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So geht Willkommenskultur: In Bad Münder leisten engagierte Bürger Hilfe von Mensch zu Mensch

16 Integrationslotsen einsatzbereit

Bad Münder. Sann Alali und ihre Schwester Mariecan Mohamed-Said sprühen nur so vor Engagement. Seit 1998 leben die beiden 28- und 21-Jährigen in Bad Münder. „Wir stammen aus Syrien und kommen aus einer 13-köpfigen Familie“, erklärt Mariecan. Die beiden Frauen haben soeben aus den Händen von Bürgermeister Hartmut Büttner ihre Ernennungsurkunden zu zertifizierten Integrationslotsen erhalten. Zusammen mit 14 anderen ehrenamtlichen Helfern haben sie sich in 14 Ausbildungsabschnitten viele Bereiche rund ums Thema „Migration und Integration“ erarbeitet.

veröffentlicht am 19.12.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 25.10.2016 um 10:32 Uhr

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Autor:

Christoph Huppert
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In Kooperation mit der Volkshochschule Hameln-Pyrmont und finanziell gefördert durch die mündersche Tafel hat Kursleiterin Suna Bares mit den Teilnehmern viele Aspekte des Themas „Integration von Flüchtlingen“ erarbeitet. „Das reichte von der Vorstellung des Integrationsbeauftragten des Landkreises über die gesetzlichen Grundlagen bis hin zu Fragen der gesellschaftlichen Auswirkungen der Migration und der geplanten Gründung eines Welcome-Cafés“, berichtet die gelernte Diplom-Sozialwirtin. Zum Einsatz kamen dabei zahlreiche Experten wie etwa Vertreter der Awo Hameln, des Landkreises, des Präventionsrates oder des Paritätischen Wohlfahrtsverbands.

Vorfreude und jede Menge Tatendrang sind bei der Verleihung der Urkunden im Pfarrheim der katholischen Johannes-Baptist-Gemeinde zu spüren. „Wir sind startklar und brennen darauf, jetzt konkret was tun zu können“, sagt Hans-Friedrich Müller aus Egestorf. „Wir sind während der Ausbildung für diese Aufgabe beseelt worden, das war richtig toll.“ Für Edeltraut Mittelstädt ist die Tätigkeit auch ein Signal gegen wachsende Ausländerfeindlichkeit. „Wir wollen damit den Anfängen solcher Entwicklungen trotzen“, stellt sie klar. Dass die meisten Münderaner durchaus offen und hilfsbereit sind, bestätigt Erwin Schlatterer. Seit Jahren betreut er zahlreiche rumänische Familien und weiß: „Die Münderaner helfen gerne, man muss die Hilfe nur abrufen. Das war bei der Integration der Deutschrussen genauso, und Einrichtungen wie der Umsonst-Laden oder die Tafel haben sich dabei als sehr segensreich erwiesen.“ Beide Institutionen werden auch erste Anlaufstationen für die Flüchtlinge sein.

„Wir arbeiten als Integrationslotsen völlig wertfrei und überkonfessionell“, bestätigt die Hachmühler Pastorin Frauke Kesper-Weinrich und lobt vor allem die gute Vernetzung der Integrationslotsen mit anderen sozialen Einrichtungen wie der Sozialraum AG und dem Arbeitskreis gegen Ausländerfeindlichkeit. Nach einem ersten Versuch, der allerdings versandete, hatte Hermann Wessling der Idee der Etablierung von Integrationslotsen neue Impulse gegeben. Mit durchschlagendem Erfolg, denn nach der Anschubfinanzierung ist auch die laufende Tätigkeit der ehrenamtlichen Lotsen künftig finanziell abgesichert. Wessling: „Wir haben in Gesprächen mit dem Jugendamt des Landkreises erreichen können, dass die Lotsen ähnlich wie die Erziehungslotsen eine Aufwandsentschädigung bekommen.“

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Statt Hilfe „von denen da oben“ zu erwarten, gehe man bei der gesamtgesellschaftlichen Behandlung des Themas Migration in Bad Münder einen anderen Weg, meint auch die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt, Ursula Behrens. „Bei uns stehen Bürger für Bürger bereit.“ Was kann ich vor meiner Tür tun? Das sei die konkrete Frage, die man sich vor Ort stellt. „Es ist an der Zeit, sich bürgernah und direkt einzubringen“, werben Behrens und Bürgermeister Büttner für weitere Integrationslotsen.

Bad Münder habe mit dem Konzept der Integrationslotsen eine herausragende Funktion im Landkreis, bestätigt auch Suna Bares: „Der Münderaner Ansatz ist vorbildlich und wird hoffentlich viele Nachahmer finden.“ Euphorie und Aufbruchstimmung machen sich breit. Die Integrationslotsen sind für die, die kommen werden, gut gerüstet.

Der Umsonst-Laden leistet bei der Betreuung von Flüchtlingen große Unterstützung.

Foto re.: Bürgermeister Hartmut Büttner (2. v. re.) freut sich über die Integrationslotsen, denen er die Urkunden überreichen durfte.eaw



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