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Nettelrede bekommt neue Wasserleitungen – doch der Unmut wächst

Ein Dorf als Baustelle

Nettelrede. Die Stimmung kippt. Wo vor Jahresfrist noch Freude über die Ankündigung der Purena, die Wasserleitungen im Ort großflächig zu erneuern und so die Gefahr andauernder Unterbrechungen in der Wasserversorgung zu minimieren, vorherrschte, überwiegt jetzt Ärger. Nettelrede kämpft mit aufgerissenen Straßen und den damit verbundenen Problemen.

veröffentlicht am 28.10.2015 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 12.01.2017 um 22:16 Uhr

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Jens Rathmann Redakteur zur Autorenseite
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„Früher hatten wir kaputte Straßen. Jetzt haben wir keine mehr, die den Namen noch verdienen“, sagt Ortsbürgermeister Gerd Ahrens. Wenn er im Ort unterwegs ist, hat er fast immer eine Kamera dabei – weil es fast immer einen neuen Missstand gebe, der dokumentiert werden müsse. Die Bilder schickt er dann zumeist an die Stadtverwaltung. Dort koordiniert Fachdienstleister Uwe Hünefeld den städtischen Part der Arbeiten. Die sollten eigentlich schon im Sommer abgeschlossen sein, erinnert sich Ahrens. „Die Situation ist inzwischen ein echtes Ärgernis. Das Verständnis bei den Leuten ist weg“, sagt der Ortsbürgermeister. Ein Satz, den Marlies Borcherding, Anwohnerin der August-Katz-Straße, sofort unterschreibt. „Tiefe Pfützen, permanent dieser Dreck. Überall Löcher und Kanten, ich gehe im Dunkeln schon nicht mehr aus dem Haus. Es reicht“, sagt sie. Und auch Bernd Petermann, der nur ein paar Häuser entfernt wohnt, hat die Nase von den Dauerbaustellen im Ort voll. „Erst kürzlich war die Straße vor der Winterkirche plötzlich ohne Ankündigung aufgerissen. Hätten wir zu dem Zeitpunkt eine Beisetzung gehabt – wir hätten den Sarg nicht zum Friedhof bekommen.“

Warum die Arbeiten deutlich langsamer als ursprünglich geplant vorangehen, begründet Olaf Cassens vom Wasserversorger Purena: Immer wieder seien die Mitarbeiter der ausführenden Firma auf Fels im Untergrund gestoßen – in diesem Ausmaß seien Probleme im Boden nicht erwartet worden. Auch habe sich gezeigt, dass trotz des milden Winters und der dadurch sehr langen Bausaison sehr viele Firmen ausgelastet seien. „Niedrige Zinsen sorgen für Hochkonjunktur in der Baubranche“, sagt er – und lässt auch durchblicken, dass die Purena mit den ursprünglich eingeplanten 850 000 Euro für die Erneuerung der 2,1 Kilometer langen Wasserleitung nicht hinkommen wird. Er wirbt um Verständnis für die Verzögerung: „Nettelredes Straßen waren vorher ein Flickenteppich. Jetzt gibt es die Gelegenheit, das ordentlich zu machen.“ Ordentliche Straßen will auch Hünefeld in Nettelrede sehen, und das möglichst bald.

Geprüft wird in seinem Fachdienst derzeit, ob eine Splittung der Aufträge für die Erneuerung der Straßen Vorteile bringt. Gegenüber der ursprünglichen Planung muss sich die Stadt auch mit veränderten Preisen für die Abfuhr belasteten Materials in den vorhandenen Straßen beschäftigen. „Dramatisch“ sei die Preisentwicklung, sodass die Stadt gut beraten sei, die ursprünglich vorgesehenen Ausschreibungen noch einmal zu überarbeiten. Insbesondere Teer und Asbest schaffen Probleme. Trotz der Probleme ist sich Hünefeld sicher, dass der Ort am Ende gewonnen haben wird. Er macht deutlich, dass die Purena in Nettelrede ein „gewaltiges Projekt“ stemme.

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  • Mal mehr, mal weniger freundlich – das Miteinander von Bauarbeitern und Anwohnern in Nettelrede. Vielen Einwohnern sind die Belastungen durch aufgerissene Straßen inzwischen zu viel. jhr

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