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Weihnachtsmarkt wird aufgebaut: Vater und Sohn Konstanski seit vier Jahren mit eigener Hütte dabei

Budenbau ist hier Chefsache

HAMELN. Es ist Bewegung in der Hamelner Fußgängerzone gekommen. Dutzende Monteure sind mit dem Aufbau des weihnachtlichen Budenzaubers beschäftigt. Holzbalken knallen auf das Pflaster, Leitern werden verschoben. Wir haben Martin Konstanski und seinen Sohn bei der Arbeit begleitet.

veröffentlicht am 21.11.2017 um 18:02 Uhr
aktualisiert am 27.11.2017 um 15:08 Uhr

Martin Konstanski (li.) baut mit seinem Sohn Gabriel selbst die eigene Hütte auf. Der Händler verkauft Kunsthandwerk auf dem Weihnachtsmarkt. Foto: fn
Frank Neitz

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Frank Neitz Reporter / Fotograf zur Autorenseite
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Auf Höhe der Skulptur mit dem tanzenden Paar rattert ein Akkuschrauber. Hier dreht ein Mann die letzte Spaxschraube in die Rückwand einer Hütte. Seine Wollmütze ist verrutscht, graue Locken gucken darunter hervor. Und durchnässt ist die Kopfbedeckung auch. Denn dicke Regentropfen prasseln in die Holzbude – das Dach fehlt noch.

Es riecht stark nach nordischer Fichte. Holz wird auch bald am Stand verkauft. Das allerdings filigran zu Figuren verarbeitet, auch Mineralien sind dann im Angebot. Martin Konstanski werkelt eigenhändig an seinem Stand. Der Aufbau ist also Chefsache. Nur sein Sohn Gabriel hilft. Die Hütte hat der 60-Jährige selbst entworfen und zusammengezimmert.

Das nötige handwerkliche Geschick besitzt der Mann aus Barsinghausen. Früher habe er seinem Vater viel beim Renovieren am Haus geholfen, sagt Konstanski. Das prägt. Er selbst habe Versicherungskaufmann gelernt, später Wirtschaftswissenschaft studiert, sich auch eine zehnjährige Auszeit gegönnt, erzählt er. In Barsinghausen hatte er vor Jahren einen Plattenladen. Seit 15 Jahren verdient er nun mit dem Verkauf von Kunsthandwerk sein Geld.

Dicht an dicht stehen Hütten an der Ecke zur Bäckerstraße. Foto: fn
  • Dicht an dicht stehen Hütten an der Ecke zur Bäckerstraße. Foto: fn
Daniele Lazzaro schmückt einen Pizzastand. Foto: fn
  • Daniele Lazzaro schmückt einen Pizzastand. Foto: fn

Anfangs noch mit Selbstgefertigtem. „Ich habe Sonnen und Monde mit der Stichsäge ausgeschnitten und sauber geschliffen. Spaß hat das gemacht, man kam auch an seine Grenzen“, erinnert sich Konstanski. Dann kommt wieder der Kaufmann in ihm durch: „Die Zeit kriegt man aber nicht bezahlt. Wenn man mit zwei Halbmonden einen halben Tag beschäftigt ist, überlegt man schon, was man dafür haben muss. Das ist einfach nicht bezahlbar.“

Jetzt kommen Engel, Mäuse und andere hölzerne Tierchen aus Übersee auf den Hamelner Weihnachtsmarkt. Der Händler lässt in Bali fertigen. „Ich fliege da jedes Jahr einmal runter“, sagt der 60-Jährige. Zum Urlaub? Mitnichten, meint Konstanski. „Das ist Arbeit. Ich bin dann fast nur in Werkstätten. So kann ich meine Hand dafür ins Feuer legen, dass dort keine Kinder arbeiten und die Leute vernünftige Arbeitsbedingungen haben“, betont der Kunsthandwerkshändler.

Inzwischen wächst die vier mal 2,3 Meter große Hütte. Dennoch fehlt die Vorstellungskraft, wie auf den gut gerade einmal neun Quadratmetern großen Fläche mehrere Tausend Artikel untergebracht werden. So viele will Konstanski in Hameln anbieten. „Im Steinbereich sind es über 1000 Artikel – allein 300 bis 500 Schmuckanhänger. Darunter sind verschiedene Schlüsselanhänger mit 60 Tiermotiven“, erklärt der Händler, der ab und zu selbst im Verkaufsstand stehen wird.

Von einem weihnachtlichen Glanz ist noch nichts zu spüren. Gabriel Konstanski rollt fünf Meter lange Reetmatten auf dem Dach aus. Eine Vorschrift – Kunststoff darf auf dem Weihnachtsmarkt nicht offen zu sehen sein. Darauf achtet Marktmeister Stefan Schlichte. Der Stadtmitarbeiter steuert auf Konstanskis Hütte zu. Während des Gesprächs trennt sich der Barsinghäuser kurz von seinem Makita-Bohrschrauber.

Schlichte erklärt dem Händler, dass dessen Anhänger in einer Stunde weggefahren werden muss. „Dann fährt die Feuerwehr mit ihrem Löschfahrzeug vorbei“, sagt der Marktmeister. Sicherheit wird großgeschrieben.

Neun Stunden haben die Konstanskis für den Aufbau kalkuliert, dann muss die Hütte stehen. „Viele Details kommen später dazu, auch die Dekoration. Aber wir werden heute fertig“, ist sich der Händler sicher. Müssen sie auch. Denn der Stand auf dem Hamelner Weihnachtsmarkt ist nur einer von dreien. Zwei weitere müssen die Männer in den kommenden Tagen in Hannover und Hildesheim aufbauen.

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