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Von der Patientenverfügung bis hin zu Beerdigungskosten – was alles vorab geregelt werden kann

Schon im Leben Regie über den Tod führen

Noch zu Beginn des vorigen Jahrhunderts waren sie in Kreisen der ländlichen Bevölkerung in vielen Bauernhäusern obligatorisch: Die aufgeschnittenen Eichenbretter, die jahrelang auf dem Dachboden trockneten, um dereinst vom Dorftischler zum Sarg für einen verstorbenen Hausbewohner verarbeitet zu werden. Denn gestorben wurde zu Hause, der Tote auf der Diele aufgebahrt.

veröffentlicht am 21.11.2012 um 11:19 Uhr
aktualisiert am 19.11.2016 um 15:08 Uhr

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Joachim Zieseniß

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Joachim Zieseniß Reporter Coppenbrügge-Salzhemmendorf zur Autorenseite

Und der Tod war Teil des Lebens, auch wenn er vorerst auch nur in rohen Eichenbrettern auf dem Dachboden lag …

Wie wird mein Tod aussehen, und was passiert mit mir danach? Für viele ist zumindest das leibliche Ende ein Bereich, den sie so weit wie möglich zu Lebzeiten selbst regeln möchten. Das Testament ist dabei nur ein Bestandteil, weil es das Vermächtnis regelt.

Sterbegeld wurde abgeschafft

Waren es dereinst die Eichenbretter auf dem Dachboden, so haben sich die Zeiten dank Internet und Suchmaschinen geändert: Unter dem Stichwort „Sarg bauen“ findet der vorausschauende Hobby-Bastler zahlreiche Anweisungen und Baupläne, wie man sich aus Fichtenbrettern, Kanthölzern und passenden Spax-Schrauben, Holzzwingen und Akkuschrauber innerhalb von zweieinhalb Stunden ein Friedhofssatzung und dem Krematorium konformes Erdmöbel für unter 100 Euro selbst basteln kann. Mit dem Vorteil, dass im Internet auch gleich mit verraten wird, wie man die letzte Lagerstatt zu Lebzeiten mit Einlegeböden als schickes Regal zwischennutzen kann.

„Nichts ist umsonst, nur der Tod. Und der kostet das Leben“, sagt schon der Volksmund. Doch ob dieser dank medizinischer Hightech und ärztlicher Kunst bis ins Würdelose hinausgezögert werden soll, kann seit dem 1. September 2009 mit dem dritten Gesetz zur Änderung des Betreuungsrechts in einer Patientenverfügung festgelegt werden. Hier kann jeder Volljährige für den Fall seiner Einwilligungsunfähigkeit in jeder Phase seines Lebens selbst entscheiden, ob und wie er kurz vor dem Tode behandelt werden möchte, ob er bei einem konkret beschriebenen Krankheitszustand bestimmte medizinische Maßnahmen wünscht oder ob sie unterlassen werden sollen. Und laut Dr. Yones Salameh, Oberarzt an der Intensivstation am Sana-Klinikum in Hameln, legen derzeit immer mehr Patienten oder ihre Angehörigen eine solche Patientenverfügung vor. Womit schon der Tod an sich wenigstens schon zum Teil planbar geworden ist. Doch auch, dass der Tod eben mehr kostet als das Leben, dürfte vielen klar geworden sein, als das Sterbegeld, das bis 2004 von den gesetzlichen Krankenkassen gezahlt wurde, im Laufe der Zeit immer mehr reduziert und schließlich ganz abgeschafft wurde. Und da heutige Beerdigungen je nach Art von Discount-Bestattungen bis Nobel-Grablegungen, sprich von unter 1000 Euro bis nahezu in den fünfstelligen Bereich zu haben sind, kann diese Finanzlücke schon zu Lebzeiten mit dem Abschluss einer Sterbeversicherung geregelt werden. Schon Mittvierziger werden mitunter per Briefsendung aufgefordert, mit einer Police „frühzeitig“ vorzusorgen, um sich einen „Abschied in Würde“ leisten zu können. Fast alle Lebensversicherer bieten Verträge zur Finanzierung der eigenen Beerdigung an. Doch die Lösung „Sterbegeldversicherung“ sei lediglich ein gutes Geschäft für die Versicherer selbst und so gut wie nie für die Kundschaft, sagt Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten (BdV). Besonders alte Menschen müssten die Sparverträge teuer erkaufen. Ein einziges „Renditegrab“, so auch das Urteil von Stiftung Warentest.

Eine Sterbegeldversicherung ist nämlich kein simples Ansparmodell zum späteren Bezahlen von Bestattung, Sarg und Trauerflor, wie es sich viele Interessenten vorstellen. Bei den Policen handelt es sich vielmehr um abgespeckte Versionen einer Kapitallebensversicherung. Weil der Großteil der eingezahlten Beiträge für den Risikoschutz des Versicherten draufgeht, wird die Police allerdings in so gut wie jedem Fall zum Verlustgeschäft, so die Berechnungen von Verbraucherorganisationen. Die Kunden zahlen über die Jahre deutlich mehr ein, als im Falle des Todes herauskommt.

Sinnvoller dürfte da eine sogenannte „Bestattungsvorsorge“ sein, ein Werkvertrag, mit der Lebende in einer testamentarischen Verfügung Kosten und Regie über ihre eigene Beerdigung übernehmen können. Mit einer Bestattungsvorsorge, die meist für die eigene Beerdigung und spätere Grabpflege direkt mit einem Bestatter des Vertrauens abgeschlossen wird, kann man alles rund ums eigene Grab regeln: Hier wird beispielsweise vorab die Entscheidung Sarg oder Urne, Friedhof, See oder Friedwald getroffen. Auch der Blumenschmuck auf dem Sarg oder die Musik bei der Trauerfeier können bereits im Vorhinein festgelegt werden. Viele Menschen sprechen beim Abschluss einer Bestattungsvorsorge sogar schon mit dem Bestatter ab, welche Kleidung sie im Sarg tragen wollen und ob ihnen bestimmte Gegenstände mit auf die letzte Reise gegeben werden sollen. Auch Grabpflege-Vereinbarungen können hier schon vorab getroffen werden. Wie Bernd Kutzner, Eigentümer des gleichnamigen Hamelner Bestattungsinstituts, erklärt, werden bei dieser Art von Verträgen die Bestattungskosten entweder in Einmalzahlung, per Versicherungsverträgen oder in Raten von den Vertragspartnern beglichen.

Wie sein Bad Pyrmonter Kollege Ulrich Bente vom dortigen Bestattungshaus versichert Kutzner, dass diese Art der Sterbevorsorge kontinuierlich zunimmt - als Folge der Auflösung alter Familienstrukturen und einer veränderten Bestattungskultur. „Die Eltern wollen ihren Kindern, die meist gar nicht mehr vor Ort leben, so nicht zur Last fallen,“ erklärt Kutzner, der im Todesfall mit Bestattungsvorsorge dann vielfach gleich mit den Alten- und Pflegeheimen verhandelt. Denn auch die Abwicklung aller Formalitäten ist per Bestattungsvorsorge bereits geregelt. Und Ulrich Bente hat die Erfahrung gemacht, dass es manchem Kunden schwer fällt, zusammen mit dem Bestatter seinen eigenen Tod de

tailliert zu planen. „Meistens sind aber dann alle erleichtert, wenn wir alles geregelt haben“, weiß Bente zu berichten.



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