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Gastspiel der Schaumburger Bühne im Theatersaal am Wall

Der Tatortreiniger putzt in Bad Münder

BAD MÜNDER. Für viele Fernsehzuschauer sind sie Kult: die Geschichten um „Schotty“, den Tatortreiniger. Der putzt nicht nur die Hinterlassenschaften von Mord und Totschlag weg, sondern sinniert zugleich über die Probleme von Zeit und Zeitgenossen. Die mit dem renommierten Grimme-Preis ausgezeichnete NDR-Reihe hatte die Schaumburger Bühne vor vier Jahren für ihr Sommerprojekt ausgewählt.

veröffentlicht am 15.06.2018 um 06:00 Uhr

Oliver Beckers als Schotty und Kristina Mantel als Pia sinieren über eine Scheinehe – und zwischendurch macht der Tatortreiniger das, was ein Tatortreiniger macht: er putzt. Fotos: Huppert

Autor

Christoph Huppert Reporter
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„Wir sind die ersten gewesen, die diese Serie als Welt- und Deutschlandpremiere auf der Theaterbühne spielen durften“, erzählt Oliver Beckers, der erste Vorsitzende der in Obernkirchen beheimateten Bühne. Auf Einladung der Deister-Süntel-Bühne war die Truppe jetzt in Bad Münder zu Gast.

„Uns gibt es seit 35 Jahren und wir bespielen das Schaumburger Land“, so Beckers. Zwischen elf und 17 Mitgliedern umfasse das Ensemble. „Meist Frauen“, beklagt Beckers, denn wie auch bei anderen Bühnen im Amateurbereich sind Männer Mangelware.

„Die Texte vom Tatortreiniger haben wir abgehört, aufgeschrieben und den Bühnenbedingungen leicht angepasst“, erklärt Beckers. Herausgekommen sind dabei drei neue Geschichten, die die rund 60 Zuschauer im gut besuchten Theatersaal am Wall ausnahmslos erfreuten. Da traf Schotty in der Episode „Özgur“ in einer abgelegenen Pension auf die hochschwangere Silke und es entspann sich eine von Wehen durchzogene Diskussion um Namen, Vorurteile und die großen und kleinen Hürden, die damit für ein heranwachsendes Kind verbunden sind. In „Ja, ich will“ drehte sich dann alles um die Scheinehe einer lesbischen Afrikanerin, die dadurch Gewalt und Ermordung in ihrer Heimat entgehen will. Eher heiter dagegen das letzte Stück, in dem Schotty im Haus eines ermordeten Psychotherapeuten dessen Geist erscheint und bei einem zufälligen Besuch einer seiner Klientinnen sich eine Diskussion um vorurteilsbehaftete männliche Frauenbilder entwickelt.

Was die Schauspieler, allen voran Oliver Beckers als Schotty, qualitativ auf die Bühne brachten, das hatte ein weit mehr als nur amateurhaftes Niveau. Ausdrucksstark vor allem Anna Schönbeck als „Silke“, die Rolle der Schwangeren höchst eindrucksvoll auf die Bühne brachte. Aber auch Christina Herold als stark übergewichtige „Rebecca“ und Regisseur Peter Reinhold als Geist des Dr. Falkenbach zeigte überdurchschnittliche Leistungen. Am Ende gab es wohlverdienten, lang anhaltenden Applaus für einen rundum gelungenen, heiter-besinnlichen Theaterabend.



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