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Einspruchsfrist in Coppenbrügge endete / Eingabe mit Unterschriftenliste wendet sich gegen Ausmaß

Bürger nennen Windkraft-Pläne „unzumutbar“

Coppenbrügge (ist). Die 32. Änderung des Flächennutzungsplanes (Sonderbauflächen, Konzentrationszone für Windenergienutzung) des Fleckens Coppenbrügge ist abgeschlossen. Die Einspruchsfrist der Bürger, die über Pläne und bauliche Konsequenzen im Rahmen der öffentlichen Bürgerbeteiligung informiert worden waren, endete am 30. März.

veröffentlicht am 06.04.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 22.04.2015 um 16:22 Uhr

H.-U. Peschka
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Nach derzeitigem Kenntnisstand sei für den Bereich des Ruhbrink bei Brünnighausen neben dem bereits bestehenden Windrad – mit der im vergangenen Jahr vor dem Verwaltungsgericht erklagten – sowie vier weiteren Anlagen, insgesamt also sechs, zu rechnen, teilt Gemeindebürgermeister Hans-Ulrich Peschka mit. Bei den „Kastanien“ zwischen der L 423 (alte B 1) zwischen Hohnsen und Coppenbrügge und der Bahntrasse Coppenbrügge–Hameln zeichne sich nach den Verhandlungen von Windenergieunternehmern und Grundbesitzern der Bau von 11 bis 12 Windrädern ab, alle mit einer Höhe von 150 Metern: Das bedeutet ohne Ausnahme für alle Dörfer des Fleckens zumindest eine 17-fache Windparkskyline – aber dabei muss es nicht bleiben.

Wer angenommen hatte, der in den vergangenen Jahren entfachte Bürgersturm um die Windkraftanlagen im Fleckengebiet könne ausgesessen werden, irrte. Es herrscht Zweifel an der Effektivität und Verträglichkeit staatlicher als auch EU-Förderung von gleichzeitig sanftem Tourismus in romantischer Weserberglandidylle und „Windkraftspargeln“ mit Steuergeldern. Die Proteste sind nur geringfügig weniger emotional, dafür aber durchgehend fachkundiger geworden, so der Eindruck der Einwendungen.

Besorgnis wegen „Verschandelung“

„Eingekesselt durch Windräder – wollen wir das?“, fragte schon vor Ablauf der Einspruchsfrist ein Flugblatt von Anliegern in der Ortschaft Brünnighausen mit Blick auf das für den Bereich des Ruhbrink vorgesehene Windkraftvorranggebiet in der Größe von rund 170 Fußballfeldern. Die Ausweisung von 220 Hektar Konzentrationszone, verteilt auf zwei Teilbereiche, sei im Landkreis „die mit Abstand größte ausgewiesene Konzentrationszone für die Nutzung von Windenergie“, wird in der fristgerecht eingereichten Stellungnahme von drei Bürgern aus verschiedenen Ortsteilen, Dr. Manfred Redslob, Diplomingenieur Andreas Bergmann und Lars Wiemann festgestellt. Man sehe aufgrund derzeitig geltender Bundesgesetzgebung zwar durchaus die Notwendigkeit, Konzentrationszonen für Windenergieanlagen in einem Flächennutzungsplan auszuweisen. Das mit der vorgelegten Änderung mögliche Ausmaß erscheine für den ländlich geprägten Raum jedoch unzumutbar. Die Unterzeichner der Eingabe, die von 183 Bürgern sowie dem Verkehrs- und Verschönerungsverein Coppenbrügge und dem Dorfgemeinschaftsverein Brünnighausen in einer der Verwaltung zugeleiteten Unterschriftenliste unterstützt werden, fordern daher insbesondere Abstandseinhaltungen: 1500 Meter zu Bereichen von, laut Landschaftsrahmenplan, hoher und sehr hoher Bedeutung (wie Osterwald und Ith), um visuelle Beeinträchtigungen des Landschaftsbildes zumindest zu vermindern, 1000 Meter zu Siedlungsflächen, um die bauliche und infrastrukturelle Entwicklung sicher zu stellen, 200 Meter um alle Waldflächen. Darüber hinaus wird auf die per Gesetz geforderte Berücksichtigung der Untersuchungen hinsichtlich möglicher Beeinträchtigungen der Vogelwelt (Zugvögel, Uhu, Rotmilan) durch die Windräder hingewiesen, sowie die ausschließliche Genehmigung von Anlagetypen mit technisch höchstmöglicher Verringerung des Eingriffs für die Bevölkerung (geräuscharme Rotoren, reflexionsarme Rotoranstriche, synchrones Blinken, transparente Gittermasten) gefordert. 18 weitere Einzeleingaben aus verschiedenen Dörfern sind fristgerecht eingegangen, sagt Peschka. Die geäußerte Besorgnis fokussiere sich auf die Verschandelung des Landschaftsbildes mit entsprechender Kontraproduktivität zum Tourismus, avifaunistische (die Vogelwelt betreffend) und gesundheitliche Störungen sowie Wertminderung von Haus- und Grundbesitz. Die Eingaben werden jetzt, so Peschka, hinsichtlich ihrer rechtlichen Relevanz vom Planungsbüro Reinold geprüft, gegebenenfalls Änderungen erarbeitet und diese der Öffentlichkeit und der Politik zur Neuentscheidung vorgelegt. Die nächste gemeinsame Ortsratssitzung ist für den 24. April terminiert.

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Die in Auftrag gegebenen avifaunistischen Untersuchungen seien langfristrig. Ihre Ergebnisse erwarte er nicht vor Ablauf eines halben Jahres. Bis zur endgültigen Entscheidung, bestenfalls einer Verkleinerung der jetzt ausgewiesenen Flächen, kann noch viel Wind durch das Land gehen.

Die Betreibergesellschaft „Windwärts Energie“ hat übrigens den Vorschlag auf Verkleinerung des Ruhbrinkgebietes durch Kappung des südlichen Dreiecks eingereicht. Hintergrund ist, dass man Windstärkenverluste durch mögliche Konkurrenzanlagen in diesem Bereich befürchtet.



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