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Der 24-jährige Armin Kreusel aus Hachmühlen ist unter den Top 20 der deutschen Vogelbeobachter

Beringen mit Leidenschaft

HACHMÜHLEN. Armin Kreusel ist erst 24, dennoch kann er einen Lebenslauf vorweisen, der von den meisten seiner Altersgenossen erheblich abweicht: Er ist begeisterter Vogelbeobachter – und macht sein Hobby zum Beruf.
„Ich bin zu gerne draußen und allein unterwegs“, erklärt der frisch geprüfte Bachelor of Science der Universität Trier seine Leidenschaft für die Natur.

veröffentlicht am 26.07.2018 um 06:00 Uhr

Armin Kreusel zeigt einen von drei jungen Uhus, die er 2017 im Hildesheimer Dom beringte, sowie ein junges Sperberweibchen (li.) und einen Eichelhäher (re.). Fotos: Kreusel

Autor

Gerhard Honig Reporter
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Das fing schon in früher Jugend an, nachdem er durch ein Vogelbuch neugierig wurde und sich bei ihm die Beobachtung der Wildvögel zu einem „unheilbaren Hobby“ auswuchs. Die Familie unterstützte diese Passion: Künftige Weihnachts- oder Geburtstagsgeschenke bestanden für Armin neben einschlägiger Literatur aus erstklassigen Ferngläsern, einem Spektiv mit 40facher Vergrößerung sowie einer Kamera mit Teleobjektiv. So streifte der Junge mit bester Ausrüstung durch Wald und Feld im gesamten Landkreis, immer auf der Suche nach Neuem zur Bereicherung des Wissens um die natürlichen Abläufe, soweit Dienst oder Einsätze bei der Freiwilligen Feuerwehr ihm noch Zeit ließen.

Nachdem Kreusel sein Abiturzeugnis vom Springer Otto-Hahn-Gymnasium in der Tasche hatte, verbrachte er – wenig überraschend – sein Freiwilliges Ökologisches Jahr (2012 bis 2013) auf Helgoland, jener Inselstation der Vogelwarte Wilhelmshaven. Hier gab es jede Menge zu tun, gilt doch der Felsen in der Nordsee als Rastplatz für viele Zugvogelarten und als „Hotspot für Vogelbeobachter schlechthin“, wie der Vogelfreund klar macht.

Im Fanggarten des Instituts auf dem Oberland lernte Kreusel das Fangen in der „Helgoländer Reuse“, das Beringen der Vögel, das Bestimmen der Arten und die Dokumentation jedes Vogels über sein Alter, das Geschlecht, seine Fitness, seine Herkunft. „Es besteht ein Meldeportal des Dachverbands Deutscher Avifaunisten (DDA) für Wildvögel mit einer Datenbank, worin sämtliche Ergebnisse gesammelt werden und dann Auskunft geben können über die Bestandshöhe, Bruterfolge, Erkenntnisse zur Erforschung noch unbekannter Zugwege und vieles mehr“, erklärt der Ornithologe seine Arbeit mit den vielen Facetten. Er weist außerdem darauf hin, dass auch jeder Bürger einschlägige Beobachtungen auf dem DDA-Meldeportal www.ornitho.de eingeben kann.

Da Kreusel seit 2013 als „Beringer der Vogelwarte Helgoland“ gilt, setzte er auch im elterlichen Garten am Katzbergweg in Hachmühlen seine Forschungsarbeit fort – allein in diesem Jahr hat er dort bereits mehr als tausend Vögel in seinem „Japannetz“ – spezielle Netze, die für den wissenschaftlichen Fang von Vögeln genutzt werden – gefangen, beringt und wieder in die Freiheit entlassen. Erstaunlich selbst für ihn: „Unter den tausend Gefiederten befanden sich 715 Erlenzeisige, weitere vier hatten bereits Ringe, woran ich sehen konnte, dass zwei aus Belgien, einer aus Finnland und einer aus Horumersiel kamen.“ Einer der von ihm beringten Erlenzeisige wurde später als Totfund aus Burgdorf gemeldet.

Wie nebenbei berichtet Kreusel, dass er sich mit 421 in Deutschland beobachteten Wildvogelarten im Ranking des renommierten „Club300“, einer Vereinigung passionierter Vogelbeobachter, mittlerweile unter den deutschen „Top 20“ befindet.

Wenn auch seine Passion ihn zu Studienreisen nach Israel und Aserbaidschan mit einmaligen Vogelsichtungen führte, verliert er seinen weiteren beruflichen Werdegang nicht aus den Augen: Er möchte weitermachen an der Uni Hildesheim und dort seinen Mastergrad erwerben im Studiengang Umwelt, Naturschutz und Nachhaltigkeitsbildung. Nur die Passion der Beobachtung all dessen, was „kreucht und fleucht“, die wird ihm immer treu bleiben, ist sich Kreusel sicher – auch wenn ihn später sein Job an den Schreibtisch fesseln sollte.



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