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Tod – und was kommt dann?

Der Tod – und dann? Diesen Bereich findet sogar ein Bischof „schwierig“. Doch für Ralf Meister, Landesbischof der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, steht fest: „Es gibt dieses Leben nach dem Tod.“ Die „Story“ eines Menschen werde weitererzählt, sagt Meister, und zwar „bei Gott selbst“. Die Frage nach dem Danach ist nicht weniger als ein Knackpunkt der Weltreligionen. Die Antworten fallen so unterschiedlich aus wie die Bestattungsrituale. Einig sind sich die Gläubigen der Welt jedoch in einem: Der Tod hat nicht das letzte Wort.

veröffentlicht am 07.11.2012 um 16:25 Uhr
aktualisiert am 19.11.2016 um 14:53 Uhr

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Autor:

Frank Henke,Claudia Güntherund Philipp Killmann

Für Hindus, immerhin mehr als 13 Prozent der Weltbevölkerung, folgt auf ein Leben in der Regel schlicht das nächste. Ob jemand als Mensch oder Tier zurück auf die Erde kommt, hängt dabei von seinen guten oder bösen Taten in den vorherigen Leben ab. Jeder ist seines Glückes Schmied – zumindest im Rahmen der sozialen Vorschriften. Nur wenigen allerdings gelingt der Ausstieg aus dem Lebenskreislauf zur Erlösung („Mokscha“). Der Tod gilt Hindus so letztlich als notwendig. Vom Sterbenden wird erwartet, dass er ihn annimmt, sich zurückzieht und besinnt. Leichen werden – bevorzugt am Ufer des heiligen Flusses Ganges – verbrannt. Die Seele, so der Glaube, wird vom Körper befreit.

Die Bestattungsrituale verursachen allerdings Probleme: Die Überreste der verbrannten Toten werden dem Ganges übergeben – und so auch die Leichen von Priestern und Kindern, die nicht verbrannt werden. Das Bad im heiligen Fluss soll von Sünden reinigen, bedeutet aber längst eine ernste Gesundheitsgefahr.

Wie im Hinduismus wandert der Mensch auch im Buddhismus durch die Existenzen – Tod bedeutet Übergang. Wie die nächste Wiedergeburt ausfällt, hängt auch im Buddhismus vom Karma ab, der Essenz von guten und schlechten Taten oder Absichten aus den vorherigen Leben. Und das ist kein Grund zur Freude im Diesseits, schließlich gilt die erste der „Vier edlen Wahrheiten“: Leben ist Leiden. Um herauszukommen aus dem leidbehafteten Lebenskreislauf und ins Nirwana einzutreten, müssen „Gier, Hass und Verblendung“ überwunden werden. Die Seele eines Toten benötigt nach tibetischer Vorstellung exakt 49 Tage für ihre Reise ins Jenseits. Spätestens am siebten Tag wird der Leichnam in der Regel verbrannt. Das Selbst löst sich – anders als nach hinduistischer Vorstellung – im Moment des Todes auf. Was wiedergeboren wird, ist – so die traditionell buddhistische wie rätselhafte Vorstellung „weder dasselbe noch verschieden“. Ein schlechtes Karma beschert die Wiedergeburt als Tier, Hungergeist oder Höllenweisen. Ein gutes Karma die als friedliche oder zornige Gottheit oder als Mensch.

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  • Eine christliche Beerdigung. Foto: Gina Sanders/fotolia
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  • Eine hinduistische Feuerbestattung. Foto: Wikipedia/Gemeinfrei

In Tibet noch heute verbreitet ist die buddhistische Himmelsbestattung. Der Ritus ist nichts für zarte Gemüter: Bestatter zerstückeln die Toten, Geier übernehmen das Weitere. Ein Verfahren das oft – religiöse Begründungen einmal außer Acht gelassen – auf harte Böden und einen Mangel an Brennholz zurückgeführt wird.

Dem Weserbergland sind solche Bräuche nicht nur geografisch fern. Dennoch: Religiöse Bestattungsriten sind auch in der Region immer wieder ein Thema.

Nur 10 bis 15 Prozent der etwa vier Millionen Muslime in Deutschland werden auch hier begraben, weiß der für den Landkreis Hameln-Pyrmont zuständige aus der Türkei stammende Integrationsbeauftragte Dr. Feyzullah Gökdemir. Er selbst plant anders: „Deutschland ist meine Heimat“, sagt er und will sich auf jeden Fall in Deutschland beerdigen lassen, damit „meine Kinder und meine Frau mich jederzeit besuchen können“.

In der muslimischen Vorstellung folgt nach dem Tod die große Abrechnung: Ungläubige und böse Menschen landen in der Hölle, gute und gläubige im Paradies. Die Beerdigung sollte möglichst noch am Sterbetag erfolgen. Im Grab soll das Gesicht des Toten, auf der rechten Seite oder auf dem Rücken liegend, gen Mekka gerichtet sein. Der Verstorbene wird in Tücher gehüllt und ohne Sarg in die Erde gelassen. Hier muss er nach muslimischem Glauben Fragen nach Gott und Prophet beantworten, um in den Himmel zu gelangen. Eine Feuerbestattung ist ausgeschlossen: Der Muslim braucht seinen Körper, sonst könnte er auf dem Weg zu Allah nicht seinen religiösen Pflichten – etwa den Gebeten – nachkommen. Grabschmuck und Grabpflege sind weitgehend unüblich.

Was in Deutschland von den Bestattungsunternehmen geleistet wird, organisiert für die meisten in Deutschland lebenden Muslime der Ditib-Bestattungsverein, der den Moscheen angeschlossen ist und wie eine Versicherung funktioniert. Jede Familie zahlt jährlich einen Beitrag. Verstirbt ein Familienmitglied, regelt der Beerdigungsverein die Formalitäten und sorgt für die Rückführung in die Heimatländer.

Einen Grund dafür lieferten in der Vergangenheit auch deutsche Friedhofsvorschriften. Der Sarg ist Pflicht, die Liegedauer – entgegen der muslimischen Tradition – begrenzt, die Grabpflege reglementiert. Allmählich vollzieht sich ein Wandel. In Hameln sind muslimische Bestattungen auf dem Friedhof am Wehl möglich. In Bad Pyrmont auf dem Holzhäuser Friedhof. Die Nachfrage ist in beiden Städten gering. Dabei zeigt man sich im Hamelner Rathaus sogar bei einer reinen Tuchbestattung – ohne Sarg – aufgeschlossen, „sofern das Gesundheitsamt zustimmt“. In Rinteln ist auf Wunsch der Türkisch-Islamischen Gemeinde Mevlana geplant, den Teil eines Friedhofes islamischen Bestattungen vorzubehalten. Die Stadtverwaltung schlägt dafür einen Teilbereich des neuen Friedhofs in Exten vor. Der Kirchenvorstand Exten-Hohenrode hat laut Pastorin Elisabeth Schacht-Wiemer nichts gegen einen islamischen Bestattungsbereich einzuwenden. In der nächsten Ortsratssitzung am 11. Dezember soll darüber schlussendlich entschieden werden.

Eine dauerhafte Liegestelle erhoffen auch jüdische Gläubige für ihre Verstorbenen. Im Talmud, einer der wichtigen Schriften des Judentums, heißt es: „Erde bist du und zur Erde kehrst du wieder.“ Jüdische Bestattungen finden deshalb als Erdbestattungen statt und zwar in „jungfräulichem“ Boden, in dem zuvor noch niemand beerdigt wurde. Heute ist im Judentum der Glaube eine Auferstehung und „ewiges Leben“ üblich. Im orthodoxen Judentum taucht auch die Vorstellung einer Wiedergeburt auf. Traditionell werden jüdische Gläubige in weißleinenem Sterbekleid beigesetzt oder die Männer in einem Kittel, den sie erstmals als Bräutigam trugen, beigesetzt. Außerdem wird ein kleiner Beutel mit israelischer Erde in den Sarg oder das Grab gelegt.

In Hameln gibt es den traditionellen jüdischen Friedhof an der Scharnhorststraße sowie ein jüdisches Grabfeld auf dem Friedhof am Wehl. Wer nach jüdischer Tradition ein Grab für die Ewigkeit will, entscheidet sich für diese Friedhöfe. Auf anderen Friedhöfen gelten Liegefristen von 25 bis 30 Jahren.

Und wie halten es die Christen mit dem Tod? „Wir haben keine konkrete Vorstellung über den Raum, aber wir glauben sicher, dass es eine Situation gibt, in der wir uns in einer außerordentlichen Nähe zu Gott selbst befinden“, sagt Landesbischof Meister. Das Fegefeuer droht nicht mehr. Im Glaubensbekenntnis ist heute – bei Protestanten wie Katholiken – von der „Auferstehung der Toten“ die Rede. Nicht mehr von der etwas konkreteren „Auferstehung des Fleisches“. Denn der wiederbelebte Leichnam – der ist ein kniffliger Punkt. Sogar für Pastoren: Würde man nach Predigten über die leibliche Auferstehung suchen, sagt Meister, fände man „über Jahre nichts“. Hier ginge es letztlich um die „eigene tiefe Glaubenserfahrung“, nicht um „theologisches Schwarzbrot“.

Und kommt es zu dieser „Glaubenserfahrung“ dann spätestens auf dem Sterbebett? „Ich hatte auch die Erwartung: Zum Schluss kriegt Gott uns alle“, sagt der Landesbischof. „Aber es gibt Untersuchungen, die das Gegenteil beweisen. Es gibt Atheisten, die sterben tiefgläubig atheistisch.“

So sehr sich Christentum, Judentum, Islam, Buddhismus und Hinduismus auch voneinander abgrenzen, in diesem einen Punkt sind sie sich einig: Der Tod ist nicht das Ende.



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