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Kooperative Gesamtschule erhält Titel / Selbstverpflichtung für Gegenwart und Zukunft

Ein vielstimmiges Nein zum Rassismus

Bad Münder. Parolen, Hakenkreuze, SS-Runen – als die Schüler und Lehrer der Kooperativen Gesamtschule (KGS) Bad Münder am 9. Juli vergangenen Jahres zum Unterricht kamen, war ihre Schule beschmiert worden. Mit bunter Kreide setzten sie daraufhin ein Zeichen gegen rechtes Gedankengut, gegen Rassismus. Jetzt ist die KGS auch offiziell als „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ anerkannt, Kultusministerin Frauke Heiligenstadt ließ zur Titelverleihung durch Peter Kaufmann Grüße übermitteln.

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Jens Rathmann Redakteur zur Autorenseite
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Zur Verleihung des Titels waren Vertreter aller Klassen in das Forum der KGS gekommen, außerdem Eltern- und Lehrervertreter, die Ratsvorsitzende Dagmar Niemeier und der stellvertretende Bürgermeister Uwe-Peter Keil sowie Kreis-Schulamtsleiter Michael Dittrich. Ebenfalls dabei: Der Pate der KGS im Anti-Rassismus-Projekt, der Rapper und Coach Martin Rietsch. Der sorgte auch gleich für das Unterhaltungsprogramm und stellte seinen Song „Rettungsboot“ vor – das gemeinsame Mitklatschen wurde zur Lockerungsübung vor dem offiziellen Teil. In dem verwies Kaufmann auf die Anfänge des Projektes. Die reichen in eine Zeit zurück, in der die heutigen KGS-Schüler noch nicht geboren waren: Rassistisch motivierte Übergriffe auf Wohnheime in Hoyerswerda, der Brandanschlag von Mölln Anfang der 1990er Jahre – in der Folge setzte eine intensive Beschäftigung mit dem Thema Rassismus in Deutschland ein.

Dass das Thema nach wie vor aktuell ist, zeigten die jüngsten Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte. Kaufmann skizzierte den schmalen Grad, der oftmals zwischen Mobbing und offenem Rassismus liege. „Die Geschichte bietet dazu viele Beispiele, aber wir müssen uns nur in der Gegenwart umsehen, erklärte er. Wie die KGS haben sich inzwischen viele Schulen in Deutschland dazu entschlossen, das Nein zum Rassismus aktiv durch die Beteiligung am Projekt zu unterstützen. 1,5 Millionen Schüler hätten inzwischen die geforderte Erklärung unterzeichnet, allein in Niedersachsen beteiligen sich neben der KGS 230 weitere Schulen. Das Projekt ist bundesweit angelegt, in Niedersachsen wird es von der beim Kultusministerium angesiedelten Koordinierungsstelle begleitet.

Schulleiterin Malihe Papastefanou hatte zuvor auch den zweiten Teil des Titels beleuchtet. „Schule mit Courage“ lautet der, und oftmals sei es ungleich schwerer, das lähmende Gefühl der Angst zu besiegen. „Wir sollten viel größere Angst vor einer Welt ohne Courage haben als vor der Courage selbst“, machte sie deutlich.

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„Wir wollen uns nicht auf dem bislang erreichten ausruhen“, skizzierte Beratungslehrerin Martina Dahmann die Fortschreibung der Arbeit gegen Rassismus und für Courage an der KGS.

Gemeinsam mit Claudia Sievers und Maike Behrens leitet sie die Projekte, und die Spannweite ist groß: Rund 20 Lehrer engagieren sich derzeit in ihrer Freizeit in Deutschkursen für Flüchtlinge, im Unterricht wie in Projektwochen und Arbeitsgemeinschaften wird das Thema nach wie vor einen festen Platz haben. „Für uns ist diese Auszeichnung kein Preis im herkömmlichen Sinn – für uns ist es eine Selbstverpflichtung für die Gegenwart und für die Zukunft. Wir sagen ganz deutlich: Wir übernehmen Verantwortung für das Klima hier an unserer Schule, indem wir uns weiterhin gegen Rassismus, gegen Gewalt, gegen Mobbing jeder Art einsetzen“, stellte Dahmann unter dem Beifall der Schüler heraus.

Schulpate Martin Rietsch sorgt für Stimmung bei der Verleihung des Titels „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“. Foto li.: Dr. Peter Kaufmann (M.) überreicht Lehrern und Schülern Urkunde und Tafel. Foto: jhr

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