am 28.07.2018 um 06:00 Uhr

Rund 65 alte Apfelbäume stehen auf der Streuobstwiese von Nabu und Heimatbund. Tade Becker freut sich über die Förderung durch die Umweltstiftung. Fotos: jhr
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Jens Rathmann Redakteur zur Autorenseite
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EIMBECKHAUSEN. Knochentrocken ist es, selbst auf einer Wiese mit vielen schattenspendenden Bäumen. So trocken, dass Jens Becker sogar überlegt, einzelnen Bäumen gezielt Wasser zukommen zu lassen. Nicht, weil er sie vor dem Vertrocknen retten muss, sondern weil bei extremer Trockenheit die Früchte abgeworfen werden, noch bevor sie bestimmbar sind. Doch genau das ist die Aufgabe, die sich Becker und seine Mitstreiter vom Nabu Bad Münder gestellt haben, und das wollen sie lieber in diesem als im nächsten Jahr in Angriff nehmen.

Unterstützt werden sie dabei von der Niedersächsischen Bingo-Umweltstiftung, die dem „Projekt zur Erhaltung und Vermehrung regionaler Obstbaumsorten und deren genetische Variation“ gerade eine Förderzusage über 7000 Euro gemacht hat. Eine Summe, die der Nabu sehr gut gebrauchen kann, wie Becker deutlich macht: „Kein Geheimnis: Unser Geld ist in den Aufbau der Streuobstwiese an der Süntelstraße und in den Erwerb dieser alten Streuobstwiese hier geflossen.“ Die alte Streuobstwiese „An der kleinen Söhre“ bei Eimbeckhausen im vergangenen Herbst kaufen zu können – gemeinsam mit dem Heimatbund – sei für den Nabu ein Glücksfall gewesen, sagt Becker. Denn: Auf der Wiese stand viele Jahre die Zeit still. Während andernorts Bäume gefällt wurden, blieben sie dort erhalten.

Zur Hälfte wurden sie um 1900, zur anderen Hälfte unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg gepflanzt. „Aufgrund dieses Alters hat die Wiese eine besonders große ökologische Wertigkeit. Streuobstwiesen dieses Alters sind in Niederachsen nur noch äußerst selten zu finden“, erklärt Becker, der sich als stellvertretender Vorsitzender des Nabu Bad Münder intensiv mit der Materie beschäftigt.

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Das Vorhaben, dem sich die Nabu-Mitglieder verschrieben haben, ist engagiert: Sie wollen die alten Sorten und deren genetische Varianz dauerhaft erhalten. Dazu sind bereits Edelreiser geschnitten und einer Baumschule in Eldagsen zur Veredlung übergeben worden. Dadurch sollen die alten Sorten für die Nachwelt erhalten bleiben. „Das Problem, vor dem wir stehen, ist dass in den 1960er- und 1970er-Jahren ein Großteil der Streuobstwiesen umgemacht wurde. Damit sind auch viele alte Sorten und damit auch die genetische Bandbreite und Vielfalt verloren gegangen“, sagt Becker. Und er weiß: „Die Apfelsorten, die heute auf dem Markt sind, gehen auf sehr wenige Ausgangssorten zurück, basieren auf fünf Ursprungsarten.“

Die Sorten Jonathan, Cox Orange, Golden Delicious und Red Delicious und James Grieve bilden die Basis all dessen, was heute im Supermarkt gekauft werden kann. „Durch das Kreuzen ist die genetische Breite dieser Sorten aber immer kleiner geworden. Und je kleiner die genetische Vielfalt, desto größer ist auch die Anfälligkeit“, sagt Becker.

Sommertemperaturen wie die der aktuellen Hitzeperiode können, so der Nabu-Vize, vielleicht schon in zehn Jahren eher Regel als Ausnahme sein. Nicht nur im Getreideanbau werde der Schädlingsdruck ein anderer werden, auch im Obstbau werden sich die Erzeuger umstellen müssen. Erste Ansätze seien bereits unternommen worden, so werde seit geraumer Zeit die Sorte Edelborsdorfer wieder eingekreuzt, ein Apfel, der sich dadurch auszeichne, nur eine sehr geringe Schorfanfälligkeit zu haben. „Der Erwerbsgartenbau hat heute zehn bis zwanzig Sorten. Vor hundert Jahren soll es in Deutschland noch mehr als tausend Sorten gegeben haben“, so Becker. Wenn es nicht Initiativen gäbe, die sich um den Erhalt alter Sorten kümmere, wären diese früher oder später weg, die genetischen Eigenschaften seien dann nicht mehr leicht zu reproduzieren.

Parallel zu der Entnahme von Reisern wird die Bestimmung der unbekannten Sorten auf der Streuobstwiese den Nabu beschäftigen. Dazu hat sich Becker der Unterstützung durch Hans-Joachim Bannier versichert, der als einer der profundesten Obstsortenkenner Deutschlands gilt. Der Pomologe arbeitet eng mit dem Institut für Obstforschung in Dresden-Pillnitz zusammen. Für die sichere Bestimmung sind allerdings ausgereifte Früchte notwendig. „Die Bäume tragen sehr gut“, sagt Becker – allerdings hofft er nun, nicht durch extreme Trockenheit um ein Jahr zurückgeworfen zu werden.



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