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Kita-Erzieher im Streik: Notgruppen federn die Belastungen für Eltern ab

Die Erwartungen sind hoch – die Anerkennung nicht

Flegessen. „Wir streiken. Der Kiga bleibt geschlossen“ – das Schild am Eingang der Kindertagesstätte in Flegessen ist deutlich. Wer klingelt, wird dennoch eingelassen: Gunda Warrelmann öffnet die Tür. Um sie herum munteres Kindergeplapper. In der „Notgruppe“, die die Stadt in der Kita eingerichtet hat, deren Eltern keine andere Betreuungsmöglichkeit haben, sieht so gar nichts nach Notfall aus. Gemeinsam wird gebastelt, gefrühstückt, an der frischen Luft gespielt. Auf den ersten Blick Alltag, wenn nicht Warrelmann nur mit einer weiteren Kollegin für die Kinder zuständig wäre. Die meisten Mitarbeiterinnen der Kita, auch die Leiterinnen, sind im Streik. Und Warrelmann kann ihre Motive sehr gut verstehen: Es geht um Anerkennung ihrer Tätigkeit, bessere Arbeitsbedingungen und auch um mehr Geld.

veröffentlicht am 19.05.2015 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 25.10.2016 um 10:18 Uhr

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Der Beruf und die Rahmenbedingungen hätten sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert, stellt sie heraus. Kinder im Alter von einem Jahr werden inzwischen betreut – mit ganz anderen Anforderungen an die Erzieher, insbesondere in einem Kindergarten mit integrativem Ansatz. Individuell werde auf jedes Kind eingegangen, Abstimmungen mit Eltern, Kollegen, Logopäden, Ergotherapeuten, Physiotherapeuten seien notwendig. Erzieher sind heute für Sprachförderung zuständig und sollen generell helfen, Migrantenkinder und deren Eltern besser zu integrieren. Sie sollen häusliche Gewalt und Missbrauch frühzeitig erkennen und Gegenmaßnahmen einleiten, sie müssen die Entwicklung jedes Kindes genau dokumentieren. „Früher war eine Grundregel für die Aufnahme in die Kita, dass das Kind trocken sein musste. Heute wechseln wir noch zusätzlich zu allen anderen Aufgaben am laufenden Band Windeln“, sagt Heilerziehungspflegerin Warrelmann. Sie liebt ihren Beruf, daran lässt sie keinen Zweifel – aber die Selbstverständlichkeit, mit der dem Einsatz der Erzieher oftmals begegnet werde, ärgere sie.

14 Kinder waren gestern für die Betreuung angemeldet, ein Kind wegen Krankheit wieder abgemeldet. Neun erschienen – warum die anderen Eltern ihre Kinder nicht zumindest abmeldeten, ist Warrelmann ein Rätsel, aber auch ein deutliches Zeichen für die Wertschätzung, die der Arbeit der Erzieher entgegengebracht wird. „Wenn sich nichts verändert, dann werde ich auch streiken“, macht sie deutlich.jhr



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