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Landesregierung plant Verzicht auf Höhenbegrenzung / Neue Anlagen können Vorteile haben

Windräder sollen in den Himmel wachsen

Hameln-Pyrmont (joa). Werden die Windräder demnächst noch höher in den Himmel wachsen? Ginge es nach den Vorstellungen der niedersächsischen Landesregierung, könnte das schon bald der Fall sein. Sie hat bereits im September einen Entwurf für ein Konzept des Landes für die „Energiepolitik für morgen“ beschlossen. Hintergrund ist der geplante Ausstieg aus der Kernenergienutzung und ein beschleunigter Ausbau der erneuerbaren Energien. In dem nunmehr vorliegenden 99-seitigen Konzeptentwurf wird ein besonderes Augenmerk auf die Windenergie und hier auf das „Repowering“ in der Windenergiebranche gelegt. Hierbei werden mehrere ältere Windräder durch eine leistungsstärkere, weil höhere Anlage ersetzt. Und hierfür sieht das Energiekonzept des Landes eine generelle Aufhebung der Höhenbegrenzung für Windräder vor. Mit der Novellierung des Landesraumordnungsprogramms soll dann auf Höhenbegrenzungen in regionalen Raumordnungsprogrammen grundsätzlich verzichtet werden.

veröffentlicht am 29.12.2011 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 23.04.2015 um 11:56 Uhr

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Im für Hameln-Pyrmont gültigen regionalen Raumordnungsprogramm aus dem Jahre 2001 ist bislang noch zu lesen, dass bei Windrädern „die Nabenhöhe der Anlagen auf 85 Meter begrenzt werden soll“. Jörg Heine, stellvertretender Leiter des Referats für regionale Entwicklung beim Landkreis, legt Wert auf die Feststellung, dass es sich hier jedoch um eine „Soll-Bestimmung“ handelt. Heine: „Die 85 Meter sind schon jetzt nicht bindend.“ Eine definitive Höhenbegrenzung habe es damit auch in der Vergangenheit nicht in Hameln-Pyrmonts regionalem Raumordnungsprogramm gegeben; auch wenn die Gemeinden bei der Ausweisung ihrer Vorranggebiete für Windkraft teilweise Höhenbegrenzungen festgelegt hätten, so Heine. Um diese gewünschten Höhenbegrenzungen jedoch „bei den Baugenehmigungen auch durchzusetzen, mussten die Gemeinden aber immer schon gute Gründe haben“, blickt Heine als Vertreter der Genehmigungsbehörde zurück. Daher ist im Landkreis auch die Soll-Marke besagter 85 Meter des derzeit gültigen regionalen Raumordnungsprogramms bereits längst überschritten: „Im Raum Salzhemmendorf haben wir bereits Nabenhöhen von über 90 Metern“, weiß Heine zu berichten, und dass der technische Trend heutzutage bereits bis zu Gesamthöhen von bis zu 200 Metern gehe. Für das Weserbergland hält er Höhen bis zu 150 Metern denkbar.

Windkraftanlagen sind für eine Lebensdauer von etwa 25 Jahren ausgelegt. Durch die rasante Entwicklung der Technologie in den letzten Jahren ist es oft wirtschaftlich vertretbar, schon vor Ablauf der technischen Lebensdauer alte, kleine Anlagen durch neue, größere zu ersetzen. Dieses Repowering kann für Anlieger durchaus Vorteile haben: Neue Anlagen laufen ruhiger, da sich mit zunehmendem Rotordurchmesser, wie er bei leistungsstärkeren Anlagen notwendig wird, die Zahl der Umdrehungen verringert. Leisteten diese in den 1990er Jahren noch 40 bis 60 Umdrehungen pro Minute, sind es bei den Nachfolgemodellen von heute lediglich zehn bis 20 Umdrehungen. Die ältesten vier Windkraftanlagen im Landkreis – sie stehen im Raum Bad Pyrmont – wurden übrigens 1998/99 in Betrieb genommen. Außerdem laufen moderne Windräder durch bessere Flügel-Aerodynamik auch leiser.

Für den Betreiber schaffen neue Windkraftanlagen mehr Volllaststunden und bringen den dreifachen Stromertrag einer alten Anlage. Außerdem muss beim Repowering kein langes Planungsverfahren abgewartet werden. Vorhandene Standorte genießen Bestandsschutz. Für die Kommunen ergibt sich durch das Repowering eine Erhöhung der Einnahmen, unter anderem durch die Gewerbesteuer.

In Deutschland gewährte 2004 erstmalig eine Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) finanzielle Anreize für das Repowering alter Windenergieanlagen. Das am 1. Januar 2009 in Kraft getretene novellierte EEG erhöhte die Anreize zum Repowering deutlich: Für Windenergieanlagen an Land („onshore“) erhöht sich die Anfangsvergütung von 7,87 auf 9,2 Cent/kWh, hinzu kommt für Repoweringanlagen ein Bonus von 0,5 Cent/kWh. Die ersetzten Anlagen müssen aus dem gleichen oder benachbarten Landkreis stammen und mindestens zehn Jahre alt sein. Eine neue Anlage muss mindestens die doppelte Leistung der alten erreichen. Doch auch angesichts des neuen niedersächsischen Energiekonzeptes, das voraussichtlich im Sommer 2012 in Kraft treten wird, „liegen für die Windenergieanlagen im Landkreis Hameln-Pyrmont noch keine Anträge auf Repowering vor“, so Reinhard Bartsch vom zuständigen Amt für Wasser, Abfall und Bodenschutz. Angesichts der Tatsache, dass alle Windräder im Kreis noch unter besagter Lebensdauer von 25 Jahren und damit eigentlich erst in ihrer Rentabilitätsphase sind, sieht Bartsch wohl vorerst auch keinen wirtschaftlichen Repowering-Bedarf bei hiesigen Betreibern.

Bereits vorhandene und geplante Windkraftanlagen

im Landkreis Hameln-Pyrmont. Quelle: Landkreis

Grafik: Wal



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