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Lange Detaildiskussionen um den Freibad-Neubau in Aerzen

Verschleppt Politik den Eröffnungstermin?

AERZEN. Die Aerzener Politik ergeht sich beim Thema Freibad-Neubau in langen Detaildiskussionen. So geschehen bei der letzten Sitzung des Ausschusses des Eigenbetriebs „Wasser“. Am Ende müssen sich die Kommunalpolitiker – Mehrheitsgruppe genauso wie Opposition – tatsächlich die Frage gefallen lassen, ob sie hinter dem angepeilten Eröffnungstermin stehen.

veröffentlicht am 18.01.2017 um 18:09 Uhr
aktualisiert am 07.06.2017 um 13:09 Uhr

Eiszeit im Freibad. Wäre die Entscheidung für einen neuen Beckenumlauf eher gefallen, hätten die alten Steinplatten geschreddert als Verfüllung dienen können. Foto: sbr
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Autor

Sabine Brakhan Reporterin
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Nur mit Verspätung tröpfelten die meisten Mitglieder des Ausschusses des Eigenbetriebs „Wasser“ im Flecken Aerzen in die Sitzung. Das war fast egal, denn einen Zustrom von Zuhörern hatte es trotz des brisanten Themas „Sachstand Wiederaufbau Freibad“ nicht gegeben – es wurde also kaum jemand ungeduldig. Und so wurde dann auch die Tagesordnung alles andere als flüssig abgearbeitet. Stattdessen gab es endlose Diskussionen über Kleinigkeiten und durch intensive Handynutzung abgelenkte Ausschussmitglieder. Dass sie der Sitzung nicht aufmerksam gefolgt waren, zeigte sich anschließend durch ihre Fragen: Die Antworten darauf hatte der Vortrag zuvor bereits ausführlich geboten. So uferte die Sitzung immer mehr aus – bis Bürgermeister Bernhard Wagner irgendwann die Geduld verlor und am Ende sogar einen Ratsherrn ins Wort fiel und nicht mehr ausreden ließ. Die zögerliche Entscheidungsfindung ist gerade ein Garant dafür, dass die langersehnte Freibadsaison in Aerzen tatsächlich zu Himmelfahrt beginnen kann.

Sehr intensiv wurde zum Beispiel über die Ausführung von Abflussrinnen für eine Terrasse diskutiert, die sowieso nicht genutzt werden wird, weil nicht nur bei schönem Wetter keine zusätzliche Aufsichtsperson für die nötige Sicherheit sorgen kann. Der an das Hallenbad angrenzenden Terrasse fehlt jegliche Abdichtung – und das von Beginn an. Das hat die Aufnahme des alten Belages offenbart. „Es ist erstaunlich, dass das überhaupt so lange gehalten hat und sich die Substanz noch in einem relativ guten Zustand befindet“, erklärt Diplomingenieur und Architekt Wolfgang Hein von „Vision 12“, dem mit der Planung des Wiederaufbaus beauftragten Büro. Das Flachdach müsse dringend abgedichtet werden, betonte der Fachmann. Doch selbst bei dieser substanzerhaltenden Maßnahme konnten sich die Ausschussmitglieder erst nach langer Diskussion nur zu einem Teilergebnis durchringen: Abdichtung ja, aber über den weiteren Aufbau gebe es noch Diskussionsbedarf in den Fraktionen. Während ein einfacher Kiesbelag mit Entwässerung und Fluchtweg mit rund 20 000 Euro zu Buche schlagen würde, kostet ein Aufbau mit Bohlen, abhängig von der Ausführung der Rinne für die Entwässerung in Folie oder Edelstahl, 25 000 bis 33 000 Euro.

Bei der Entscheidung über die Gestaltung des Außenbereichs des neuen Freibades nutzte der Ausschussvorsitzende Heinz-Helmuth Puls das Durcheinander nach den Wortbeiträgen. Erst auf Nachfrage wurde einigen Mitgliedern offenbar klar, für welche Kompaktlösung sie sich da gerade einstimmig ausgesprochen hatten: Der Beckenumlauf wird mit neuem Verbundpflaster gestaltet, die Abtrennung zwischen Nichtschwimmer- und Planschbeckens erfolgt mit kleinen Findlingen, und die Absperrung zwischen Gebäude und Becken bildet eine Kombination aus Sitzbänken und Pflanzkübeln. Allerdings – auch das wurde im Sachstandsbericht des Architekten deutlich – werden die Besucher in der ersten Saison des neuen Freibades auf einen Teil des grünen Außenbereichs verzichten müssen. „In der Neuanlage wird es abgesperrte Bereiche geben, die noch nicht betreten werden dürfen, damit sich eine feste Grasnarbe bilden kann“, sagte Hein. „Aber die ehemalige Liegewiese kann selbstverständlich genutzt werden.“

Diana Marx vom Eigenbetrieb Wasser des Fleckens Aerzen hat beim Freibad-Neubau viel zu bedenken. Foto: sbr
  • Diana Marx vom Eigenbetrieb Wasser des Fleckens Aerzen hat beim Freibad-Neubau viel zu bedenken. Foto: sbr

Bei der Abstimmung über den Haushaltsentwurf des Eigenbetriebs hatten die Ausschussmitglieder der Mehrheitsgruppe dann deutlich weniger Bedenken als die Opposition, unter anderem knapp 10 000 Euro für Wasserspieltiere für das Splashpad und 38 000 Euro für eine Sprunganlage in dem Zahlenwerk zu belassen. Die ursprünglich einmal für das Freibad vorgesehene Kletterwand findet sich in dem Entwurf für 2017 aus Kostengründen nicht wieder, wie Diana Marx vom Eigenbetrieb Wasser erklärte. Die zu erwartenden Gesamtkosten des Freibadneubaus werden laut Architekt je nach Ausführung der abschließenden Arbeiten entweder ein Prozent unter der Kalkulationssumme von 2,174 Millionen Euro liegen oder diese um drei Prozent übersteigen. Das letzte Wort wird die Politik haben.

Während eine Nachhilfestunde für neue Ausschussmitglieder in Form einer „Vorstellung der Organisationsform Eigenbetrieb“ im öffentlichen Teil der Sitzung Platz fand, wurde das für die Allgemeinheit wahrscheinlich interessantere Thema „Regenwassergebühr“ hinter verschlossenen Türen behandelt.

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