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Wie Hinterbliebene mit einem Verlust besser fertig werden

Rituale geben Halt im Angesicht des Todes

Ob jemand jung verstirbt oder betagt – der Tod kommt immer zu früh. Und die Hinterbliebenen müssen sehen, wie sie mit ihrer Trauer zurechtkommen. Rituale, christliche und weltliche, können helfen. Sie geben den Tagen und Wochen danach Struktur.

veröffentlicht am 08.11.2012 um 12:38 Uhr
aktualisiert am 19.11.2016 um 14:41 Uhr

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Autor

Christa Koch Reporterin

„Ich will Gesang, will Spiel und Tanz, will, dass man sich wie toll vergnügt. Ich will Gesang, will Spiel und Tanz, wenn man mich untern Rasen pflügt.“ Klaus Hoffmann heißt der Interpret dieses von Hans Riedel getexteten Chansons mit Musik von Jacques Brel. Wiewohl schwermütig, soll das Lied doch zeigen, dass es – auch in der Trauer – Rituale gibt, die den Menschen Halt vermitteln. Rituale, an denen Hinterbliebene sich entlanghangeln könnten, um mit einem Verlust besser fertig zu werden. Rituale helfen, den Tagen nach dem Tod eines geliebten Menschen eine gewisse Struktur zu geben. Unterschiede gibt es dabei viele – regionale, religiöse, kulturelle.

Manche Bräuche, wie etwa die Aufbahrung eines Toten zu Hause, sind nach und nach verschwunden, werden häufig nur noch in ländlichen Gebieten und in Süddeutschland praktiziert. Andere hingegen haben sich bis heute erhalten: „Wir schließen einem Verstorbenen die Augen und tragen ihn grundsätzlich, weil es ein christlicher Brauch ist, mit den Füßen voran aus dem Haus, und mit den Füßen zuerst wird er anschließend auch im Leichenwagen gefahren, einer anderen Zukunft entgegen“, sagen Knut Heine und Thomas Lehmann vom Bestattungsinstitut Auguste Heine, das in Hameln bereits in dritter Generation geführt wird. Früher seien Gräber oft auch nach Osten ausgerichtet worden, der Sonne und damit ebenfalls einem anderen „Leben“ entgegen. Kerzen gehören bei einer Trauerfeier immer dazu, zumindest bei einer christlichen; sie sollen vor allem daran erinnern, dass Jesus das Licht ist.

Während die Totenfrau, die Bewohner in der Nachbarschaft von dem Ereignis informierte, fast nirgendwo mehr gebräuchlich ist, gibt es das Totengeläut nach wie vor. Mancher mag sich erinnern an den Unfalltod der unglücklichen Lady Diana und die anschließende kollektive Trauer in Großbritannien: Eine dumpfe Totenglocke schlug, als die Söhne hinter dem Sarg der Mutter hinterherschritten.

„Ausgeläutet“ als Form der Bekanntmachung wird inzwischen nur noch auf wenigen Dörfern, üblich ist aber nach Aussagen der Bestatter, dass am Ende einer Trauerfeier etwa 20 Minuten die Glocken der Heimatgemeinde eines Verstorbenen läuten, sofern er Mitglied einer christlichen Kirche war.

Um Verwandte oder Bekannte über den Tod eines geliebten Menschen in Kenntnis zu setzen, gibt es viele Möglichkeiten. Eine davon: die Traueranzeige in der Tageszeitung. Doch längst hat auch hier der Fortschritt Einzug gehalten: Wer stilvoll und innovativ seiner Trauer über den Verlust eines geliebten Menschen Ausdruck verleihen will, für den bietet die Dewezet im Internet ein neues Trauerportal. Dort können Angehörige und Freunde individuell Traueranzeigen entwerfen, die dann sowohl in der Zeitung erscheinen als auch auf dem Portal. Mit kleinen Textbotschaften, Fotos und Videos können die Nutzer die Erinnerungen an den Verstorbenen wach halten oder ihre persönlichen Eindrücke mit anderen teilen. Wer seine Trauer lieber still äußern möchte, der kann virtuell eine Kerze entzünden. Über die Premiumoptionen gibt es weitere Möglichkeiten, um die Gedenkseite noch persönlicher zu gestalten. Dazu gehören spezielle Gedenkkerzen, Fotos oder Videos. Außerdem gibt es einen eigenen „Sternenhimmel“, an dem man einen Stern für den geliebten Menschen leuchten lassen kann. Das Portal ist erreichbar über www.dewezet.de oder direkt unter trauer-dewezet.de.

Eine Trauergemeinde ganz in Schwarz gewandet – im Mittelalter Zeichen für Stoff, der teurer war als weißer – das gibt es heute nur noch ab und zu. Lehmann: „Wir empfehlen den Hinterbliebenen meist einfach nur gedeckte Kleidung.“ Was geblieben ist, ist hingegen die Sitte, Erde auf den Sarg zu werfen. („Erde zu Erde, Asche zu Asche, Staub zu Staub“). Dieses Ritual wird zwar vielfach noch angewandt, in Hameln aber, so Heine, werde mittlerweile fast immer Sand dafür benutzt, denn das Poltern schweren Bodens auf dem hölzernen Sarg habe viele Angehörige irritiert.

„Die Menschen trauern heute so, wie sie wollen“

Gab es früher übrigens bei streng kirchlichen Beerdigungen ausschließlich Choräle, Gedenken und Gebete, so sind Trauerfeiern in Deutschland immer kreativer geworden. Das fängt schon beim Abschiednehmen an: Statt in einer Friedhofskapelle haben Hamelner zum Beispiel auch die Möglichkeit, im Abschiedsraum des Unternehmens Heine auf dem Hefehof ein letztes Lebewohl zu sagen. Lehmann: „Wir haben gute Erfahrungen damit gemacht. Manchmal wird der Sarg dann in die Mitte des Raumes gestellt, Hinterbliebene nehmen in einem Stuhlkreis drum herum Platz. So ist der Verstorbene ein letztes Mal in ihrer Mitte.“ Diese Möglichkeit, so Heine, werde vor allem von Menschen in Anspruch genommen, die den Mut hätten, eine Trauerfeier ganz individuell zu organisieren.

„Die Menschen trauern heute so, wie sie wollen“, bestätigt denn auch Reiner Sörries, Direktor des Museums für Sepulkralkultur in Kassel. Da erklinge die Lieblingsmusik des Verstorbenen, sein Foto stehe neben dem Sarg, manchmal würden Videos gezeigt. Ein immerwährendes Thema ist dabei die Musik. „Seit dem Tod von Lady Di ist der Song ,Time to say goodbye’ ein Klassiker“, weiß auch der Hamelner Lehmann. Aber auch „My way“ von Frank Sinatra sei beliebt, vor allem bei jüngeren Leuten.

Live-Musik und CDs sind nach seinen Worten bei Trauerfeiern inzwischen gebräuchlich, auch wenn das nicht jeder Geistliche gern sehe. Lehmann, der sich als Dienstleister fühlt, erinnert sich: „Wir hatten eine Trauerfeier, bei der, ganz im Sinne des Verstorbenen, anfangs die Melodie von Winnetou gewünscht wurde und die mit einem Lied von DJ Oetzi ausklang. Nach dieser Melodie hatte der Mann zum letzten Mal mit seiner Ehefrau getanzt.“

Ein nach wie vor wichtiges Ritual: das Kaffeetrinken nach der Beisetzung. Nachdem die Zeit des Abschiednehmens und der Trauerfeier überstanden sei, sagt Heine, würden Erinnerungen an den Verstorbenen wach, würden kleine Anekdoten erzählt. „Manchmal ist der Tote dann lebendiger als je zuvor.“

„Tod – das ist eine sehr hohe defensive Belastungssituation, bei der Routine ganz besonders wichtig ist. Und Routine, das sind eben auch Rituale“, sagt Dr. Michael Heilemann. Der Hamelner Psychologe glaubt, dass sie zum Ertragen besonderer Situationen unabdingbar sind, eben überall dort, wo lebensentscheidende Veränderungen eintreten. „Rituale sind ein seelischer Brückenschlag zwischen dem Erleben und der Geborgenheit über den Tod hinaus und Garanten des Wir-Gefühls.“ Damit meint Heilemann, dass das gemeinsame Erleben von Trauer mit Hilfe von Ritualen „Zeichen einer übergeordneten Treue“ ist – „wir vergewissern uns gegenseitig unserer Gleichheit in Bezug auf den Verstorbenen und wissen, dass einst auch unser Leben so seine Abrundung findet, wenn wir selbst keine Kontrolle mehr haben.“



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