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Vom Rotor am Ruhbrink zerteilt? Naturschützer sichern Fund für Gerichtsverfahren

Toter Rotmilan schreckt Windradgegner auf

Brünnighausen (ist). Sie weisen seit Jahren mit Nachdruck auf die Gefahr der Windradrotoren für die Vogelwelt, insbesondere die zahlreichen geschützten Arten in der Region hin: die Mitglieder der Interessengemeinschaft „Rettet den Ruhbrink“ wie Naturschützer allgemein. Jetzt sehen sie sich durch einen Fund am Brünnighäuser Windrad bestätigt. Am Karfreitag, wie die Dewezet jetzt erfuhr, hat ein Jäger einen getöteten Rotmilan unter dem Ruhbrinkrad entdeckt. Der zuständige Jagdpächter Hans-Jürgen Feuerhake aus Brünnighausen nahm umgehend das in zwei Hälften zerschmetterte Tier in Augenschein: „Ohne Zweifel vom Rotorblatt geschreddert – jetzt ist es also auch bei uns soweit“, sei sein erster Gedanke gewesen.

veröffentlicht am 18.04.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 22.04.2015 um 16:00 Uhr

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„Die roten Milane sind wieder da“, schon seit Tagen beobachte er, wie sie mit immer weniger Scheu um die Rotoren kreisten. Feuerhake informierte den Sprecher der Interessengemeinschaft und Förster Heiko Brede. „Die beiden Rotmilanhälften lagen cirka 38 und 90 Meter vom Fundament entfernt“, berichten Brede und weitere Zeugen und glauben: „Gefunden wurde der Vogel nur, weil im Moment kaum Vegetation auf den Äckern ist. Es ist mit nicht geringer Sicherheit zu befürchten, dass dies nicht der erste und auch nicht der letzte verunglückte Rotmilan war, ist und bleiben wird.“

Sollte es sich bei dem Rotmilan um einen der Altvögel aus der Region handeln, werde das natürlich den Ausfall einer Brut zur Folge haben. Der Totfund, so Brede, sei gleichwohl keinerlei Triumph über die Zweifler an der Sinnhaftigkeit der Bedeutung avifaunistischer Untersuchungen potenzieller Windenergievorranggebiete, sondern vielmehr Bestätigung für deren Notwendigkeit. Er bestätige auch die Beobachtungen des Nabu, dass der Rotmilan sehr viel häufiger als andere (Greif-)vögel an Windkraftanlagen verunglücke, in deren Nähe er offenbar bevorzugt nach Beutetieren sucht.

2002 wurde der Rotmilan deshalb in die Vorwarnliste der neuen „Roten Liste gefährdeter Brutvögel“ in Europa aufgenommen. „Solange wir solche Naturschätze in unserer Region haben, sollten wir sie, so gut es geht, vor Schnitzelwerken schützen“, so Brede.

Der tote Rotmilan wurde gestern der Unteren Naturschutzbehörde Hameln-Pyrmont und von dort zur Obduktion nach Hannover übergeben. Dass der Vogel nicht durch Gift oder Schrotflinte zu Tode gekommen sei, sei zwar offensichtlich, aber Absicherung, so der IG-Sprecher, sei für alle Seiten, auch für den Landkreis angesichts der Brisanz um die Windenergieanlagen wichtig.

Im Mai stehe wiederum eine gerichtliche Auseinandersetzung um weitere genehmigte WEAs auf dem Ruhbrink an. Ein Investor hat Klage gegen den Landkreis eingereicht: Die erheblichen Auflagen zum Vogelschutz beim Anlagenbau minimierten deren Wirtschaftlichkeit von vornherein mit Tendenz gegen null, so der Tenor der Klage.

Ob der Totfund in diesem Verfahren eine Rolle spielen würde, sei allerdings eher fraglich. „Wir jedenfalls bleiben mit Überzeugung bei unserem Standpunkt“, stellt Brede für die Interessengemeinschaft fest: „Windkraft ist okay, aber aus Artenschutzgründen bitte nicht noch mehr Anlagen auf dem Ruhbrink. Dieser Totfund kann uns nur bestärken!“ Gänzlich anders sieht das Martin Schütte aus Brünnighausen als grundsätzlicher WEA-Befürworter und Landwirt, der den Grund und Boden um die Ruhbrinkanlage verpachtet hat: „Das passiert – auf der Straße werden täglich etliche Tiere totgefahren.“

Justus Brede, Sohn von Förster und IG-Sprecher Heiko Brede, mit dem toten Vogel.Foto: pr



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